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Der Schauspieler über seinen Film und die Liebe: Til Schweiger: Barfuß laufen steht für Freiheit

Der Schauspieler über seinen Film und die Liebe : Til Schweiger: Barfuß laufen steht für Freiheit

München (rpo). Frauenschwarm Til Schweiger spielt in der neuen Kino-Romanze den verantwortungslosen Gelegenheitsjobber Nick, den es in die Psychatrie verschlägt. Dort rettet er das psychisch kranke Mädchen Leila, die sich in ihn verliebt und beschließt, nicht mehr von seiner Seite zu weichen. Obwohl er sich zuerst sträubt, entdecken die beiden daraufhin barfuß die Welt.

Til Schweiger ist aber nicht nur Hauptdarsteller und Regisseur, sondern auch Produzent und Co-Autor. Herausgekommen ist eine romantische Komödie, die dem vierfachen Familienvater nach eigenen Worten besonders am Herzen liegt.

Barfuß laufen, was bedeutet das für Sie?
Das steht für Freiheit. Da ist ein Mädchen, das 20 Jahre lang eingesperrt und von der Welt entfernt war, und dieses Mädchen sagt: "Ich laufe barfuß, weil ich meine Füße nicht einsperren will." Sie liebt dieses Gefühl der Freiheit. Das kennt ja jeder, wenn man barfuß über eine Wiese geht oder über einen Sandstrand, das ist ein sehr befreiendes Gefühl. Ich mache das auch gern. Allerdings laufe ich nicht nachts im Winter barfuß durch die Stadt.

Leila hat etwas sehr Kindhaftes. Ist es dem Vater Til Schweiger leicht gefallen, das zu inszenieren?
Das Vorbild für die Figur der Leila ist schon ein Kind. Jann Preuss, mein Co-Autor und ich, wir wollten nicht ein geistig zurückgebliebenes, debiles Mädchen, sondern wir wollten eine Frau, die die Welt ganz neu entdeckt - wie ein Kind. Kinder erleben ja jeden Tag Dinge, die für uns selbstverständlich sind. Irgendwann entdecken sie einen CD-Spieler und wissen dann auch bald, wie man ihn anstellt, oder ein Kind fährt zum ersten Mal Taxi. Insofern haben mir die Erfahrungen mit meinen Kindern schon sehr geholfen, diese Figur so auszudenken.

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Gibt es konkrete Beispiele?
Es gibt einen Satz im Drehbuch, der auch mein Lieblingssatz ist: "Der Mond hat sein Licht angemacht." Und das ist ein Satz von meiner Tochter, die vier Jahre alt war, in den Sternenhimmel schaute und aus dem Nichts sagte: "Schau mal, der Mond hat sein Licht angemacht." Da habe ich Schmetterlinge im Bauch gehabt und bin sofort zu meiner Frau gerannt. Beim Schreiben ist mir das wieder eingefallen.

Ihre Frau Dana ist im Film auch in einer Minirolle zu sehen.
Genau, als flirtende Krankenschwester. Das war eher zufällig entstanden, weil sie mich an dem Tag am Set besucht hat und wir uns überlegt haben, wie wir diese Szene, die eine Informationsszene ist, auflockern können.

Was sagen Sie zu Skeptikern, die die Geschichte als "unrealistisch" kritisieren?
Da kann man nichts entgegnen. Wer sagt, das ist unrealistisch und sich nicht auf den Film einlässt, den kann man nicht erreichen. Ich könnte auch sagen, "Terminator 2" ist total unrealistisch. Du kannst nicht aus der Zukunft kommen und die Weltgeschichte verändern. Aber ich lasse mich darauf ein. "Barfuss" ist ein märchenhafter Film. Kein Märchen mit Feen und Rotkäppchen, sondern er soll den Zuschauer mit auf die Reise nehmen, zum Träumen einladen. Das klingt ein bisschen pathetisch, aber für mich ist es eine Liebeserklärung an die Liebe.

Johanna Wokalek war die letzte Schauspielerin, die für die Rolle der Leila gecastet wurde. War sie dann die Traumbesetzung?
Das war die Traumbesetzung. Ich war vorher schon ein bisschen verzweifelt. Ich habe viele Schauspielerinnen gecastet, nur tolle Schauspielerinnen und trotzdem war keine dabei, die dem Bild entsprochen hat, wie ich mir Leila vorgestellt habe. Das war auch eine Typ-Frage. Dann kam Johanna. Sie war umwerfend. Das hat gepasst wie der Deckel zum Topf.

Sie sind Hauptdarsteller, Regisseur, Produzent und Drehbuch-Autor. Was war die leichteste Aufgabe?
Das habe ich gar nicht mehr auseinander halten können, es war so viel. Es gab drei oder vier Drehtage, an denen ich nur Regisseur war und nicht selbst spielen musste. Das waren die schönsten Tage, weil ich mich nur um die Schauspieler kümmern konnte und nichts anderes machen musste. Das war fast wie Urlaub.

Seit 1998 haben Sie an dem Film gearbeitet. Wenn er nun kein Erfolg würde, wäre es ein schwerer Schlag?
Da wäre ich schon sehr traurig. Es gibt Filme, hinter denen ich heute nicht mehr so stehe, bei denen ich denke, es war ja eigentlich abzusehen. Jetzt bei "barfuss", in dieser Mulitfunktion, wäre ich sehr traurig. Aber das Leben muss dann auch weitergehen. Die Alternative wäre ja nur, es nicht zu machen.

Hinter welchen Projekten stehen Sie heute nicht mehr?
"Lara Croft Tomb Raider" zum Beispiel oder "Die Halbstarken". Es gibt noch ein paar, aber das wäre den Machern gegenüber unfair, die zu nennen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Barfuss

(afp)