Kinofilm: Schöne Verfilmung des Jugendbuchs "Belle & Sebastian"

Kinofilm : Schöne Verfilmung des Jugendbuchs "Belle & Sebastian"

"Bääh, du stinkst!", sagt der Knirps zu der Hündin, aber trotz so einer Schmähung kann eine große Zuneigung entstehen, wie die zwischen dem siebenjährigen Sebastian (Félix Bossuet) und dem verwahrlosten Vierbeiner, den der Junge in der Wildnis gefunden und Belle getauft hat.

Es ist das Jahr 1943, und sogar hier oben in den französischen Alpen, in einem Bergkaff nahe der Schweizer Grenze, sind die Schrecken des Krieges allgegenwärtig. Deutsche Besatzer jagen Flüchtlinge, die in die Schweiz fliehen wollen, und Einheimische riskieren als Fluchthelfer ihr Leben. Vor diesem historischen Hintergrund erzählt uns Regisseur Nicolas Vanier ("Der letzte Trapper", "Der Junge und der Wolf") in "Belle & Sebastian" von der Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Da mag man an Disney-Schmalz denken, aber weil Vanier die rauen Lebensbedingungen und die zeitgeschichtlichen Bezüge nicht ausklammert, macht sein Film einen bodenständigen Eindruck.

Während der Waisenjunge, der bei einem großväterlichen Schafhirten (Tchéky Karyo) lebt, seine neue Gefährtin vor den anderen versteckt oder mit ihr auf einer Wiese herumtollt, schleust der Dorfarzt Juden über die Grenze. Bis auch Sebastian und Belle in eine solche Flucht verwickelt werden.

Vorlage für den Film war das Kinderbuch von Cécile Aubry, aus dem die Autorin schließlich eine Fernsehserie machte, die auch Ende der 1960er Jahre in Deutschland zu sehen war. Varnier hat die Handlung allerdings aus den Sixties in die Zeit des Zweiten Weltkriegs verlegt und daraus einen berührenden, aber niemals rührseligen Film gemacht, in dem selbst Kitsch wunderbar wirkt, wie jene Szene, bei der sich die schmutzige Heldin nach einem Bad im Gebirgsbach in eine schöne weiße Hündin verwandelt.

In Zeiten, wo Kinderkino oft laut mit plumpem Slapstick daherstürmt, wirkt "Belle & Sebastian" wie ein geerdetes Kleinod, eines aber, das in großer Verpackung strahlt. Eingebettet in imposante Naturaufnahmen, die Kameramann Eric Guichard grandios eingefangen hat, entspinnt sich ein altmodischer und gleichsam vielschichtiger Kinderfilm, der zwar die Idylle einer entrückten Welt feiert, aber auch deren Gefährdung zeigt. llll

(RP)
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