Filmfestspiele von Venedig 2019: Programm verspricht hochwertige Produktionen

Filmfestspiele in Venedig : Venedig wartet gespannt auf den „Joker“

Das Filmfest am Lido beginnt am Mittwoch. Das Programm verspricht hochwertige Produktionen.

Mit Topfilmen läutet das Filmfestival am Lido jeden September die Oscar-Saison ein. Und auch wenn das kurze Zeit später folgende Festival in Toronto mittlerweile dafür sorgt, dass wichtige amerikanische Produktionen ihre Weltpremiere lieber in Kanada feiern, glänzt die Filmbiennale von Venedig auch dieses Jahr wieder mit großen internationalen Stars. Und mit dem Goldenen Ehrenlöwen an Regisseur Pedro Almodovar ehrt die Jury in Venedig schon vorab einen der heißen Oscar-Kandidaten für das kommende Jahr.

Gleich der Eröffnungsfilm wird für Aufsehen sorgen. Denn der japanische Regisseur Kore-eda Hirokazu, der mit „Shoplifters“ 2018 in Cannes noch die Goldene Palme gewonnen hat, präsentiert diesmal seinen ersten französischsprachigen Film „La verité“ mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ethan Hawke. Der Spezialist für einfühlsamen Familienfilme („Like Father, like son“, 2013) erzählt von einer komplexen Mutter-Tochter-Beziehung, gespielt von den zwei französischen Filmdiven.

21 Filme konkurrieren im Wettbewerb um den Goldenen Löwen, darunter finden sich neue Werke von James Gray („Ad Astra“ mit Brad Pitt als Astronaut, der seinen Vater,Tommy Lee Jones, sucht), von Atom Egoyan, Noah Baumbach, Olivier Assayas und Steven Soderbergh. Dessen neuer Film „The Laundromat“ ist eine Netflix-Produktion mit Meryl Streep, Gary Oldman und Antonio Banderas über den Panama Paper-Leak 2016.

Im Gegensatz zu den Filmfestspielen von Cannes lässt die Lagunenstadt die Filme des in der Branche umstrittenen Streaming-Anbieters zu: Vergangenes Jahr gewann „Roma“ von Alfonso Cuaron, der spätere Oscar-Abräumer, sogar den Wettbewerb.

Mit Hochspannung wird Todd Phillips‘ Psychogramm eines Clowns, der aus dem Ruder läuft, erwartet: Joaquin Phoenix, der geschätzte 20 Kilo für die Rolle abgenommen hat, scheint für diesen abgründigen „Joker“ genau die richtige Besetzung zu sein. Dass Roman Polanski mit seinem neuen Werk „J‘accuse“ über die Dreyfus-Affäre in den Wettbewerb eingeladen worden ist, sorgte bereits für Kritik. Polanski, wegen Vergewaltigung in den 70er Jahren in den USA angeklagter polnischer Regisseur, wird selbst nicht nach Venedig reisen, ihm würde dort eine Auslieferung in die USA drohen.

Nur zwei Filme von Frauen finden sich im Wettbewerb der diesjährigen Ausgabe des Filmfestivals: die Saudi-Arabierin Haifaa Al-Mansour („Das Mädchen Wadjda“) präsentiert „The Perfect Candidate“ und die Australierin Shannon Murphy ihren Debütfilm „Babyteeth“. Immerhin führt die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel die Jury als Vorsitzende an – allerdings ist sie erst die siebte Frau in der Geschichte des 76 Jahre alten Festivals. Hier gibt es noch jede Menge Luft nach oben.

Leider findet sich keine deutsche Produktion in dem neben Cannes und Berlin wichtigsten Filmwettbewerb, dafür aber drei Koproduktionen, eine ist durch Mittel der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen aus Düsseldorf gefördert: der neue Film des Schweden Roy Andersson, der mit „Die Taube saß auf dem Dach und denkt über das Leben nach“ 2014 sogar den Goldenen Löwen in Venedig gewann.

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