1. Kultur

Fotografien von Bernd und Hilla Becher im Kaiserswerther Kunstarchiv

Ausstellung im Kunstarchiv Kaiserswerth : Kühler Blick auf menschenleere Industriearchitektur

Eine Ausstellung im Kaiserswerther Kunstarciv spiegelt die Kultur- und Ausstellungsgeschichte der Fotografen Bernd und Hilla Becher. Das Gebäude bleibt als Haus der Fotografie erhalten.

Bei strahlendem Sonnenschein war im Hof der alten Schule Kaiserswerth, dem heutigen Kunstarchiv, die nächste Becher-Ausstellung eröffnet worden. Als gelte es, Farbe für den Standort zu bekennen, versammelten sich neben Kulturdezernent Hans-Georg Lohe auch sein Vorgänger Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff sowie Becher-Sohn Max und Gabriele Conrath-Scholl von der SK Stiftung Köln. Sie alle bezeugten, dass das ehemalige Wohn- und Atelierhaus Becher als Haus für die Fotografie erhalten bleiben soll. Lohe betonte ausdrücklich, dass der Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen eingehalten werde. Das Haus sei „ein wichtiges Signal im Hinblick auf die Fotostadt Düsseldorf“. Der Schwamm im Dachstuhl und der Mauerriss im Obergeschoss lassen allerdings ahnen, dass es noch viele Hürden bis zur Erfüllung dieses Wunsches gibt.

 Dennoch kann Max Becher beruhigt mit seiner Greencard zurück an seinen Zweitsitz in USA fliegen, zurück zu Ehefrau und Kindern. Bis zu seiner Abreise werden die Räume des ehemaligen Wohntrakts zum Stiftsplatz und zum Rhein hin ausgeräumt sein. Wenn es nach ihm geht, könnte mit der Sanierung sofort begonnen werden. Das ist natürlich illusorisch. Der Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss wird erst für Herbst 2022 erwartet, der Wiedereinzug im Jahr darauf.

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 Fest steht jedoch, dass die aktuelle Ausstellung im Kunstarchiv mindestens bis Mitte Dezember geöffnet bleibt. Zu sehen sind nicht nur auratische Originale an Förder-, Kühl- und Wassertürmen oder Kalköfen, sondern auch Druckwerke, Plakate und Einladungskarten. Sie dokumentieren die Rezeptionsgeschichte. Dazu gehört auch eine Schallplatte der Band Kraftwerk von 1970, für die die Bechers das Foto eines Transformators beigesteuert haben. Wie der Kontakt zum Kraftwerk entstand, lässt sich allerdings nicht mehr zurückverfolgen.

 Für die Kuratorin Conrath-Scholl, die Nachlassverwalterin der Bechers, ist es wichtig, auf die traditionelle Publikationsgeschichte im Zeitalter des „Green Museum“ hinzuweisen. Erst vor kurzem schickte ihr ein Museum eine Mail, sich bitte ans Konzept der Nachhaltigkeit zu halten und Einladungskarten digital zu senden. Das tut sie natürlich nicht, denn im Sinne der Bechers legt sie nicht nur auf Fotos, sondern auch auf deren Druckerzeugnisse großen Wert.  

 Die Ausstellung spiegelt die Kultur- und Ausstellungsgeschichte der Fotografen. Die erste Präsentation organisierte 1967 die Neue Sammlung in München, gefolgt schon 1968 von der ersten amerikanischen Ausstellung in der Fisher Gallery in LA. Damals bot man Bernd Becher sogar eine Professur in Amerika an, worauf er bekanntlich nicht einging, denn das Ruhrgebiet lockte. Eine Professur in Düsseldorf folgte allerdings erst 1976.

 Die Kunsthalle Düsseldorf, die unter Direktor Karl Ruhrberg eine Vorreiterrolle hatte, prägte 1969 sogar den Begriff „Anonyme Skulpturen“, der durch die Welt gehen sollte. Er stieß bei der Galeristin Ileana Sonnabend in New York sofort auf Widerhall, sie sollte das Werk des Künstlerpaars zeitlebens repräsentieren. 1990 bekamen die Bechers auf der Biennale von Venedig sogar den Goldenen Löwen für Skulptur.