NRW-Literaturtaler an Gerhart Baum verliehen Ein Politiker für Kultur und Menschenrechte

Düsseldorf · Der ehemalige Innenminister Gerhart Baum wurde für sein kulturpolitisches Engagement mit dem „Literaturtaler“ ausgzeichnet. Beim Festakt sprach er über den Ukraine-Krieg.

 Der frühere Innenminister Gerhart Baum.

Der frühere Innenminister Gerhart Baum.

Foto: Anne Orthen (orth)/Anne Orthen (ort)

Einen „Kulturgroschen“ hat er bereits, der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum. Die undotierte Ehrung wurde ihm vor drei Jahren durch den Deutschen Kulturrat verliehen. Jetzt ist noch ein „Literaturtaler“ dazu gekommen. Der ist gleichfalls undotiert und wird seit 2014 vom LiteraturRat NRW vergeben. Zur Preisverleihung war Gerhart Baum in die „Herzkammer“ gekommen, den neuen Vortragssaal der Stadtbibliothek am Konrad-Adenauer-Platz.

Der Ort war mit Bedacht gewählt, denn im KAP 1 befindet sich seit kurzem das Literaturbüro NRW, dessen langjähriger Leiter Michael Serrer auch Vorsitzender des „LiteraturRats“ ist. Ursprünglich war geplant, den Senior-Politiker nach Büchern zu fragen, die sein Leben geprägt haben. So wie bei Elke Heidenreich, die vor wenigen Tagen gleich ein ganzes Buch darüber vorstellte. Aber Baum ist auch in seinem neunten Lebensjahrzehnt ein sehr zeitkritischer Beobachter und wollte vor allem über den Ukraine-Krieg sprechen. Also einigte man sich darauf, die Laudatio anlässlich des „Literaturtalers“ als angemessenen Rahmen für ein politisches Gespräch zu betrachten.

Der 1932 in Dresden geborene Preisträger verfolgt die Aggression des russischen Präsidenten mit persönlicher Betroffenheit. Baums Mutter war Russin, in Moskau geboren, wo ihr aus Charkow stammender Vater ein florierendes Textilunternehmen hatte. Die polnische Großmutter kam ursprünglich aus Lodz. Im Revolutionsjahr 1917 floh die ganze Familie aus Moskau.

In der aktuellen Situation unterstützt er deshalb vor allem Menschen, die als Oppositionelle aus den ehemaligen Sowjetrepubliken in den Westen flüchten müssen. Dabei hilft ihm die gemeinsam mit seiner Frau gegründete „Gerhart-und-Renate-Baum-Stiftung“.

Als Innenminister unter Helmut Schmidt war Baum auch für die Kultur verantwortlich. Seither ist er unermüdlich im ganzen Land unterwegs, um von der Auflösung oder Schließung bedrohte kulturelle Einrichtungen zu retten. Zudem befasst er sich in zahlreichen Veröffentlichungen mit Bürger- und Menschenrechten. In der Düsseldorfer Kanzlei „baum, reiter & kollegen“ beschäftigt er sich als Partner mit Anleger- und Verbraucherschutz. „Rettet die Grundrechte! Bürgerfreiheit contra Sicherheitswahn“ lautet der Titel einer 2009 erschienenen Streitschrift.

Für das Gespräch hatte Michael Serrer zwei weitere Veröffentlichungen Gerhart Baums auf den Tisch gestellt. In „Meine Wut ist jung“ zog er 2012 eine Bilanz seines politischen Lebens. Und gerade erst ist „Freiheit. Ein Appell“ erschienen. Serrer erzählte aber auch, wie der junge Jurist Gerhart Baum nach der Lektüre von „Doktor Faustus“ einen Brief an Thomas Mann geschrieben hatte. Und tatsächlich eine lobende Antwort erhielt, für die „Wärme und ansprechende Form“ seines Ausdrucks.

Mit der Ehrung für Gerhart Baum endeten die Düsseldorfer Literaturtage, die bereits mit einer Ehrung begonnen hatten: Für ihr Werk „Ein von Schatten begrenzter Raum“ erhielt Emine Sevgi Özdamar in diesem Jahr den Düsseldorfer Literaturpreis.

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