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Flaute, Freude, Freiheit – mit Beethoven ins neue Jahr

Beethoven-Konzert : Flaute, Freude, Freiheit – mit Beethoven ins neue Jahr

Beethoven ist gar nicht so schlimm. Auch wenn uns der Titan der Musikgeschichte mit seiner Allpräsenz in den Konzertprogrammen des Jahres 2020 schon jetzt das Fürchten lehrt: Es bereitet doch immer wieder Vergnügen zu erleben, wie seine Musik Funken schlägt.

Zumindest, wenn nicht die Verwalter seines Erbes an die Notenpulte sitzen, sondern die Neuerfinder, die Widerständigen. Als solche muss man nach dem Gastspiel im restlos ausverkauften Heinersdorff-Silvesterkonzert in der Tonhalle die Musiker anerkennen, die unter Stabführung von Christoph Spering die „Neunte“ und die Kantate „Meeres Stille und Glückliche Fahrt“ historisch informiert aufführten.

Da kann der Chorus Musicus Köln gleich beweisen, warum er als einer der angesagten Klangkörper unserer Tage gilt: So homogen pianissimo, nah an der Hörbarkeitsschwelle, hat in der Tonhalle selten ein Chor gesungen. Da wird die Flaute Musik, reglose, tiefe Stille zu fahlem Tönen der Streicher. Darmsaitenmurmeln. Naturhornstopf. Goethe zum Schaudern, alsdann zum säuselnden, ins Stürmische sich wendende Aufbrechen zu neuen Gestaden. Acht Minuten Hochspannung fabrizieren die Sänger mit fein fokussierten Stimmen, pathosfrei wie die Kollegen an den Instrumenten.

Die – unvermeidliche – „Neunte“ ist dann aber auch gar nichts für Karajan-Fans. Christoph Spering verschmäht mit seinem „Das Neue Orchester“ jegliche Plüsch- oder Zuckerbäcker-Attitüde. Sein Ideal: Beethoven nackt. Die Streicher sind keine Macht, sondern Mittel zum Satz, zum Motiv, zur reinen, klar phrasierten Melodie. Das schnakende Holz wunderbares Obertongesäusel. Furchterregend die mit Holzschlegeln malträtierten Pauken, pittoresk die Naturhörner mit ihrem ganz und gar melodisch unkorrekten Sound. Christoph Spering wählt Tempi zum Zungeschnalzen, nur ganz sehr selten klappert mal ein Übergang.

So klar, so pur ist die „Neunte“ eine Delikatesse. Der Finalsatz gerät zum Fest der Freude und Freiheit, bei der neben dem Chor auch das wunderbar, vollkommen unromantische Solistenquartett scheinbar mühelos über dem dicken Orchesterpart agiert. Begeisterter Beifall nach jedem Satz.