Ausstellung in Berlin: Garderoben-Schau: Zeigt her eure Bügel!

Ausstellung in Berlin : Garderoben-Schau: Zeigt her eure Bügel!

Berlin (rpo). Man nutzt sie jeden Tag, geht häufig nicht gerade zimperlich mit ihnen um und schenkt ihnen eigentlich erst dann Beachtung, wenn sie fehlen. Doch Kleiderbügel haben ihr Schattendasein in den deutschen Kleiderschränken wahrlich nicht verdient. Um ihnen einmal Lob zu zollen, gibt es nun in Berlin bundesweit die erste Kleiderbügel-Ausstellung.

Denn diese Bügel und Haken haben nicht selten spannende Geschichten zu erzählen und erweisen sich beim genaueren Hinschauen gar als europäisches Kulturgut. Ans Licht holt diese Seite des ansonsten wenig beachteten Gebrauchsgegenstands ab Samstag die deutschlandweit erste große Schau ihrer Art. Sie spannt den Bogen von den ersten Patenten Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zum Einfluss der Globalisierung an der Garderobe.

Auf den ersten Blick gleicht der Ausstellungsraum im Portland-Cement-Haus einer riesigen, obgleich unbenutzten Garderobe. Da hängen antike Bügel aus Buchen- oder Kirschholz neben rosa Plastik, trifft ein blau-weißer Schalke-04-Bügel für den ordentlichen Fußballfan auf ein dürres Drahtexponat. Und Stücke mit einem ungewohnt langen und von Holz ummantelten Haken zeugen von den hohen Hemdkragen vergangener Herrenmoden.

Stumme Zeitzeugen

"Bügel haben Geschichte", sagt Eberhard Rhode, der die rund 450 Ausstellungsstücke aus seinem Privatmuseum zur Verfügung gestellt hat. Vor über 20 Jahren kam der 57-jährige Berliner auf den Bügel und betrachtet seitdem die stummen Kleiderhalter mit ganz anderen Augen. Woher die Modelle stammen, wie sie von den Moden und Bedingungen ihrer Zeit geprägt wurden und welche Firmengeschichten mit ihnen verknüpft sind - all dies macht für Rhode den Kleiderbügel zu einem wertvollen, wenn auch stummen Zeitzeugen der Geschichte.

Jene des Kleiderbügels begann vermutlich zu Beginn der Renaissance im 14. Jahrhundert, als nach Möglichkeiten gesucht wurde, Messgewänder und Ständekleidung knitterfrei zu lagern. Die ersten Patente sind laut Rhode ab 1880 belegt und mit so bekannten Namen wie der Wiener Schreinerei Thonet, Erfinder der Kaffeehausstühle, und dem Nähmaschinenfabrikanten Singer verbunden.

Im Gegensatz zu heute wurden hölzerne Kleiderbügel bis in die 30er Jahre hinein von Modehäusern und Schneidern gern als Werbeträger genutzt und mit Sprüchen ("Schonen Sie Ihren Anzug") bedruckt. Und dem Nachwuchs wurde bei jedem Griff in den Kleiderschrank gleich eine moralische Botschaft ("Dem braven Kinde") mit auf den Weg gegeben.

Fantastisch plastisch

In der Folgezeit verkamen die Bügel meist zur Massenware. Der Siegeszug von Plastik trieb in den 60er Jahren traditionsreiche Holzbügelhersteller in die Insolvenz. Und "dank" der Globalisierung werden nach Angaben Rhodes heute in Asien Bügel aus deutscher Buche weit unter den Preisen heimischer Anbieter gefertigt.

Einen kleinen Beitrag zur Stärkung der deutschen Manufakturen leistet Rhode im Rahmen seiner Ausstellung gleich selbst. Jeder Besucher erhält als Andenken ein Modell der 1875 gegründeten Max-Richter-Kleiderbügelfabrik aus dem Erzgebirge. Gleichzeitig wirbt Rhode in guter alter Tradition per Aufdruck auf dem Souvenir für sein kleines Privatmuseum, wo den neugierig gewordenen Besucher fast 1.400 Kleiderbügel erwarten.

Die Ausstellung "Achtung: Nicht bügelfrei" ist bis 29. Januar jeweils von 17.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Im Anschluss finden täglich kulturelle Sonderveranstaltungen statt. Rhodes Privatmuseum ist nach Voranmeldung in Berlin-Karlshorst zu besichtigen.

(afp2)