Düsseldorf: Gedeck erinnert an Gershwin

Düsseldorf : Gedeck erinnert an Gershwin

Martina Gedeck ist bekannt aus Filmen wie "Bella Martha" und "Das Leben der Anderen". Im Düsseldorfer Robert-Schumann-Saal steht sie am Sonntag als Rezitatorin auf der Bühne. Um 17 Uhr blickt sie in Gestalt von George Gershwins Schwester zurück auf das Leben des Komponisten.

Sie sagten einmal, um eine Rolle anzunehmen, müssen Sie Lust haben, mit der Figur etwas zu erleben. Was macht Ihnen Lust auf Gershwin?

Martina Gedeck Er macht wunderbare Musik, und besonders schön ist bei dieser Rezitation, dass ich mit dem Pianisten auf der Bühne stehe und die Musik am eigenen Leib zu spüren bekomme. Es ist eine szenische Lesung, aber ich verkörpere eigentlich seine Schwester Frances und erzähle von meinem Bruder.

Ist das Rezitieren eine besondere Form von Schauspiel?

Gedeck Das kann man so sagen. Ich versetze mich in Frances hinein und spreche in der Ich-Form. In ihrem Geiste erscheint ihr Bruder wieder. Während sie berichtet, hört man seine berühmten Melodien.

Wie steht diese Frau, die selbst musikalische Ambitionen hatte, zu ihrem Bruder, dem früh verstorbenen Star?

Gedeck Die Geschwister haben sich gut gekannt und sehr geliebt. George wurde berühmt, konnte danach jedoch nur noch zwölf Jahre komponieren, weil er an einem Gehirntumor erkrankte. Frances hat ihn lange überlebt und sein Andenken gepflegt.

Auch andere Frauen mit Beziehung zur Musik haben Sie bereits rezitiert: Bettina von Arnim in der Erzählung über ihre Begegnung mit Beethoven, außerdem Clara Schumann. Was reizt Sie an diesen Frauen?

Gedeck Clara Schumanns Liebesgeschichte zu Robert ist sehr interessant. Bettina von Arnim ist eine wunderbare Schriftstellerin, deren Texte sehr poetisch sind. Frances Gershwins Sprache ist dagegen zeitgenössisch – hat aber große Verve und viel Enthusiasmus. Zeitweise verfällt sie auch in Wehmut über den Verlust ihres Bruders. Das macht die Geschichte sehr emotional. Und natürlich liebe ich die Musik dieses Komponisten.

Sie selbst sind musikalisch, spielen unter anderem Klavier. Haben Sie Gershwin im Repertoire?

Gedeck Nein, so weit bin ich leider noch nicht. Beim Klavierspiel stehe ich noch am Anfang.

Ihre Filme zeigen zumeist Bilder aus Europa im 20. Jahrhundert. Wohin aber nimmt Gershwin Sie und Ihre Zuhörer mit?

Gedeck Die Erzählung der Schwester nimmt ihren Ausgang 1963 mit der Rede von Martin Luther King, "I have a dream". In diesem Zusammenhang erzählt sie, wie auch ihr Bruder schon sehr früh für die Rechte der Schwarzen gekämpft hat: mit seiner Oper "Porgy and Bess". Die Zwanziger Jahre, in die die Erzählung zurückgeht, waren in New York eine sehr lebendige Zeit.

Ihrer Rezitation zu Clara Schumann folgte 2008 Ihr Film "Geliebte Clara". Eine Entwicklung, die Sie sich auch mit Gershwins Geschichte vorstellen könnten?

Gedeck Warum nicht. Ich denke zwar, so etwas würde in den USA besetzt. Aber es wäre auf jeden Fall eine schöne Sache.

Zur Zeit drehen Sie in der Schweiz, so dass Ihr Besuch in Düsseldorf nur kurz wird. Woran arbeiten Sie?

Gedeck Seit Ende Februar bin ich mit den Dreharbeiten zur Verfilmung des Romans "Am Hang" von Markus Werner beschäftigt. Dabei geht es um die gegensätzlichen Einstellungen eines Scheidungsanwalts und eines Altphilologen zur Liebe.

(RP)
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