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"Beste Chance": Sture Bayern stolpern durch Indien

"Beste Chance" : Sture Bayern stolpern durch Indien

Sie wollen ihre Töchter finden in Indien. Es hat einen Anschlag gegeben, und vielleicht ist wer weiß was passiert. Also verlassen Hubert und Walter überstürzt ihre bayrische Heimat und stehen am ersten Abend mit Schlapphütchen auf dem Kopf und verschwitzten Gesichtern in einem Hotel in Delhi. Marcus Rosenmüller beendet seine "Besten"-Trilogie mit exotischem Ausflug.

Marcus H. Rosenmüller kann das: Menschen in ein paar Worten charakterisieren und deren Herkunft, deren Horizont, deren Heimat gleich mit. Das hat ihn zu einem der stärksten Vertreter des neuen Heimatfilms gemacht, als er 2006 mit der bayrischen Tragikomödie "Wer früher stirbt ist länger tot" mit einen Überraschungserfolg bekannt wurde. Seine Figuren waren echt, und sie waren liebenswert, weil Rosenmüller seine Komik nicht aus dem Klischee zieht, sondern aus der Wahrheit dahinter.

Auf diese Gabe trifft man auch im Abschlussfilm seiner "Besten"-Trilogie. Darin hat er die Freundinnen Kathi und Jo erwachsen werden lassen. In "Beste Chance" sind sie so weit, ihr bayrisches Dorf zu verlassen. Jo lässt sich durch Indien treiben. Kathi versucht ihr Architekturstudium abzuschließen, als sie eine Nachricht von Jo als Hilferuf missversteht und ebenfalls nach Indien aufbricht - allerdings ist Jo da gerade auf dem Heimflug. Es geht ums Aufbrechen und Verpassen in diesem sympathischen Heimatfilm, und ums Ankommen. Die Freunde der beiden jungen Frauen stehen vor Heirat, Hausbau, Familiengründung und fühlen sich noch gar nicht reif für endgültige Festlegungen. Wer dagegen aufbricht in fremde Kulturen, dabei aber nicht vergisst, wer er ist und wo er herkommt, dessen Schicksal lässt Rosenmüller gute Wendungen nehmen.

Schade nur, dass er für Indien nicht dasselbe Gespür für Echtheit entwickelt wie für seine bayerische Heimat. Der Subkontinent bleibt exotisches Ausflugziel mit den üblichen Klischees von betrügerischen Rikschafahrern bis diebischen Straßenkindern. Rosenmüllers Figuren hat die Reise nach Indien gutgetan. Sie werden dort erwachsen. Der Filmemacher bewegt sich gekonnter auf heimatlichem Terrain.

Bewertung: gut

(RP)