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Serienkritik "Wild Republic" auf Magenta TV

Serie „Wild Republic“ : „Herr der Fliegen“ in den Alpen

Die sehenswerte deutsche Serie „Wild Republic“ erzählt in acht Folgen vom Überlebenskampf jugendlicher Straftäter in den Südtiroler Bergen.

Mehr oder weniger willig starten die Jugendlichen in ein Abenteuer in den Alpen. Eine „erlebnispädagogische“ Maßnahme soll die straffällig gewordenen Teenies statt in den Knast wieder auf Spur bringen. Wer warum dabei ist, erfährt der Zuschauer in Rückblenden: Jede der acht Folgen ist einer anderen Figur gewidmet – das hat im seriellen Erzählen nun mittlerweile Tradition und ist auch hier gut gelöst.

Schon in der ersten Nacht in den Bergen läuft der Ausflug aus dem Ruder. Als ein Betreuer tot aufgefunden wird, flüchten die zum Teil traumatisierten Jugendlichen, die den Behörden wenig vertrauen, mit Kanus tiefer in die Wildnis. In einer großen Höhle suchen sie Unterschlupf, versuchen zu überleben und sich mit der neuen Lage zu arrangieren. Das Experiment, existentiell wie einst bei „Herr der Fliegen“, führt die heterogene Truppe zunehmend an ihre Grenzen. In dem Überlebenskampf in der Wildnis lauern zahlreiche Gefahren und Abgründe, die aber nicht unbedingt in der Natur, sondern in den Mitmenschen zu finden sind.

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Die jungen Schauspieler dieser Serie sind gut gecastet: In der Regie von Markus Goller („25 km/h“) und Lennart Ruff können sie ihre Stärken ausspielen. Merlin Rose ist als gescheiterter Revoluzzer Ron der geborene Anführer, der sich gegen seinen kapitalistischen Vater (Ulrich Tukur) auflehnt. Er verliebt sich in die zur Prostitution gezwungene Kim (Emma Drogunova). Der sadistische veranlagte Justin (Béla Gábor Lenz) gefährdet die Stabilität der Gruppe. Als sich Marvin (Rouven Israel) über die Beauty-Bloggerin (Camille Dombrowsky) hermacht, kommt es zur ersten Gerichtsverhandlung in dieser neuen Community, die nun ganz auf sich gestellt agieren muss. Lässig überspielen die Schauspieler dabei so manchen arg hölzern geratenen Dialog oder klischeehaft zugespitzte Handlungsvolte.

Neben den Schauspielern, darunter als Erwachsene noch Verena Altenberger und Franz Hartwig („Der Pass“), überzeugt auch die grandiose Bergkulisse Südtirols, die eindrucksvoll in Szene gesetzt ist. Die Innenaufnahmen sind, kaum zu glauben, in den MMC Studios in Köln entstanden: Die Film- und Medienstiftung NRW hatte die Serie, eine erste Kooperation von MagentaTV und öffentlich-rechtlichem Fernsehen, maßgeblich gefördert.

Die eindrucksvolle Höhle wurde in Köln mit 7,5 Meter Höhe und 22 Meter im Durchmesser nachgebaut. So konnte das Team, abgeschirmt von der Natur und Corona, vergangenen Sommer ungestört drehen. Nur die Beleuchtung ist manchmal etwas zu artifiziell schön geraten, so dass man sich eher in einer Theaterkulisse denn auf 2000 Metern Höhe in der rauen Natur wähnt. Anfang 2022 läuft die Serie auch in der ARD und auf Arte. Dann kann sich jeder davon überzeugen.

Info „Wild Republic“ läuft auf Magenta TV.