Til Schweiger: Kinofilm Klassentreffen 1.0 ist herrlich albern

Neuer Film „Klassentreffen 1.0“ : Til Schweiger in der Midlife-Crisis

Können Männer mit Ende 40 noch Spaß am Leben haben? Diese Frage stellt die herrlich alberne Komödie „Klassentreffen 1.0“.

Til Schweiger, der Tausendsassa der deutschen Filmbranche, hat sich nach seinem inzwischen auch für Hollywood verfilmten Demenz-Drama „Honig im Kopf“ wieder seiner komödiantischen Seite gewidmet. Gut so. Denn die ist, das darf man an dieser Stelle schon sagen, immer noch sehr stark ausgeprägt.

Nun kommt Til Schweigers deutsche Adaption des dänischen Kinoerfolgs „Klassenfeste“ unter dem Namen „Klassentreffen 1.0“ in die Kinos. Und in dem Film mit dem selten dämlichen Untertitel „Die unglaubliche Reise der Silberrücken“ widmet sich der inzwischen auch schon 54-jährige Regisseur, Schauspieler, Produzent und Drehbuchautor dem Mega-Thema, das derzeit mal wieder nicht nur im Filmgeschäft en vogue ist, sondern auch in den Literatur-Bestsellerlisten, am Stammtisch und in der Mittagskantine: dem Älterwerden.

In Schweigers Midlife-Krisen-Komödie gehen also die drei Endvierziger Nils (grandios: Samuel Finzi), Andreas (herrlich überdreht: Milan Peschel) und DJ Thomas (gewohnt cool: Til Schweiger) der ewig jungen Frage nach, wie viel Leben im Leben noch übrig ist und was man daraus machen könnte. Erst recht machen sich die Freunde darüber Gedanken, weil die Einladung zum Klassentreffen 30 Jahre nach dem Abitur ins Haus flattert.

Und die drei Protagonisten haben durchaus unterschiedliche Konzepte, um mit den grauen Haaren, den Wehwehchen und psychologischen Rückschlägen im Mittelalter fertig zu werden. Während der nörgelige Familienvater Nils („Wir hatten große Träume, jetzt haben wir Krampfadern“) und der frisch sitzen gelassene und entsprechend desillusionierte Andreas (Achtung Klischee: seine Frau liebt nun den Paartherapeuten) auf die Wiedersehensfeier an der alten Schule am liebsten verzichten würden, freut sich Frauenschwarm, Promi-DJ und Held aller Groupies Thomas auf ein Männerwochenende im Luxushotel. Er überredet seine Kumpels. „Ihr seid nicht zu alt, ihr seid zu langweilig geworden“, ist sein Motto. Dass ihm seine neue Freundin Linda (erfrischend: Stefanie Stappenbeck) kurz vor der Abfahrt ihre Tochter Lilli (Lilli Schweiger spielt das 17-jährige Mädchen frech, selbstbewusst und trotzdem liebevoll) aufs Auge drückt, passt allerdings nicht so recht in Thomas’ Pläne. Nun kommt eben vieles anders als gedacht.

Ein amüsantes Roadmovie beginnt, in dessen Verlauf nicht nur der aus Recklinghausen stammende Hollywood-Bodybuilder Ralf Möller (als beherzt zupackender Oldtimer-Fahrer Maxi) zu einem Gastauftritt kommt, sondern auch Ilka Bessin (besser bekannt als Cindy aus Marzahn) eine ungewöhnliche Rettungstat in der Hotelsauna hinlegen muss, um Nils’ eingeklemmte Weichteile mit einer Handsäge aus der Holzbank herauszuschneiden.

Zugegeben: Humor ist Geschmackssache, und die Grenze zum derben Männerumkleide-Witz zieht Til Schweiger wie gewohnt großzügig. Man ahnt, dass die Feuilletonisten wieder die Nase rümpfen werden ob der Albernheiten, allerdings dürften genau diese Szenen wieder die sein, bei denen im Kinosaal am lautesten gelacht wird. Und für manche Zote wird der Zuschauer immer wieder auch mit skurrilen Dialogen, kreativem Wortwitz und engagiert aufspielenden Schauspielern belohnt, die selbst die größte Trottelei mit einer stoischen Professionalität darbieten, dass man den als perfektionistisch geltenden Regisseur Til Schweiger förmlich hinter der Leinwand spürt.

So avanciert der Film über weite Strecken zu einer gelungenen Mischung aus einem US-amerikanischen Roadmovie nach dem Vorbild von „Hangover“ (die rasanten Schnitte, die warmen Farben und die gut inszenierten 80er-Jahre-Hits spielen dabei eine große Rolle) und einem gut gemachten deutschen Slapstick-Film im Stil des Heinz Erhardt.

Man kommt beim „Klassentreffen“ manchmal aus dem Lachen nur heraus, weil man in der nächsten Szene schon wieder weinen muss. Der Übergang zwischen Männer-Klamauk in der Hotelsauna hin zum gefühlvollen Vater-Tochter-Gespräch im verwüsteten Hotelzimmer ist fließend. Der Endvierziger Thomas erklärt in der wohl ruhigsten Szene der Tochter seiner Freundin rührend selbstkritisch, dass sie nicht so streng mit ihm sein soll, da er ja diese Sache mit der „festen Freundin“ noch üben müsse. „Mir wäre es lieber, du würdest nicht ausgerechnet an meiner Mutter üben“, entgegnet Lilli knapp.

Fazit: Ein zweistündiger Kinoabend, der im besten Sinne des Wortes Unterhaltung bietet. Und zwar pur. Keine Längen, keine Langeweile. Und der Film ist nicht nur etwas für Männer. Frauen dürften sich in der Rolle der verständnisvoll-geduldigen Jette (wunderbar gespielt von der mehrfach preisgekrönten Katharina Schüttler) oder der eigenwilligen Yoga-Expertin Eva (Sonja Kirchberger) rasch wiederfinden.

Und das Problem mit dem Älterwerden wird im Film auch genderübergreifend gelöst. Mit gnadenloser Alternativlosigkeit: „Älter werden ist die einzige Art, länger zu leben“, heißt es.

Na dann.

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