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"Frau Müller muss weg": Neuer Film von Sönke Wortmann

Sönke Wortmann : Neuer Film: "Frau Müller muss weg"

Sönke Wortmann bringt nächste Woche seinen neuen Film ins Kino. Eine Begegnung mit dem 55 Jahre alten Regisseur.

Da sitzt man ihm nun gegenüber und fragt sich, wie das wohl sein muss für einen Regisseur: In nicht mal einer Woche startet der Film, dessen Produktion er mehr als ein Jahr seines Lebens gewidmet hat. Innerhalb weniger Tage werden Publikum und Kritiker darüber befinden, ob sich das Unterfangen gelohnt hat. Sönke Wortmann wirkt denn auch ziemlich nervös. Er stößt mehrfach mit den Knien an den Tisch des Café Enuma im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. Er kratzt sich beim Reden mit der linken Hand am rechten Oberarm und streicht selbstvergessen über den unterm Kinn spitz zulaufenden Bart. Aufgeregt? Kopfschütteln. Er habe das ja schon oft genug erlebt.

"Frau Müller muss weg" heißt die Produktion, die Wortmann am Donnerstag ins Kino bringt. Der Film ist sehr lustig und klug, und vor allem Eltern sollten ihn sich ansehen. Um sie geht es nämlich, genauer gesagt darum, wie irre Männer und Frauen werden können, die ums Wohl ihrer Kinder kämpfen, obgleich es denen eigentlich gut geht. Der Film spielt in einer Schule, eine Gruppe Eltern hat ein Treffen mit der Klassenlehrerin anberaumt. Sie wollen die Pädagogin weghaben, denn sie meinen, ihre Art zu benoten, sei nachteilig für die Kinder und deren Lebensläufe. Die Situation eskaliert bald: Fäuste fliegen, Glas bricht, Masken fallen.

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Eltern können bescheuert sein, oder? "Ich habe drei schulpflichtige Kinder", sagt Wortmann und nickt wissend. "Wobei wir Glück haben mit unserer Schule, da sind die Eltern cool." Wortmann ist mit der Schauspielerin Cecilia Kunz verheiratet, er lebt in Düsseldorf, und hier war 2013 seine Inszenierung des Theaterstücks von Lutz Hübner zu sehen, das dem Film zugrunde liegt. "Ich finde Elternabende skurril", sagt Wortmann. "Im Stück ist das komödiantisch überspitzt, aber es ist eine fein beobachtete Momentaufnahme unserer Gesellschaft. Dieser Druck, der überall herrscht, insbesondere auf Eltern und Lehrern." Das Wort "Helikoptereltern" gefällt Wortmann allerdings nicht. "Es klingt so abwertend, denn man muss Eltern ja auch verstehen. Ich finde nur, dass das inzwischen seltsame Blüten treibt und Eltern denken, dass sich schon im Alter von zehn Jahren die Zukunft eines Menschen entscheidet. Ich werbe dafür, dass sie da lockerer werden."

Wortmann sitzt hinten im Café, vorne versucht der Inhaber herauszubekommen, wer der Gast ist und was ihn berühmt macht. "Regie", hört man jemanden sagen, und: "Das Wunder von Bern". Dieser Film fällt vielen als erstes ein, aber Wortmann hat auch "Kleine Haie" gedreht, 1992, eine der großartigsten Komödien des deutschen Kinos.

Sowas dreht heute keiner mehr, hierzulande jedenfalls nicht, so einfach und herzlich. Oder? Er habe "Oh Boy" gerne gesehen, entgegnet Wortmann, so gerne sogar, dass er zwei Mal ins Kino gegangen sei. Er spricht mit einer Stimme, die einem Hypnotiseur gut stehen würde: eindringlich. Wie er denn die Ästhetik der Filme von Til Schweiger finde, diese an Instagram angelehnte Optik? "Keine Ahnung, ich kenne seine Filme nicht", sagt er. Total ruhig und wahrscheinlich total gelogen. Also weiter: Schweiger legt doch diese Filter auf seine Bilder, bei ihm sieht alles aus, als habe jemand die Heizung zu weit aufgedreht. "Heizung aufdrehen kann jeder", sagt Wortmann, "aber wohltemperiert einen Raum zu gestalten, das ist schon schwieriger."

Mag er Bully Herbig? "Ihn schätze ich als Produzent, Regisseur und Autor." Und Schweighöfer? "Der kommt wie Schweiger vom Schauspiel, und der Erfolg rührt in erster Linie daher, dass sie selbst in ihren Filmen spielen. Fazit: "Das ist ein Teil der deutschen Komödienkultur. Sehr erfolgreich, aber zum Glück nicht alles." Warum zum Glück? "Es wäre eine unerträgliche Monotonie, wenn alle Filme mit aufgedrehter Heizung gedreht werden."

Wortmann arbeitet im Drei-Jahres-Takt. "Davon kann ich aber nicht leben, und deshalb mache ich Werbefilme und halte Vorträge." Filme wie "Das Hochzeitsvideo" wechseln ab mit Groß-Produktionen wie "Die Päpstin". "Nach einem Riesenaufriss wie der Päpstin, für die wir in Marokko halb Rom nachgebaut haben, macht es Spaß, sich zu beschränken. Inzwischen bin ich allerdings so weit, dass ich gerne wieder etwas in der Größenordnung Päpstin Teil zwei machen würde."

Wortmann muss los. Nachdem er bezahlt hat und gegangen ist, versichert sich der Inhaber des Cafés, ob das der Mann war, der "Das Wunder von Bern" gedreht hat. Ja, antwortet man, und "Deutschland. Ein Sommermärchen". Der Café-Besitzer schüttelt den Kopf: "Ich war in den letzten zehn Jahren zwei Mal im Kino. Beide Filme hat er gedreht." Wortmann kann das schon nicht mehr hören. Es hätte ihn gefreut.

(RP)