Düsseldorf: "Gandhi"-Regisseur Attenborough ist tot

Düsseldorf : "Gandhi"-Regisseur Attenborough ist tot

Er verehrte Charlie Chaplin und erteilte Lady Di Sprechunterricht. Nun starb er 90-jährig in England.

In den 60er Jahren beschloss Richard Attenborough, Regie zu führen, und zwar bei der Verfilmung des Lebens von Mahatma Gandhi. Der Engländer war als Schauspieler bereits ein Star, hatte als Soziopath Pinkie Brown in Graham Greenes "Brighton Rock" brilliert und als Detektiv in der Uraufführung von Agatha Christies "Die Mausefalle". Nun wollte er hinter die Kamera wechseln, denn die Lektüre der Gandhi-Biografie von Louis Fischer hatte sein Leben verändert. Er stellte Studiobossen und Produzenten seinen Plan vor, doch die Reaktionen waren ernüchternd: "Es gibt kein Publikum für einen kleinen braunen Mann in einem Bettlaken", sagte man ihm.

Attenborough beschloss, den Film alleine zu machen, ihn selbst zu produzieren. Er verkaufte Kunstwerke, die in seinem Haus hingen, nahm eine Hypothek auf das Haus auf, spielte in Filmen wie "Kanonenboot am Yangtse-Kiang" (1966) und "Dr. Doolittle" (1967), um Geld zu sammeln. Nach 20 Jahren hatte er genug beisammen, und er begann die Dreharbeiten zum 190 Minuten langen Monumentalfilm "Gandhi" (1982) mit dem nahezu unbekannten Ben Kingsley in der Titelrolle. Die Produktion kostete 22 Millionen Dollar, sie spielte das 20-Fache ein und wurde mit acht Oscars ausgezeichnet - unter anderem für den besten Film und die Regie.

Ein wenig von der Beharrlichkeit, von der sanften Widerständigkeit, die Gandhi verkörperte, hatte auch Attenborough. Er spielte vor allem solche Charaktere, die mit Mut und Durchsetzungskraft die Welt verändern wollen, sich auflehnen gegen Autorität und Vorurteil. In "Gesprengte Ketten" (1963), seinem Debüt in Hollywood, sah man ihn neben seinem Freund Steve McQueen. Das ist eine wahre Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg, und Attenborough ist jener britische Major, der die Flucht aus dem deutschen Lager für alliierte Kriegsgefangene plant. Er will sich mit der Situation nicht abfinden, sein Gesicht wird spitz, die Augen treten hervor, als er sagt: "Es wäre eine Schande, wenn wir uns dieser Gewalt beugten."

Attenborough kam 1923 in Cambridge zur Welt, sein Vater war Professor, und als der Junge 1935 Charlie Chaplins Film "Gold Rush" sah, wusste er: Ich werde Schauspieler. 1992 verfilmte er das Leben seines Idols, das Werk war ein fürchterlicher Flop, doch wer sich "Chaplin" heute noch einmal ansieht, wird nachvollziehen, was Attenborough im Sinn hatte: nicht nur ein Leben erzählen, sondern das Leben. Sein Ideal war das Epos im Stil von David Lean ("Lawrence von Arabien"): mit großer Geste inszeniert, dennoch intim wie ein Kammerspiel.

Obwohl Attenborough daheim als "Champagner-Sozialist" bespöttelt wurde, ließ er sich in den 80er Jahren von Prince Charles engagieren, um dessen junge Frau Diana im öffentlichen Sprechen zu unterrichten. Er inszenierte den Kriegsfilm-Klassiker "Die Brücke von Arnheim" (1977), drehte das Musical "A Chorus Line" (1985), trat in Spielbergs "Jurassic Park" (1993) als Park-Eigentümer auf und stand wohltätigen Organisationen vor - etwa einer, die sich um Schauspieler kümmerte, die im Alter in Armut gerieten.

Nun ist Sir Richard Attenborough wenige Tage vor seinem 91. Geburtstag in Cambridge gestorben.

(RP)
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