Terence Hill wird 80 Jahre alt: Legende mit Kollegen Bud Spencer

Terence Hill wird 80 : Der König der Backpfeifen

Mit Haudrauf-Western an der Seite von Bud Spencer ist Terence Hill in den 70ern berühmt geworden. Als verschmitzter Tunichtgut eroberte der Italiener die Herzen. Am Freitag wird er 80.

Backpfeifen und Bratpfannen haben Terence Hill zur Legende gemacht. Erstere verteilte er in seinen Filmen gleich im Dutzend, aus zweiterer löffelte er entweder Bohnen mit Speck oder benutzte sie als gusseisernen Meinungsverstärker. Immer feste druff, Hallelujah. Hauptsache, die Fäuste flogen. Garniert wurde die Gaudi mit derben Sprüchen, schelmischem Grinsen und stahlblauem Blick. Dass dies für eine lebenslange Karriere reichen würde, gar für eine Art Superheldenstatus, bevor es auf der Leinwand Superhelden im Sonderangebot gab, hätte Hill damals, in den frühen 70ern, wohl selbst nicht gedacht. Hat es aber. Und wie. Am Freitag wird der Italiener, dessen bürgerlicher Name Mario Girotti doch viel eleganter klingt,
80 Jahre alt.

Ohne Bud Spencer wäre das allerdings kaum möglich gewesen. Mit dem brummbärigen Hünen an seiner Seite etablierte Hill in den 70ern ein neues Genre: den parodistisch überzeichneten Haudrauf-Western, eine Art Feelgood-Movie mit ausgefeilter Kinnhaken-Choreografie. „Die rechte und die linke Hand des Teufels“, „Vier Fäuste für ein Hallelujah“, „Verflucht, verdammt und Hallelujah“ hießen die Werke, die vor allem hierzulande Kasse machten. In den USA erneuerten gerade junge Filmemacher wie Scorsese und Coppola Hollywood, während sich die Deutschen über harmlose Kino-Kloppereien kaputtlachten. So erfolgreich war das Duo
Hill/Spencer, dass das Rezept auch auf andere Genres übertragen wurde. Leicht zu erkennen an dem Wort „Zwei“ im Titel, gerne kombiniert mit „Hölle“ oder „Fäuste“ – dann wurde aus der zwei eine vier.

Aber so künstlerisch leichtgewichtig die Filme auch sein mochten, der Gunst des Publikums zu Hill (und natürlich zu Spencer) tat das keinen Abbruch. Bis heute fliegen dem Schauspieler die Sympathien zu. Äußerlich verändert hat er sich kaum, ist etwas kantiger geworden, aber immer noch schlank, die blauen Augen strahlen wie eh und je. Und was wie eine Verbeugung vor seinen größten Fans wirkt, ist in Wahrheit seiner Jugend in Lommatzsch bei Dresden geschuldet: Terence Hill spricht Deutsch. Von 1943 bis 1947 lebte die Familie in Sachsen, die Luftangriffe auf Dresden sah Hill aus der Ferne. Zurück in Italien ergatterte er bereits 1951 eine kleine Filmrolle. Wobei ihn das Schauspielern kaum beeindruckte. Das änderte sich erst mit der Rolle des Grafen Cavriaghi in Luchino Viscontis Klassiker „Der Leopard“. An der Seite von Claudia Cardinale und Burt Lancaster fasste Hill den Plan, auch ein Großer zu werden. Aus heutiger Sicht: Mission erfüllt, wenn auch anders als gedacht.

Nach Visconti folgten Karl-May-Verfilmungen in Deutschland, was künstlerisch ein Abstieg bedeutete, karrieretechnisch aber goldrichtig war. Weil es perspektivisch zu einem neuen Namen und einer wunderbaren Freundschaft führte. Regisseur Giuseppe Colizi buchte Hill, der damals noch Girotti hieß, für den Italo-Western „Gott vergibt, wir beide nie“, ließ ihn aus 20 Vorschlägen ein anglophones Pseudonym wählen und stellte ihm Bud Spencer an die Seite (der seinen Namen Carlo Pedersoli ebenfalls ablegen musste). Der Rest ist bekannt. In seinem vielleicht schönsten Film durfte Hill dann solo seine Rolle als vorwitziger Revolver- und Faustheld variieren. An der Seite von Henry Fonda spielte er in „Mein Name ist Nobody“, untermalt von Ennio Morricones Musik, einen namenlosen Meisterschützen, der dem letzten Pistolero einen würdigen Abgang verschaffen will. Sergio Leone inszenierte den anrührend melancholischen Spätwestern als eine Hommage auf ein sterbendes Genre.

Fortan haftete Hill die Rolle des Nobody an, war die beige Kluft aus zerrissenem Shirt und geflickter Latzhose so etwas wie eine zweite Haut, immer wieder zitiert in Folgefilmen, aber auch anderen Figuren. Hill hat noch unzählige andere Filme gedreht, hat etwa aus Don Camillo einen Haudrauf-Pastor gemacht und in der RAI-TV-Serie „Don Matteo“ als eine Art italienischer Pater Brown Kriminalfälle gelöst. Aber er ist immer Nobody geblieben – ein sehr spezieller Niemand, der Schurken verschmitzt lächelnd Backpfeifen verpasst oder sie mit Bratpfannen malträtiert. Und den gerade deshalb alle lieben.

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