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Frank Goosens neues Buch: Eine Kindheit mit den Beatles

Frank Goosens neues Buch : Eine Kindheit mit den Beatles

Schriftsteller Frank Goosen hat ein Buch über seine Lieblingsband geschrieben. Die ersten Platten schenkte ihm sein Vater.

Dass der Schriftsteller Frank Goosen zu seinen ersten Beatles-Platten kam, hat er der Schwarzarbeit seines Vaters zu verdanken. Der hatte eine kleine Elektroinstallationsfirma, erledigte eines Tages nach Feierabend noch einen kleinen Auftrag bei einem Bochumer Radio-Geschäft und sagte, als es zur Bezahlung kam: „Gib mir kein Geld, gib mir lieber ein paar Platten für meinen Jungen.“

„Der Satz hat sich mir total eingebrannt“, erklärt Goosen heute. Er hat nicht nur dazu geführt, dass er als Junge zu den berühmten Best-of-Kompilationen, dem roten und dem blauen Album, und zu „Abbey Road“ kam. Er hat auch eine lebenslange Liebe zur Musik im Allgemeinen und den Beatles im Speziellen entfacht, der der Autor jetzt in der Buchreihe „Musikbibliothek“ des Verlags Kiepenheuer & Witsch ein Denkmal gesetzt hat – mit einem schmalen Band, der schlicht „The Beatles“ heißt.

Nun ist über die Beatles schon eine riesige Menge geschrieben worden. Von der Sekunde, in der der junge Paul McCartney auf einem Gemeindefest in Liverpool John Lennon vorgestellt wurde, bis zur offiziellen Trennung im April 1970 ist alles dokumentiert. Doch in der „Musikbibliothek“ geht es nicht um neue Bandbiografien, nicht um enzyklopädisches Wissen, sondern um einen persönlichen Zugang. Und wie die Ruhrgebiets-Kindheit eines Menschen aussah, der später mit dem 1980er-Jahre-Roman „Liegen lernen“ landesweit bekannter Autor werden sollte, ist neu.

 „Ich hatte eher Respekt davor, dass ich im Buch zum ersten Mal seit langem wieder extrem autobiografisch schreiben würde, ohne Filter der dritten Person“, sagt Frank Goosen. Er habe sogar versucht, Zuspitzungen zu vermeiden, sich nicht hinter einer Ich-Figur zu verstecken. Es hat sie also wirklich gegeben, die imaginäre Freundin namens „Michelle“, die der Gymnasiast sich ausdachte, um dem Freund etwas entgegenzusetzen, der ständig mit Eroberungen prahlte.

Wenn man Frank Goosen trifft, dann kommt er schnell auf die Meta-Ebene des Phänomens „Beatles“ zu sprechen: „Tatsächlich ist es so, dass sie immer eine sehr positive Ausstrahlung hatten. Die pflanzt sich bis heute fort. Du kannst als jemand, der nicht ganz so radikal war wie ich, die Beatles toll finden, und gleichzeitig machst du dich nicht lächerlich. Du musst deine Liebe zu ihnen nicht ironisieren, weil du von ‚Love Me Do’ bis ,I Am The Walrus’ eine Bandbreite von ganz simpler bis extrem komplizierter Musik hast.“

John Lennon hat Goosen immer am meisten fasziniert: „Ich war eher das Einzelkind, das im Mittelpunkt stehen wollte, nicht der, der das System herausgefordert hat. Ich hatte aber immer große Sympathie für Künstlerinnen und Künstler, die radikaler waren.“ Yoko Ono habe dafür gesorgt, dass John Lennon zu einem der ersten modernen Männer wurde, und Goosen findet es unerträglich, wenn Menschen nach wie vor behaupten, sie habe die Beatles auseinander gebracht: „In der Diskussion um Yoko Ono war ganz viel Rassismus und Sexismus drin: Da kommt eine Frau, und die ist auch noch Asiatin und nimmt uns unser nationales Denkmal.“

Im Buch spielen derlei theoretische Überlegungen eine untergeordnete Rolle. Goosen bleibt einem Sound treu und begibt sich auf die Augenhöhe einer breiten Leserschaft. Jeder kann die Reise nachmachen, die er mit seiner Frau und den beiden Söhnen nach Liverpool zu den Stationen des Lebens der Fab Four unternimmt. Jeder kann sich in den Kopf des Vierzehnjährigen versetzen, den die Nachricht von John Lennons Tod trifft wie ein Schock – vor allem, weil der doch kurz vorher nach einer quälend langen Pause von fünf Jahren erst neue Musik herausgebracht hatte. „Damals ist im ,Playboy’ das letzte Interview mit ihm erschienen, und ich habe mit zitternden Knien am Kiosk gestanden und so cool wie möglich versucht zu sagen: Ich hätte gern den neuen ,Playboy’“, erinnert er sich. Die Nacktbilder habe er billigend in Kauf genommen.

Es ist schön, wie uneitel der Autor seiner Liebe zu den Beatles Ausdruck gibt, wie sich sogar Fehler eingeschlichen haben, die ihn sympathisch auf Normalmaß schrumpfen lassen: Auf dem Cover des roten und blauen Album stünden die Beatles auf einem Balkon, schreibt Goosen. Dabei stehen sie in einem Treppenhaus. „Das weiß ich im Prinzip auch oder wusste es mal und hab es dann aber so geschrieben, wie ich es damals beim ersten Betrachten empfunden habe. Schön wäre, wenn das beim Schreiben eine bewusste Entscheidung gewesen wäre. Es ist aber ein Fehler. Da bei meiner Lesereise mit dem Buch auch immer Lehrer im Publikum sitzen, werde ich sicher bald von noch mehr erfahren“, sagt Frank Goosen und lacht.