Star Wars 9: Die Fronten in "Der Aufstieg Skywalkers"

„Star Wars Episode IX“ : Wo stehen Widerstand und Erste Ordnung vor dem großen Showdown?

In der fiktiven Zeit des Krieg-der-Sterne-Universums liegt etwa ein Jahr zwischen dem Ende von „Die letzten Jedi“ und dem Beginn des „Aufstiegs Skywalkers. Doch wie sieht es politisch aus in einer weit, weit entfernten Galaxis vor langer Zeit?

Die wenigen Überlebenden des Widerstands konnten sich in „Die letzten Jedi“ auf Crait an Bord des Millennium Falcon in Sicherheit bringen. Die militärische Übermacht der „Ersten Ordnung“ war zu groß. Aber ist der Widerstand damit am Ende? Wie weit reicht der Arm der „Ersten Ordnung“? Und hat es überhaupt noch einen Sinn, Widerstand zu leisten? Wir wollen den Fragen vor dem Kinostart des Films am 18. Dezember nachgehen.

Die Erste Ordnung

Kylo Ren hat es geschafft und sich als „Oberster Anführer“ an die Spitze der Ersten Ordnung gesetzt. Doch er wird recht schnell gemerkt haben, dass er zwar auf dem Papier Macht hat – aber auch nur über seine hochmilitarisierte Organisation. Denn unter dem Einfluss von General Hux und Rens Vorgänger Snoke hat man einen entscheidenden Fehler gemacht: Man hat die Starkiller Base genutzt, um die Hauptwelten der neuen Republik im Hosnian-System zu zerstören. Das klingt nach einem erfolgreichen militärischen Erstschlag, der indes kurzsichtig war. Mit der Auslöschung des Senats und der Hauptwelten hat man nicht nur einen Großteil der republikanischen Flotte vernichtet, sondern auch die Infrastruktur, um über die Galaxis zu regieren. Die komplexe Handels-, Finanz- und Staatsverwaltung ist mit den Planeten ausgelöscht worden.

Der ehemalige Imperator Palpatine hatte es vor Jahrzehnten sehr viel klüger angestellt: Er schaffte es bis an die Spitze der republikanischen Regierung, formte dann daraus das Imperium und regierte auf der Basis einer funktionierenden Verwaltung – weil er wusste, dass sein Griff sonst nicht weit reichen würde. Diese Erfahrung macht nun Kylo Ren. So gewaltig sein Militärapparat auch ist: In einigen Teil der Galaxis wird man noch nicht einmal wissen, dass er existiert. Seinen Machtanspruch wird er darum nur mit Gewalt durchsetzen können. Das aber würde bedeuten, dass er seine Truppen und Flotte ausdünnen muss – um überhaupt herrschen zu können. Die militärische Stärke der „Ersten Ordnung“ wird so relativiert. Denn nur durch zahlenmäßige Überlegenheit kann die Organisation siegreich sein. Den Armeen und Offizieren mangelt es an Erfahrung. Und bislang haben sie nur gegen ein paar Aufständische gekämpft oder Welten ihrer Ressourcen beraubt. Sie waren aber kaum in längere Gefechte gegen organisierte Veteranen verwickelt, auf die man auf den diversen Planeten treffen würde. Wenn die Erste Ordnung sich ausdünnt, um die Kontrolle über viele Welten zu behalten, wird man viele Niederlagen einstecken müssen.

Allerdings hat Kylo Ren noch eine Trumpfkarte: Starkiller Base. Die wurde zwar zerstört, aber das wissen nur die Erste Ordnung und der Widerstand. Der aber ist zu schwach und zu klein, um das für eine große Propaganda-Kampagne auszuschlachten. Kylo Ren kann darum den Eindruck erwägen, die Superwaffe würde noch existieren. Für eine Weile würde das funktionieren, um die Systeme der neuen Republik mit Angst unter Kontrolle zu halten. Diese Zeit müsste man dann nutzen, um eine funktionierende Verwaltung aufzubauen. Es kann indes daran gezweifelt werden, ob jemand bei der Ersten Ordnung tatsächlich so weitsichtig ist.

Der Widerstand

Auf den ersten Blick sieht es nicht gut aus für den Widerstand. Die Truppe war niemals sonderlich groß, nun ist man noch mehr dezimiert. Und auf den Hilferuf von Leia hat sich in "Die letzten Jedi" keiner der Verbündeten gemeldet. Nach der Zerstörung des Hosnian-Systems wird sich eben niemand offen mit der „Ersten Ordnung“ anlegen wollen. Zumal Leias Ansehen gesunken ist, nachdem bereits vor „Das Erwachen der Macht“ bekannt wurde, das Darth Vader ihr Vater war.

In den Comics und Büchern wird die kleine Gruppe der Überlebenden zunächst von der „Ersten Ordnung“ gejagt. Man hat kaum Zeit, zu Atem zu kommen, bevor man erneut fliehen muss. Aber das lenkt auch den Blick Kylo Rens ab – von den Dingen, die abseits passieren: Leia hat vorgesorgt. Der Widerstand besteht nicht nur aus der Hauptgruppe, sondern auch aus vielen kleinen Zellen – die über der Galaxis verstreut sind. Zudem gibt es Unterstützer im Untergrund. Und da ist noch das Netzwerk der ehemaligen Rebellen-Allianz, auf das Leia aufbauen kann.

Zudem wurde schon in „Die letzten Jedi“ klar, dass sich die Geschichte von Luke wie ein Lauffeuer verbreitet: Der Jedi, der alleine gegen die Erste Ordnung angetreten ist. Die Ironie daran: Luke Skywalker ist zu dem Idol des Widerstands geworden, das er niemals sein wollte. Außerdem wird langsam die Runde machen, dass die Starkiller Base zerstört wurde. Das Image der übermächtigen Ersten Ordnung bekommt so Risse. Und je weiter sie werden, desto größer wird der Widerstand.

Ehemalige Rebellen, Befürworter der Republik, Veteranen, Piraten und Schmuggler: Alle, die etwas verloren haben, und viele, die etwas verlieren können – sie werden kämpfen. Und sie haben eine Chance. Denn die „Erste Ordnung“ hat keine Zentral- oder Heimatwelt, sondern sie setzt auf Großkampfschiffe als mobile Basis. Es ist am Ende nur eine Flotte. Doch, wenn die sich zerstreut, um die Galaxis regieren zu können, lassen sich einzelne Schiffe durchaus besiegen. Und mit jedem militärischen Erfolg wird die Zahl derer wachsen, die sich dem Widerstand anschließen werden.

Palpatine: Der große Unbekannte

Der Imperator wird seinen Auftritt haben in „Der Aufstieg Skywalkers“. In den Trailern konnte man auch eine gewaltige Flotte alter Sternenzerstörer sehen. Doch über welche Ressourcen verfügt Palpatine? Wie hat er seine Rückkehr in den „Unbekannten Regionen“ der Galaxis vorbereitet? Wie will er sein Imperium wieder installieren? Und welche Rolle wird er am Ende spielen? Möglicherweise verfügt er über die Mittel, die „Erste Ordnung“ einfach wegzufegen – falls sie sich ihm nicht unterordnet. Sicher ist nur eins: Der dunkle Lord und ehemalige Imperator wird seine Macht nicht teilen.