Premiere "Horst Buchholz ... mein Papa": Wenn der Sohn den Vater interviewt

Premiere "Horst Buchholz ... mein Papa" : Wenn der Sohn den Vater interviewt

Berlin (rpo). "Horst Buchholz ... mein Papa" ist eine Dokumentation über den Schauspieler, der im März 2003 im Alter von 69 Jahren gestorben ist. Gedreht hat sie der Regisseur Christopher Buchholz, Sohn des Filmstars, gemeinsam mit Sandra Hacker. Für ihr bewegendes Werk wurden die beiden am Donnerstagabend in Berliner Kant Kino mit minutenlangem Beifall honoriert.

Zu Beginn des Films öffnet sich eine Tür. Dahinter eine leer stehende Dachgeschosswohnung. Eine symbolträchtige Szene, denn wenig später öffnen sich, wenn auch zaghaft und nicht ohne Widerstand, Türen zum Innenleben eines liebenswerten, aber störrischen, mit dem Alter hadernden international bekannten Stars.

In Gesprächen, bisher nicht gezeigtem Super-8-Filmmaterial der Familie und Filmausschnitten mit berühmten Kinorollen seines Vaters zeichnet Christopher Buchholz das Leben des prominenten Künstlers nach. "Mein Vater war jemand, der nicht gerne über sich gesprochen hat", sagt der Sohn im Anschluss an die Filmvorführung. Auch seiner Bitte, er möge doch eine Autobiografie schreiben, sei der Vater trotz wiederholter Absichtserklärungen nicht nachgekommen. Schließlich fing Christopher Buchholz 2001 an, die Gespräche mit seinem Vater zu filmen. "Dieses Rohmaterial ist dann die Basis für den Film geworden", erklärt der Dokumentarfilmer.

Horst Buchholz kam aus bescheidenen Berliner Verhältnissen, wurde in jungen Jahren in Deutschland mit Filmen wie die "Halbstarken" bekannt und erntete bald internationalen Ruhm mit Rollen wie in "Die glorreichen Sieben". Christopher Buchholz ist ein sehr persönliches Portrait seines Vaters gelungen. Der Sohn ist neugierig, will wissen, was den Vater umgetrieben hat, wie seine Schauspielkarriere begann, sein Liebesleben sich entfaltete. Wie es war, der ewige Junge zu sein und dann plötzlich das Alter zu spüren, es nicht wahrhaben zu wollen, in Depressionen und Trunksucht abzustürzen.

Das Innerste nach außen gekehrt

Der Vater beantwortet, in seiner auch im möblierten Zustand kargen Wohnung auf einem Sofa sitzend, immer eine Zigarette rauchend, die Fragen seines Sohnes mit äußerster Bedachtsamkeit, aber stets freundlich von Vater zu Sohn. Doch er scheint sich immer auch zu fragen: Warum bloß will er das alles wissen? Horst Buchholz erweckt nicht den Eindruck, er habe etwas zu verheimlichen, vielmehr, dass es ihm Unbehagen bereitet, sein Innerstes nach außen zu kehren.

Der Star ist im Gespräch mit seiner Schwester Heidi zu sehen, die "immer auf ihn eifersüchtig" war. Daneben interviewt Christopher Buchholz seine Schwester Beatrice und seine Mutter, die französische Schauspielerin Myriam Bru, die mit Horst Buchholz eine 45-jährige, zwar distanzierte, aber wohl glückliche Ehe gelebt hat. Sie verzieh ihrem bisexuellen Gatten zahlreiche Affären. Nur seinen Mangel an "Ehrgeiz" konnte sie ihm nicht nachsehen. Er sei zu begabt gewesen, sagt sie, ihm sei alles zugefallen, das sei gar nicht gut, denn dann bemühe man sich nicht mehr.

Ein Foto zeigt Horst Buchholz in jungen Jahren Arm in Arm mit dem berühmten amerikanischen Hollywood-Regisseur Billy Wilder. Glückliche Zeiten. Im Innersten ist Horst Buchholz wohl immer ein genialer, verletzlicher Draufgänger geblieben, dem das Altern zu schaffen machte.

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(afp)
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