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Florian Schroeder: "Der Komiker ist ein Anwalt des Teufels​"

Florian Schroeder gastiert zwei Mal in Düsseldorf : Der Komiker ist ein Anwalt des Teufels

An den Satiriker Florian Schroeder kommen Düsseldorfer in diesen Tagen schwer vorbei: Am Samstag, 14. Mai, ist er mit seinem Programm „Neustart“ im Robert-Schumann-Saal zu erleben, am Mittwoch wird er mit Peer Steinbrück im Zakk die NRW-Wahl analysieren.

Schroeder weiß ja fast alles. Also der Schroeder mit oe in der Mitte und mit Florian vorneweg. Kurzum: Schroeder, der Satiriker und Kabarettist. Das ist gut wissen in unsicheren Zeiten wie diesen. Wie hilfreich also, dass Schroeder jetzt gleich zwei Mal in Düsseldorf zu erleben sein wird: Am Samstag, 14. Mai, auf Einladung des Kommödchens im Robert-Schumann-Saal mit seinem Programm „Neustart“ und am kommenden Mittwoch, 18. Mai, im Zakk: lustigerweise zusammen mit Peer Steinbrück und noch komischer mit ihrer gemeinsamen Unternehmung, die dann zurückliegende NRW-Wahl irgendwie zu kommentieren.

Das kann ja heiter werden, zudem beide – der aktive Satiriker und der ehemalige Politiker– nicht trainiert haben. Sagt uns jedenfalls Florian Schroeder. „Wir improvisieren.“ Es gebe kein Drehbuch, so Schroeder. „Das ist für Anfänger.“ Ungewöhnlich ist auch, wie die beiden Männer überhaupt zueinander fanden. So habe Steinbrücks Tochter ihrem Vater das Werk „Hätte, hätte Fahrradkette“ aus der Feder Florian Schroeders geschenkt. Steinbrück habe ihn direkt unter Plagiatsverdacht gestellt: „Weil er glaubte, dass diese wirklich unoriginelle Formulierung von ihm stamme. Dabei ist sie sogar noch älter als Peer Steinbrück. Und das will schon was heißen! Ich habe ihn darum in meine TV-Show eingeladen, und das war so lustig, dass wir beschlossen, gemeinsam auf Tour zu gehen.“

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Vor der ultimativen Wahlanalyse aber gibt es den „Neustart“ im Robert-Schumann-Saal. Trotz des Namens ist das Programm nicht Premieren-frisch. wird aber von Schroeder immer wieder aktualisiert: „Corona habe ich noch im Programm, aber in homöopathischen Dosen. Das ist ein Thema, bei dem wir alle froh sind, dass wir es jetzt ein bisschen hinter uns gelassen haben.“ Im zweiten Teil aber werde er nach eigenen Worten seine neue Karriere ankündigen, „die nicht mehr in der Satire liegen wird. Das wird dann absolut exklusiv sein in Düsseldorf“.

Auch an der Ukraine will und wird Schroeder nicht vorbeikommen, obwohl gerade dieses Thema für Satire-Shows alles andere als unproblematisch ist. Nach seinen Erfahrungen gibt es Leute, die es „pervers“ finden, sobald er in einer komödiantischen Veranstaltung das Wort Ukraine sage. „Das ist aber nicht so“, sagt der 42-Jährige, der vor zwei Jahren einen historischen Auftritt auf einer Demo der „Querdenker“ in Stuttgart hatte, den Demonstranten unerschrocken seine Meinung geigte – und bei seinen Zuhörern damit für ein mittelschweres Entsetzen sorgte. Jetzt gebe das Thema Ukraine „viel her, und es versteht sich doch von selbst, dass man sich niemals über die Opfer des Krieges lustig macht. Das wäre schlicht geschmacklos.“ Spannend ist für ihn vielmehr, „was die Protagonisten drumherum so treiben. Also 100 Milliarden für die Bundeswehr, schwere Waffen ja oder nein, Offene Briefe, die hin- und hergeschickt werden, und wer sich alles so äußert, ohne die geringste Ahnung zu haben.“ Das sei sein Material.

Wichtig ist ihm vor allem das: dass der gute Komiker immer ein Anwalt des Teufels sei und sich nur aus dieser Perspektive die Welt neu verstehen und neu denken lasse. „Wenn die Leute nur kommen, um das zu hören, was sie schon immer irgendwie gedacht haben, dann wäre das evangelischer Kirchentag. Gott bewahre!“

Bei aller Anstrengung um satirisch letztgültige Wahrheiten kann sein Programm nicht zeitlos sein. Wie die Welt in 50 Jahren aussehen wird? Keine Ahnung. Natürlich schaue er auf die Gegenwart, ohne den Schlagzeilen hinterher zu laufen. Doch letztlich ist die Aktualität das Salz in der Suppe des Komödianten, der seinen Fans noch diesen nicht ganz uneigennützigen Rat erteilt: Es lohne sich durchaus, jetzt in seine Show zu kommen und nicht die Karten aufzubewahren im Glauben, dass nach der nächsten Pandemie in 50 Jahren die Show genauso gespielt werden kann. „Wenn ich Zuschauer wäre: Ich würde jetzt kommen.“