George Clooney verzaubert mit "The Monuments Men" Berlin

Berlin : George Clooney verzaubert die Berlinale

Der Hollywood-Star präsentierte in Berlin seinen Film "The Monuments Men". Und er gab eine leicht hysterische Pressekonferenz.

Von George Clooney geht eine elektromagnetische Spannung aus, irgendwas, das man nicht sehen kann, aber fühlen — anders ist nicht zu erklären, warum sie in Berlin so verrückt sind zurzeit. Die Boulevardzeitungen folgen dem 52-Jährigen auf Schritt und Tritt; im Szene-Lokal "Grill Royal" hat man ihn am Vorabend aufgespürt. Dort bestellte Clooney für seine Kumpels, die praktischerweise alle in seinem neuen Film mitspielen, zehn Platten Rinderfilet: Chateaubriand für 1450 Euro. Dazu gab es Chardonnay zu 120 Euro die Flasche — wie viele genau, hat der Kellner vergessen. Es soll aber bis nach Mitternacht gegangen sein, was man gern glaubt, denn vor die Presse zieht Clooney mit seinen Kollegen Matt Damon, Bill Murray und Jean Dujardin in einer Polonaise. Man kann sich den Lärm im Saal nicht vorstellen, römische Klatschreporterinnen schreien derart hysterisch den Vornamen des Hollywood-Stars, dass man sich freut, kein italienischer Ehemann zu sein. Und als sich zwei im Streit um den letzten freien Stuhl die Augen auszukratzen drohen, greift die Moderatorin ein: "Don't fight, please!".

Da ist er also. Hellgrauer Anzug, das weiße Hemd offen bis zum Solarplexus. Aus dem Knopfloch des Revers hängt eine Sonnenbrille, die Haut ist gebräunt. Clooney hebt den Schoß seines Sakkos, drückt den Po heraus, und die Reaktion ist so heftig, dass man der Moderatorin gern ein Lineal geben würde, damit sie es auf den Tisch schlagen kann. Irgendwann ist es endlich still genug für die erste Frage: "Wie haben Sie es hinbekommen, dass Sie nach einer durchzechten Nacht so gut aussehen?", will eine Dame wissen. Antwort Clooney: "Ich bin immer noch besoffen."

Eigentlich soll er ja über "The Monuments Men" reden, jenen Film, den er außer Konkurrenz in den Wettbewerb der Berlinale schickt. Clooney schrieb das Drehbuch, produzierte, führte Regie und spielt die Hauptrolle. Es geht darin um eine Sondereinheit alliierter Soldaten, die von 1943 an Kunstwerke in ganz Europa vor den eigenen Bomben und der Zerstörungslust der Nazis retten soll. Diese Task Force im Dienst der Schönheit gab es wirklich, die darin versammelten Kunsthistoriker, Architekten und Konservatoren spürten etwa Michelangelos Brügger Madonna auf und den Genter Altar. Hitler hatte diese Werke stehlen lassen, sie sollten dereinst in seinem Führermuseum in Linz zu sehen sein.

Der Film indes ist lediglich halb gelungen, Regisseur Clooney interessiert sich nämlich wenig für die Kunst und noch weniger für den Krieg. Er macht aus dem Stoff lieber eine Hommage an die Freundschaft reifer Herren, was in Ordnung ginge, wenn sie nicht so ungelenk anmuten würde. Dialog-Kostprobe: "Deine Hand zittert nicht mehr." — "Nein, ich bin trocken." — "Seit wann?" — "Heute morgen, 9 Uhr." Clooney selbst spielt den Anführer des edlen Rudels, und die Art, wie er seine Kollegen zusammentrommelt, erinnert stark an "Ocean's Eleven". Manchmal spricht Clooney immergrüne Wahrheiten aus dem Off: "Kunst gehört der Menschheit" etwa. Und eine völlig unrealistische Szene gibt es auch: Da löst sich Cate Blanchett bei Kerzenschein das Haar, hebt kokett das Kinn und haucht Matt Damon Verlockendes ins Ohr: "Wir sind in Paris." Was macht nun aber Matt Damon? Er lächelt bräsig und geht.

Der Film läuft bereits in den US-Kinos, die Kritiker verrissen ihn heftig, und vielleicht ist Clooney deshalb mehr nach Plauderei zumute als nach Film-Exegese. Eine Dame erklärt umständlich, sie habe ihrerseits vor Jahren eine Dokumentation zum Thema Kunstraub produziert. Man weiß nicht, ob das ein Vorwurf sein soll oder ein Bewerbungsschreiben, jedenfalls entgegnet Clooney lächelnd: "Vielleicht können wir uns ihren Film ja heute Abend gemeinsam ansehen."

Anke Engelke ist auch da, sie wird am kommenden Samstag die Preisgala der Berlinale moderieren, und nun stellt sie einfach mal eine Frage. Sie habe im Soundtrack Prokofjews "Peter und der Wolf" wiedererkannt. Ob Clooney geklaut habe? Clooney schaut ein wenig genervt, dann beginnt Bill Murray die Titelmelodie des Films zu pfeifen, Clooney stimmt ein, und da sitzen sie dann beide und pfeifen.

Seriöse Fragen gibt es nicht, dafür sind alle zu aufgeregt. Eine Journalistin ruft "Oh, mein Gott!", als sie das Mikrofon bekommt. Dann dankt sie Clooney dafür, dass er es so vielen Frauen ermögliche zu träumen, dass er einen Beitrag leiste für die geistige Hygiene der weiblichen Welt. Clooney antwortet nicht, er ist baff. Also nimmt sich Bill Murray das Mikrofon. Er zwinkert, zeigt auf Clooney und fragt: "Sind Sie sicher, dass Sie ihn meinen?"

Hier geht es zur Bilderstrecke: George Clooney macht den Berlinale-Clown

(RP)