Der große Kinorückblick Teil II: Schwerelos, witzig und grauenvoll

Der große Kinorückblick Teil II : Schwerelos, witzig und grauenvoll

Nun geht es ans Eingemachte: Im zweiten Teil unseres Kinorückblicks beschäftigen wir uns mit mehr oder weniger gelungen Fortsetzungen, grandiosen Schauspielern und dem für uns besten Film des Jahres.

Hunderte von Filme wurden 2013 wieder in die deutschen Kinos gebracht, Millionen von Zuschauer zogen sie vor die Leinwände. Eine Übersicht über alle — positiven wie negativen — filmischen Highlights.

Der schärfste Film

Man sollte diese Kategorie nicht überbewerten, dennoch hat der Science-Fiction-Film "Oblivion" einen klaren Vorzug. Er hat in gewisser Art und Weise Filmgeschichte geschrieben — wenn auch nicht allzu erinnerungswürdige.

Das Werk ist einer der ersten Filme, der in 4K-Auflösung, also Ultra High Definition Television, ins Kino kam und das nicht unbemerkt ließ. Die Bilder waren gestochen scharf, die Handlung konnte aber der Optik nicht (annähernd) das Wasser reichen.

Der größte Brüller

Dieser Film darf in dem Kino-Jahresrückblick nicht fehlen: "Der Hobbit — Smaugs Einöde" führt alle Tolkiens-Fans ein Stück weiter zum Ende der lang erwarteten Trilogie. Der Star ist — wie der Titel schon dezent andeutet — der Drache Smaug.

Und tatsächlich: Das Monster stellt alle Orks, Zwerge, Elben, Zauberer oder Riesenspinnen in den Schatten. Und es kommt noch besser: Der Film weiß auch zu überzeugen. Viel Spaß.

Das größte Comeback

"I'll be back", sagte er schon vor zig Jahren, 2013 machte der ehemalige Gouverneur von Kalifornien ernst. Arnold Schwarzenegger gab sein Comeback als Hauptdarsteller in den Actionstreifen "Last Stand".

Zugegeben: Das Werk bestach nun wirklich nicht mit einem ausgefeilten Plot, hier stand Arnie ganz klar im Fokus. Wenn der Österreicher die bösen Buben jagt, gepaart mit fast schon philosophisch-minimalistischen Sätzen wie "My honor is not for sale" (dt. 'Meine Ehre ist nicht käuflich'), geht doch jedem treu zahlendem Kinobesucher das Herz auf, oder?

Der witzigste Film

Wenn wir schon im Komödienbereich sind, schauen wir flugs bei dem witzigsten Film des Jahres vorbei. "Ich — einfach unverbesserlich 2" setzt dem Vorgänger noch einen drauf und punktet vor allen Dingen mit den zahlreichen Auftritten der so genannten Minions.

Die quasseln zwar nur unverständliches Zeug, sind dabei aber in ihrer Situationskomik unübertroffen. Dass die restlichen Figuren auch für ein paar Lacher sorgen können, rundet den ganzen Spaß ab.

Die größte Massenhysterie

Was für ein Chaos — und das auch fern der Leinwand: "World War Z" war eigentlich der geborene Kandidat für den Spitzenplatz der "Flop"-Charts, sehr zum Leidwesen von "Lone Ranger" wurde das Zombie-Spektakel doch noch ein Erfolg auf ganzer Linie.

Dabei musste das komplette Ende des Films, bei dem Brad Pitts Produktionsfirma sich beteiligte, neu gedreht werden. Die Kosten drohten zu explodieren, aber Protagonist Pitt, jede Menge Schocker und Tausende von fleischgierigen Untoten spülten jede Menge Geld in die Kassen (es waren exakt 540.007.876 Dollar). Und so kommt es, dass nun eine Fortsetzung produziert wird.

Das beste Sequel

Eine harte Entscheidung. Fortsetzungen machen gefühlt 99 Prozent der derzeitig produzierten Kinofilme aus, die Mehrzahl der Werke geht aber in der Masse schlicht unter. Sobald man jedoch die Hoffnung fast verloren hat, kommt doch noch eine Überraschung um die Ecke.

Neben "Ich — einfach unverbesserlich 2", "Iron Man 3" oder "Der Hobbit — Smaugs Einöde" setzte sich vor allen Dingen der zweite Teil der "Tribute von Panem — Catching Fire" ab. Womit? Einem fesselnden Plot, tatsächlichem Mehrwert zu dem Vorgänger und einer erneut grandios aufspielenden Jennifer Lawrence. Eine absolute Empfehlung!

