Meisterdetektiv zurück im Kino: Sherlock Holmes verhindert Weltkrieg

Meisterdetektiv zurück im Kino: Sherlock Holmes verhindert Weltkrieg

Trailer zu Sherlock Holmes 2

Vor zwei Jahren verblüffte Regisseur Guy Ritchie mit einer neuen Version des Krimi-Klassikers "Sherlock Holmes". Nun legt er den zweiten Teil vor, wieder mit Robert Downey jr. und Jude Law in den Hauptrollen: eine gelungene Fortsetzung, nur keine Überraschung mehr. Ab morgen in den Kinos.

Es steht schlimm um Sherlock Holmes. Das spleenige Detektiv-Genie aus London schluckt seltsame Substanzen, um seinem ohnehin schon leistungsfähigen Gehirn noch künstliche Dimensionen zu eröffnen. Holmes steht unter Druck, denn er hat einen neuen Gegner, dessen Bösartigkeit auch alle Dimensionen sprengt: Ein größenwahnsinniger Professor mordet in Europa, um einen Krieg anzuzetteln, von dem er als Waffenschieber profitieren wird. Holmes hat es mit einem Terroristen zu tun, der dem 19. Jahrhundert weit voraus ist.

Das treibt den egozentrischen Ermittler an den Rand des Wahnsinns, besessen sammelt er Hinweise auf den Mann, spannt rote Fäden durch sein Büro, bis er sich darin verheddert. Der Fall wächst Holmes über den Kopf wie die Pflanzen in seinem Zimmer. Doch zum Glück hat er einen besten Freund: den vernünftigen Dr. Watson. Tapfer schlägt der sich durch den Zimmerpflanzen-Dschungel zu seinem hyperschlauen Gefährten, bricht eine Schneise in die Wucherungen, holt den Freund ans Tageslicht. Das nächste Abenteuer der ungleichen Männer kann beginnen.

Vor Jahren überraschte Guy Ritchie die Welt mit der gewagten und geglückten Neuerzählung eines britischen Krimi-Klassikers, indem er Sherlock Holmes zwar in der Monokel- und Dampfmaschinenzeit beließ, ihm aber einen modern zerissenen Charakter verpasste. Er hatte den perfekten Darsteller dazu: Robert Downey Jr. machte aus Sherlock Holmes einen impulsiven, schnoddrigen, nicht ganz lebens- und vor allem kein bisschen liebestüchtigen Ermittler mit manischen Zügen, ein hyperbegabtes Kind, das nicht erwachsen werden will, lieber Verbrecher jagt, waghalsig, übermütig, clever. Dieser Charakter vermischte sich in der Wahrnehmung dann noch mit der realen Lebensgeschichte von Downey jr.. Der hat exzessiven Drogenkonsum, mehrere Entzüge hinter sich. Wenn sein Freund Watson ihn aus dem Schlingpflanzen-Wohnzimmer befreit, ist das also ein ironisches Spiel mit dem Image des Darstellers.

Dazu gehören Holmes und Watson zu den großen Detektiv-Duos der Krimigeschichte. Wer den einen neu erfindet, muss auch eine Männerfreundschaft neu gestalten. Bei Guy Ritchie sind die beiden gegensätzliche Kumpel, der eine exzentrisch, leidenschaftlich, eigenbrötlerisch, der andere britisch gelassen, ironisch, im Einklang mit sich und der Welt. Diese Rolle liegt Jude Law. Er ist ein ausgezeichneter Gentleman, der seinen Sinn fürs Abenteuer hinter besten Manieren verbirgt.

Im neuen Film wird der Gegensatz zwischen beiden Männern auf die Spitze getrieben, indem Dr. Watson heiratet. Er gründet also die bürgerliche Existenz, die Holmes verachtet. Doch weil Ehe auch das Gegenteil von Abenteuer ist, setzt Holmes alles daran, den Freund aus der trauten Zweisamkeit zu locken, hinüber in seine Welt, in der es Weltkriege zu verhindern, das Leben zu riskieren gilt.

So gibt es wieder genügend Anlass für Prügeleien, rasante Verfolgungen, spektakuläre Schießereien, bei denen diesmal ein ganzer Wald zu Sägespänen zerlegt wird. Auch das ist Ritchie mit seinem Sherlock reloaded ja gelungen: Er hat den Tüftlerkrimi mit dem Actionreißer vermählt. Bei ihm muss der Zuschauer auf Details achten, um die Clous der Geschichte vor Holmes zu lösen, aber er kann sich auch berauschen an all den Kamerafahrten entlang der Flugkurven diverser Geschosse, vom Flintenknicker bis zur Kanonenkugel.

Wenig gelungen ist allerdings ein Handlungsstrang, der ins Gipsy-Milieu führt. Dort taucht Noomi Rapace auf, die in den Stieg-Larsson-Verfilmungen so packend die verletzte Rebellin gegeben hat. Hier wird sie harmlos als attraktive Romabraut verkleidet und mit üblen Figuren umgeben, die schwarze Schnurrbärte tragen, den bösen Blick haben und diebische Finger. Man kann das als Zigeunerromantik abtun und Kritik daran spielverderberisch finden. Doch wird da nun mal eine Volksgruppe mit Klischees verleumdet, die man endlich überwunden geglaubt hatte. So übertrieben, dass man die Szenen lustig finden könnte, sind sie hingegen auch nicht.

Dafür führt die Geschichte diesmal quer durch Europa bis in eine Trutzburg in der Schweiz, da gibt es dann passend zur Weihnachtszeit frostige Bilder und einen üppigen Ball. Auch "Sherlock Holmes 2: Spiel im Schatten" ist also eine hübsch überdrehte Mischung aus nostalgischem London-Krimi, Kumpelsatire und moderner Action vor historischer Kulisse.

Allerdings ist das alles nun eben nicht mehr neu. Es fehlt zwangsläufig das frappierende Moment, das die erste Neuinterpretation des Sherlock-Holmes-Stoffes hatte. Doch kann man Guy Ritchie daraus keinen Vorwurf machen. Er hat die beiden Detektive neu entworfen und lässt sie nun einfach weitermachen. Die Revolution der Revolution bleibt aus, doch immerhin hat die Fortsetzung noch dieselbe Spritzigkeit wie der erste Teil. Wer den mochte, kann das Vergnügen nun also um zwei weitere Stunden verlängern.

(RP)
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