Kardinal Woelki als Gastredner im Diözesanrat Reformen nur mit Einwilligung des Papstes möglich

Köln · Der Kölner Erzbischof hat in einem Vortrag vor Laienvertretern des Erzbistums seine Sicht auf Reformideen erläutert. Den meisten Forderungen erteilte er eine Absage.

 Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln.

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln.

Foto: dpa/Arne Dedert

Was geht und was geht nicht im Kölner Erzbistum? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Nicht nur unter den Laien der noch mitgliederstärksten deutschen Diözese. So wurde vor einigen Wochen der Mettmanner Pfarrer Herbert Ullmann von Kardinal Rainer Maria Woelki abgemahnt – wegen eines Segnungsgottesdienstes für ein homosexuelles Paar. Mit der Auflage, künftig keine weitere Feiern dieser Art zu zelebrieren. Dies führt zu einer Art „Segens-Flickenteppich“ innerhalb der Kölner Kirchenprovinz, der Woelki als Metropolit insgesamt vorsteht. So können gleichgeschlechtliche Paare in den Bistümern von Münster, Essen und Aachen durchaus mit Segensfeiern rechnen.

Für das Erzbistum Köln hat Woelki seine Position zu vielen Reformfragen noch einmal erläutert: in einem Vortrag, den er vor der Vollversammlung des Diözesanrates bereits am 13. November hielt und der jetzt veröffentlicht wurde. Dass Beiträge aus den Versammlungen des höchsten Laiengremiums komplett publiziert werden, ist ungewöhnlich. Die Worte des Kardinals als Gastredner sollen somit über den Kreis der Delegierten Beachtung finden.

Die Entfremdung vieler Gläubiger zur Bistumsleitung ist wohl nicht befriedet. Von „Polarisierung“ spricht auch der Erzbischof: „Ich bin mir bewusst, dass meine Worte sicherlich einige von Ihnen oder gar Sie alle enttäuschen.“ Aber er wolle „ganz einfach nur ehrlich“ sein, so der 67-Jährige

Was geht? Unter anderem das Bemühen um eine verbesserte Prävention von sexuellem Missbrauch; die psychologische Analyse jedes Priesteramtskandidaten, ein Generalvikariat fast ohne Kleriker und ein Frauenanteil in Führungspositionen der Verwaltung von 38 Prozent. Auch das Amt des Studienpräfekten im Priesterseminar wurde an eine Frau vergeben.

Was geht nicht? Alles übrige, was bei den Beratungen des Synodalen Weges diskutiert wurde. Also keine Priesterweihe von Frauen; keine Neubewertung der Homosexualität und somit auch keine Segensfeiern für Paare, die sich lieben; keine Aufhebung des Zölibats; keine Predigt und Taufspende durch Laien, auch werden Pfarreien künftig nicht von Laien geleitet werden. Das sind Positionen, die der Kölner Erzbischof mit seinem Abstimmungsverhalten schon auf den Synodalversammlung deutlich machte.

Dabei konfrontiert Woelki die Polarisierung im eigenen Erzbistum – mit zuletzt mehr als 51.000 Kirchenaustritten im vergangenen Jahr – mit jenen Polarisierungen, die durch deutsche Reformvorschläge mit der Weltkirche erwachsen seien. Ein päpstlicher Brief aus Rom vor zwei Wochen scheint dem Kardinal Recht zu geben. Darin schrieb Franziskus von seiner „Sorge über die inzwischen zahlreichen konkreten Schritte“, mit denen sich große Teile der deutschen Kirche „immer weiter vom gemeinsamen Weg der Weltkirche zu entfernen drohen“. Woelki hielt seinen Vortrag noch vor Bekanntwerden des Schreibens, doch er liest sich wie eine Antwort darauf: „Vor allem aber geht es mir darum, die Einheit mit der Weltkirche zu wahren“, so der Erzbischof. Es gibt nach seinen Worten Dinge, deren Entscheidung und Beurteilung dem Heiligen Vater vorbehalten seien. Dass die Vorbehalte aus Rom zum deutschen Reformweg groß sind, ist bekannt. Woelki berichtete nun den Delegierten, dass beim Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom vor gut einem Jahr sogar zur Sprache gekommen sein soll, den Synodalen Weg ganz abzubrechen.

Was im Erzbistum künftig möglich sein wird? Selbst in dem mit Klerikern besetzten Kölner Diözesanpastoralrat gibt es „zwei komplett unterschiedliche Wahrnehmungen der kirchlichen Gesamtsituation. Eigentlich eine schräge Welt“, so Tim Kurzbach im RP-Gespräch. Für den Vorsitzenden des Diözesanrates wäre es interessant, „sich überhaupt darüber auszutauschen, wie im Erzbistum über die Themen des Synodalen Wegs und insbesondere der Weltsynode diskutiert wird und welche Auswirkungen das auch für Köln haben könnte.“ Kardinal Woelki hingegen will Reformvorschlägen nur dann „bereitwillig folgen“, wenn auch das päpstliche Lehramt diese befürworten würde – „entgegen meiner theologischen Einschätzung“, so der Erzbischof.

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