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Gender-Komödie "Rubbeldiekatz": "Tootsie" Schweighöfer

Gender-Komödie "Rubbeldiekatz" : "Tootsie" Schweighöfer

Mit "Rubbeldiekatz" legt Regisseur Detlev Buck 15 Jahre nach "Männerpension" wieder eine gelungene Komödie vor. Zu verdanken hat er das Matthias Schweighöfer – der in seiner Travestie-Rolle das Entscheidende richtig macht: Er überzeichnet, aber karikiert nicht.

Mit "Rubbeldiekatz" legt Regisseur Detlev Buck 15 Jahre nach "Männerpension" wieder eine gelungene Komödie vor. Zu verdanken hat er das Matthias Schweighöfer — der in seiner Travestie-Rolle das Entscheidende richtig macht: Er überzeichnet, aber karikiert nicht.

Es beginnt wie ein Spiel. Alexander ist ein erfolgloser Jungdarsteller, der ein wenig strubbelig in den Tag hinein lebt, versorgt von zwei Brüdern mit einem schäbigen Kfz-Hinterhofbetrieb. Damit aus Alexanders Karriere endlich etwas wird, bewirbt er sich um eine Rolle in einem amerikanischen Nazi-Streifen — allerdings wird nur noch eine Frau gesucht. Also müssen Stöckelschuhe, blonde Langhaarperücke und zwei wohlgeformte Polster her. Und schon ist der nette Junge ein Superweib, eine Tigerlady, so weiblich, dass einem angst und bange werden kann.

Natürlich kennt man diesen Plot. Vor fast 20 Jahren gab Dustin Hoffman in "Tootsie" auch so einen erfolglosen Schauspieler, der sich für eine Rolle in einer TV-Soap in eine Frau verwandelte, eine Mischung aus Dame Edna und Miss Marple, mehr Supertante als Superweib. Und weil die Geschichte auch mit ein wenig Kritik am Medienbetrieb gewürzt war und Hoffman mit Dauerwelle und Rüschenbluse die Biederkeit so wunderbar parodierte, wurde der Film für mehrere Oscars nominiert.

Der Trick an dieser Art Travestie-Komödie ist, dass an den Geschlechterrollen nie ernsthaft gerüttelt wird: Die verzweifelten Schauspieler wollen keine Frauen sein, sie werden von den Verhältnissen zur Travestie gezwungen und entdecken dadurch vorübergehend ihre weibliche Seite. Natürlich sind das rein gefühlige Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen, Zuhörenkönnen, Beste-Freundin-Sein. Am Ende reißen sich die Verirrten aber mit vollkommener Zuverlässigkeit in einem dramatischen Befreiungsakt die Weiberklamotten vom Leib, geben sich der Liebe ihres Lebens als Mann zu erkennen, die Ordnung ist wieder hergestellt. Das darf sogar Hollywood lustig finden.

Detlev Bucks Variante in "Rubbeldiekatz" folgt diesem Muster im Prinzip, doch macht seine Geschichte ein paar Schlenker. Das trägt natürlich nicht zur Straffung der Komödie bei, man könnte die Geschichte flotter, poitenreicher erzählen. Doch gerade diese Windungen machen den Film sympathisch, wenn er etwa am Ende einfach nicht zum Happy End kommen will und gerade darin ein sehr schönes findet. Dies ist keine glatt durchkalkulierte, sondern eine hübsch verschrobene Komödie.

Buck zeigt eine Kumpel-Version von "Tootsie": Alexander geht auch im Winter mit seinen Brüdern im Park grillen, köpft lieber mit ihnen schweigend ein paar Bier als mit seiner quasselstrippigen Freundin über ihre Beziehung zu reden. Es werden da viele Klischees bemüht, doch hat das trotzdem rauen Charme, weil man das Gefühl hat, dass da echte Kerle spielen, Schauspieler, die sich in ihren Rollen wohl fühlen. Allen voran Matthias Schweighöfer.

Was hätte das für eine doofe deutsche Komödie werden können, wenn er ins rein karikierende Weiblichkeitsgetue gerutscht wäre und seine Frauenrolle nur vorgeführt, sich spielend über sie lustig gemacht hätte. Doch Schweighöfer liegt der Frauenpart, er hat weibliche Gesten studiert, kann lächeln, schauen, trinken wie eine Frau. Er zeigt auch das übliche Travestie-Komödien-Repertoire: wackelt etwa auf seinen hohen Absätzen herum, als sei es eine genetische Frage, in welchem Schuhwerk der Mensch sich fortbewegen kann. Auch in der Garderobe am Filmset kommt es zu den erwartbaren brenzligen Szenen, wenn der verkleidete Mann sich für den Film abermals verkleiden soll.

Doch man amüsiert sich wieder über diese ollen Klamotten, weil Schweighöfer das so naiv, jungenhaft, charmant spielt. Da verwindet man sogar, dass dieser sympathische Junge sich ausgerechnet in einen Filmstar verlieben muss, der von Alexandra Maria Lara gespielt wird. Die ist nämlich wieder einmal nur sie selbst, rehäugig, ein bisschen zickig, aber mehr wird in dieser Rolle von ihr auch nicht verlangt.

Und Regisseur Detlev Buck gibt selbst den ruppigen älteren Bruder des verkleideten Alexander, der vom Filmgeschäft keine Ahnung hat, aber unbedingt als Manager auftreten will. Solche Underdog-Rollen liegen Buck, da kann er sich über Schickimicki-Getue in der Showbranche lustig machen, indem er den ehrlichen Haudegen gibt, ohne Manieren, aber mit großem Herzen.

Wirklich bissige Gesellschaftssatire darf man in diesen Szenen zwar nicht erwarten, so weit bringt es "Rubbeldiekatz" dann leider doch nicht. Aber gute, weil nicht zu glatte Unterhaltung bringt diese Komödie allemal.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

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(RP)