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Französischer Filmpreis: Eklat um Polanski bei César-Gala

Französischer Filmpreis : Eklat um Polanski bei César-Gala

Der Skandal war vorprogrammiert. Kurz nach Mitternacht fiel im Pariser Salle Pleyel der Name Roman Polanski. Der Filmemacher erhielt den César für seine Regie bei dem Film „J’accuse“ („Intrige“) über die Dreyfus-Affäre.

Zurückhaltender Applaus kam auf, doch die ganze Aufmerksamkeit hatte Adèle Haenel. Die Schauspielerin rannte wild gestikulierend durch die Sitzreihen in Richtung Ausgang. „Das ist eine Schande!“, rief sie. Ihr folgte die französische Drehbuchautorin und Regisseurin Céline Sciamma.

Bereits im Vorfeld der Verleihung des französischen Filmpreises hatte es große Aufregung um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den 86-jährigen Polanski gegeben, dessen Film für insgesamt zwölf Césars nominiert worden war. Viele Filmschaffende meldeten sich zu Wort, Frauenverbände hatten vergeblich die Absetzung seines Films gefordert. Auch der französische Kulturminister Riester hatte Position bezogen und deutlich gemacht, dass ein Preis für Polanski „ein schlechtes Symbol“ im „Kampf gegen sexuelle und sexistische Gewalt“ wäre.

Roman Polanski blieb der Gala fern, er sieht sich als Opfer einer „Lynchjustiz“ von Feministinnen. Vor dem Kinostart von „Intrige“ hatte ihm ein früheres Model vorgeworfen, sie 1975 vergewaltigt zu haben. Der Filmemacher bestreitet dies, ebenso wie ähnliche Vorwürfe von fünf weiteren Frauen, darunter die frühere deutsche Schauspielerin Renate Langer. In den USA wird Polanski zudem wegen Missbrauchs einer Minderjährigen in den 1970er Jahren gesucht, den er auch eingeräumt hat. Schon bei der Premiere des Films in Paris im November kam es zu wütenden Protesten.

Während der Gala gab es vor dem Salle Pleyel unweit des Pariser Triumphbogens Proteste gegen Polanski´. Mehrere Hundert Demonstrantinnen versuchten, zum Veranstaltungsort zu gelangen, wurden von der Polizei aber zurückgedrängt. Immer wieder skandierten sie, dass der rote Teppich nicht dem „Vergewaltiger Polanski“ gebühre, sondern seinen Opfern. Eine Frau mit einem Transparent in der Hand erklärte, dass die César-Akademie mit den zwölf Nominierungen dem umstrittenen Filmemacher die größte Ehre erwiesen habe. Schon einige Tage vor der Verleihung hatte die Führung der Akademie geschlossen ihren Rücktritt erklärt, als die Proteste gegen Polanskis Nominierung lauter geworden waren.

Was im Trubel unterging: Das Sozialdrama „Die Wütenden“ hat den César als bester Film gewonnen. Die Produktion von Regisseur Ladj Ly beschreibt den Alltag aus Gewalt und Rassismus in einem Pariser Vorort.