Galerie Hans Strelow in Düsseldorf zeigt Helden der Abstraktion

Ausstellung bei Hans Strelow : Abstrakter Vierklang

Hans Strelow hat sich einen Wunsch erfüllt und zeigt vier Helden der Abstraktion. In seiner Galerie am Luegplatz stellt er Arbeiten der Maler Peter Brüning, K.O. Götz, Emil Schumacher und des Bildhauers Norbert Kricke aus.

Rechnet man in Düsseldorf zur Fülle der Museen die Galerien als Ausstellungsorte hinzu, so ist der Reichtum an Kunstangeboten hier schier unermesslich. Die Galerien sind noch dazu oft flexibler und wagemutiger als die behäbigen Museen, subjektiver, schneller und exklusiver. Das ist jetzt wieder bei Hans Strelow zu erleben, dem Altmeister unter seinesgleichen, der sich allenfalls mit Hans Mayer in den Wettstreit um Erfahrung begeben kann.

Strelow, der im nächsten Jahr 80. Geburtstag feiert, hat sich einen Wunsch erfüllt und die Helden seiner Generation versammelt. Vier Meister der Abstraktion – so auch der Ausstellungstitel –, die sich wesentlich ähneln, doch sich letztlich in der Ausformulierung, ihrer Bildersprache stark unterscheiden: die Maler Peter Brüning (1929-1970), K.O. Götz (1914–2017), Emil Schumacher (1912-1999) und Bildhauer Norbert Kricke (1922-1984).

Wie klingt Abstraktion in der Kunst? So ähnlich wie Zwölftonmusik oder Free Jazz. Nicht jedermanns Geschmack, sperriger als Klassik, unergründlich. Frei komponiert sind die Bilder der drei deutschen Malerhelden, ohne erkennbare Motive oder Figuren, stark von Rhythmus, Farbwert und Farbauftrag geprägt. Bildhauer Kricke gesellt sich bei Strelow dialogisch hinzu mit seinen feinen unvergleichlichen Skulpturen, die hier klein, aber im öffentlichen Raum auch riesengroß ausfallen können.

Für Hans Strelow, der seine Galerie seit 1971 führt, war die Ausstellung ein Experiment. „Ich wollte sehen, ob die Bilder und Skulpturen miteinander sprechen“, sagt er. Diese Ausstellung stelle den „Ausdruck seiner Generation“ dar mit der Kernzeit zwischen 1955 und 1975. „Mit der abstrakten Kunst dieser Jahre ging die Malerei zu Ende“, so sieht es Strelow. Tatsächlich hat sie sich doch immer wieder neu erfunden.

Ganz selten hat der Galerist vom Luegplatz eine Gruppenausstellung angeboten. Klotzen statt kleckern, Schwergewichte der Kunst, entsprechend hohe Preise zwischen 70.000 Euro (für Brüning) und wenigen hunderttausend Euro für Götz und Schumacher. Die Plastiken von Kricke liegen bei 160.000 Euro.

Auch wer nicht kaufen will, lässt sich anregen durch den Vierklang. K.O. Götz ist noch nicht lange tot, seine von Schwüngen geprägten mustergültigen informellen Arbeiten kommen wie Zeitzeichen daher: Das dramatische düstere Schwarz-Weiß der Nachkriegszeit, und dann das farbig vielversprechende um 30 Jahre ältere „Giverny“.

Peter Brüning war ein sehr eigener Maler, „Überflieger“ nennt Hans Strelow den Frühgestorbenen. Von ihm hat er schwarz vibrierende Bilder im Entree aufgehängt, die weitgehend unbekannt und aufregend sind.

Von Emil Schumacher wird mit „Densis“ eines der wenigen seiner Bilder gezeigt, „auf denen Sie nichts erkennen“. Das sagt der Galerist, und wer die Ausstellung sehen will, sollte sich mit ihm verabreden. Dann beginnt er zu erzählen, vom Taubenzüchter und Yves-Klein-Kumpel Norbert Kricke, dessen Skulpturen eigentlich Bilder seien. Und davon, dass diese fein geschwungenen Zeichen den Raum hinter sich lassen. Sie fliegen nämlich in den Himmel.

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