Das schlechteste Sequel

Trotz einiger Querschläger war hier der Preisträger schnell gefunden. Nachdem "Hangover II" den urkomischen Vorgänger gnadenlos kopiert hatte, wagte man eine Veränderung für "Hangover III".

Aber das Ende der Trilogie resultierte geradezu im Fiasko. Ein bisschen Thriller, ein wenig Farce und viele Tabubrüche — so wurde es nichts. Das banale Problem an der "Komödie": Sie war nicht lustig.

Die wildeste Party

Tja, das ist eine Verfilmung eines Literaturklassikers. Dank Regisseur Baz Luhrman wurde "Der große Gatsby" eine einzige große Party, ausufernd in Ausstattung und Choreografie.

Während die erste Stunde den Zuschauer in den Bann zieht, verliert der zweite Teil an Wirkung. Die Sozialkritik kommt zu kurz, weiterhin dominiert die Optik. Und irgendwie bekommt man den prägnanten Soundtrack nicht aus dem Kopf: "A little party never killed nobody…"

Der hemmungsloseste Film

Ein Überraschungserfolg gelang Evan Goldberg und Seth Rogen. Die beiden führten bei der Parodie "Das ist der Ende" Regie, Stars wie James Franco, Jonah Hill, Emma Watson, Rihanna und eben Rogen spielten ihre vermeintlichen Ichs.

Der Film strotzte vor Humor und nahm die zahlreichen Kino-Untergangsszenarien köstlich auf den Arm. Dennoch war es nicht für alle Kinogänger ein Genuss: Der Film kannte keine Tabus; gut möglich, dass "Sperma" das meistgebrauchte Wort nach "Apokalypse" in diesem Werk war.

Das optische Highlight

Was für ein Übergang! Der Sieger in dieser Kategorie konnte seine Zuschauer bestenfalls in einen meditativen Zustand versetzen, aber es gab — wie bei jedem Film von Regie—Ass Terrence Malick — auch kritische Töne zu hören.

"To the Wonder" ist ein philosophisches Werk über Liebe, alles andere als leichte Kost. So stark Malick auch polarisieren mag, optisch gehören seine Werke zu den grandiosesten der Filmgeschichte. Das liegt bei "To the Wonder" auch an Emmanuel Lubezki: Der Kameramann zeigte auch schon sein Können bei "Tree of Life" oder "Gravity".

Beste schauspielerische Leistung

Nun wird es ernst. In diesem besonderen Fall besteht die Kategorie aus zwei Teilen, der Gleichberechtigung zugute. Der Anfang macht bei uns Joaquin Phoenix. Der 39-Jährige spielt in "The Master" eine brutale, alkoholabhängige und am posttraumatischen Stresssyndrom leidende Figur. Das macht er mit solch einer Hemmungslosig— und Glaubhaftigkeit, dass der Zuschauer zwischen Abscheu und Voyeurismus schwankt.

Nicht allzu schlimm und mit deutlich weniger On-Screen-Zeit begeisterte derweil Anne Hatheway in dem Musical "Les Misérables". Allein die puristische Gesangsszene kurz vor ihrem Film-Tod machte sie zu einer Oscaraspirantin — den sie letztlich auch bekam.

Der beste Film

Das Kinojahr ist also fast vorbei, ähnlich ergeht es unserem Rückblick. Zu guter Schluss soll nun der beste Film geehrt werden. "Gravity" stach aus der schier unendlichen Masse der Kinofilme unserer Meinung am meisten heraus.

Die Produktion dieses Blockbusters grenzt derweil an ein Wunder: Regisseur Alfonso Cuaron gelang es tatsächlich die mächtigen Studiobosse von seiner eigenwilligen Idee zu überzeugen. Und das in einer Zeit, in der Hollywood zwar mehr Geld verdienen möchte als jemals zuvor, aber deutlich weniger riskiert.

Was hatte sie bei "Gravity" überzeugt? Schwer zu sagen. Der Plot ist minimalistisch, Dialoge vollkommen zweitrangig, die Optik bombastisch und höchst interpretativ. Dennoch schafft es Cuaron unglaubliche Spannung über 90 Minuten zu erzeugen, Sandra Bullock zeigt zudem eine grandiose schauspielerische Leistung. Ein möglicher Kino-Meilenstein.

Alle unsere Texte zum Jahresrückblick finden Sie nach und nach hier.

Hier geht es zur Infostrecke: Der große Kino-Jahresrückblick – Teil II

(cfk)
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