"Suburbicon" mit Matt Damon - Aufruhr in der Vorstadt

Kinostart von "Suburbicon": Aufruhr in der Vorstadt

Auffallend viele Oscar-Gewinner haben für den Film "Suburbicon" zusammengefunden: von George Clooney über die Hauptdarsteller Matt Damon und Julianne Moore und den Kameramann Robert Elswit bis hin zu den beiden Drehbuchautoren Joel und Ethan Coen.

Suburbicon ist eine Kleinstadt, wie man sie sich pittoresker und amerikanischer kaum ausmalen könnte: adrette Vorgärten mit gestutzten Rasenflächen, elegante Familienkutschen in ausgesuchten Farbtönen, nette, immer für einen kurzen Plausch zu habende Postboten, ein Kirchenchor sowie kleine, aber feine, und vor allem nicht zu teure Häuser.

In einem solchen wohnt auch Gardner Lodge (Damon), Buchhalter bei einer Werbeagentur, mit seiner Familie. Eines Tages ist es vorbei mit dem Vorstadtglück: Ausgerechnet im weißen Suburbicon will sich eine junge afroamerikanische Familie niederlassen. Ein Großteil der Gemeinde ist empört, das Haus der schwarzen Familie wird zum Ziel rassistischer Angriffe, es kommt zu regelrechten Belagerungen.

Auch im Haus der Lodges tun sich Abgründe auf: Familienoberhaupt Gardner schreckt vor einem Versicherungsbetrug nicht zurück, um sich finanziell besser zu stellen. Und ist sogar bereit, fürs liebe Geld über Leichen zu gehen. Matt Damon und Julianne Moore liefern überzeugende Leistungen ab in "Suburbicon". Damon spielt einen Musteramerikaner, der zwischen nachvollziehbaren Kleinbürgerfantasien und menschenverachtendem Zynismus hin und her wechselt.

Wirklich herausragendes Schauspiel bietet in diesem Film aber nur ein Akteur: der ursprünglich aus Guatemala stammende Oscar Isaac. Seine Leistung ist umso beeindruckender, als Isaac hier nur wenige Minuten hat, um zu überzeugen. Er spielt einen so eleganten wie verschlagenen Versicherungsdetektiv, der die betrügerischen Absichten von Gardner Lodge schneller durchschaut, als dieser denken kann.

  • Neue Filme : Kinostarts der Woche
  • Coen-Brüder von Kultstatus überrascht : "The Big Lebowski" als gemeinsame Religion

Kaum ein Moment in diesem Film, der nicht davon kündet, dass hier lauter Künstler am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen: das ausgeklügelte, mit schwarzem Humor getränkte Drehbuch der Coen-Brüder; die exquisiten Tableaus von Kameramann Robert Elswit, der die trügerische Kleinstadtidylle mit Pastelltönen zwischen Lindgrün, Türkis und Hellrosa zeichnet.

Zugleich gibt es einiges, was nicht funktioniert: Nicht zuletzt die Zusammenführung des Themas Rassismus mit der immer hart an einer Farce vorbeischrammenden Hauptgeschichte rund um den Versicherungsbetrug. Über die afroamerikanische, von übelster Diskriminierung betroffene Nachbarsfamilie etwa erfährt der Zuschauer viel zu wenig, um wirklich mitfühlen zu können. Auch gibt sich "Suburbicon" über weite Strecken schlauer und origineller als er tatsächlich ist.

Suburbicon, USA 2017 - Regie: George Clooney, mit Matt Damon, Julianne Moore, Oscar Isaac, 105 Min.

(dpa)