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Filmkritik: "Liebesdings"

Komödie „Liebesdings“ : Filmstars sind auch bloß Menschen

Elyas M’Barek spielt in der Komödie „Liebesdings“ einen Promi, der von der Boulevard-Presse in Atem gehalten wird. Die Produktion ist trotz guter Ideen wenig originell.

Wenn Stars sich über die Schattenseiten ihrer Popularität beschweren, dürfen sie meistens mit nicht allzu viel Mitleid rechnen. Selfies, Autogramme, Paparazzi gehören nun einmal zum gut bezahlten Job, der im Monat mehr abwirft, als ein Mindestlohnempfänger im ganzen Jahr verdient.

Elyas M‘Barek ist einer der erfolgreichsten deutschen Schauspieler und unbestritten ein sympathischer Vertreter seiner Zunft. Aber natürlich leidet auch er unter dem Verlust seiner Privatsphäre, gerade auch weil er über viele Jahre hinweg als Deutschlands Womanizer Nummer eins gehandelt wurde. Nun hat er mit „Liebesdings“ einen Film über einen extrem populären Schauspieler gemacht, dem es ähnlich ergeht wie ihm.

Marvin Bosch heißt der Mann, dessen neuer Film gerade Premiere feiert. Der rote Teppich ist ausgerollt, die PR-Maschinerie läuft auf Hochtouren, wozu auch ein Interview mit der gefürchteten Boulevard-Journalistin Bettina Bamberger (Alexandra Maria Lara) gehört. Sie ist auf der Suche nach Schlagzeilen und befragt den Star zum Tod seiner Mutter, zum Alkoholismus des Vaters und zu Marvins vermeintlich dunkler Vergangenheit in Berlin-Neukölln.

  • Der Schauspieler Elyas M'Barek (Archivfoto).
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Der Schauspieler bricht das Interview ab, erscheint nicht zur Premiere und landet auf der Flucht vor aufdringlichen Fans in einem feministischen Kreuzberger Off-Theater. Dort steht auch Frieda (Lucie Heinze) als Stand-up-Komödiantin auf der Bühne, die auch privat Haare auf den Zähnen hat. Das gefällt Marvin, und einen halluzinogenen Rauschpilz-Trip später landet der Superstar in der Frauen-WG und in Friedas Bett. Kann das gut gehen, so eine echte Feministin und ein landesweiter Frauenschwarm? Es wird, es muss, wenn auch natürlich mit Hindernissen – schließlich sind wir in einer romantischen Komödie, wo sich Gegensätze immer noch unwiderstehlich anziehen.

Auf diesem Gebiet gilt Regisseurin und Drehbuchautorin Anika Decker als Spezialistin. Sie hat für Til Schweiger „Keinohrhasen“(2007) und „Zweiohrkücken“ (2009) und für Karoline Herfurth „SMS für Dich“ (2016) geschrieben und in „Traumfrauen“ (2015) und „High Society“ (2017) auch selbst Regie geführt. Dabei konnte Decker mal mehr, mal weniger erfolgreich das konventionelle Mainstream-Format der Filme mit frechen, schlagfertigen Dialogen und ein paar originellen Wendungen verschleiern.

Genau dies will ihr nun in „Liebesdings“ nicht gelingen, auch wenn es nicht an vergeblichen Versuchen fehlt. Dass die zentrale Liebesgeschichte eine bloße Behauptung ist, gehört ja gewissermaßen zum Genrekonzept. Aber Decker schafft es nicht, die romantische Hypothese mit glaubwürdigen Details anzureichern. Das vermeintlich schrille, feministische Off-Theater wirkt trotz Tampon-Kostümen, Vagina-Sofa und Klitoris-Masken nur wie eine plüschige Pseudokulisse mit zu hohen Ausstattungsetat.

In den recht mageren Stand-Up-Auftritten werden die Gender-Themen ohne echten satirischen Biss abgehakt. Gerade hier – in dem Bühnenformat, das vom Wagnis lebt – zeigt sich die Mutlosigkeit dieses Unternehmens. Noch unglaubwürdiger wird es, wenn der Film ernste Töne anschlägt und in Marvels Halbwaisenkindheit eintaucht. Das große traumatische Jugenderlebnis wird in einer lächerlichen Aussprache mit dem früheren Freund ruckzuck wegharmonisiert.

Und schließlich fehlt dem Film, der sich so vertrauensvoll an die Vita seines Hauptdarstellers anlehnt, die Courage zur kraftvollen Selbstironie. Da ist Elyas M‘Barek bei allem Reflexionsvermögen dann doch noch zu sehr Star, der sein erworbenes Image als Sympathieträger nicht fahrlässig aufs Spiel setzt.

Liebesdings, Deutschland 2022 – Regie: Anika Decker; mit Elyas M‘Barek, Lucie Heinze, Anna Maria Lara; 99 Minuten