Im Alter von 51 Jahren verstorben: Schauspielerin Susanne Lothar ist tot

Im Alter von 51 Jahren verstorben : Schauspielerin Susanne Lothar ist tot

Die Schauspielerin Susanne Lothar ist gestorben. Das teilte der Anwalt ihrer Familie, Christian Schertz, am Mittwoch in Berlin mit. Weitere Details nannte er nicht.

Sie konnte mit unbewegter Miene in die Kamera schauen und doch sah man, was in ihrem Inneren vorging. Und dann rannen ihr Tränen über die Wangen und das hatte nichts Künstliches, sondern es war erspielt, errungen. Man verstand genau warum.

Solche Schauspieler gehören vor die Kamera, denn sie ertragen die Nähe des künstlichen Blicks. Darum wohl hat Michael Haneke sie immer wieder in seine stillen, grausamen Filme geholt. In "Das weiße Band" etwa spielte sie die Haushälterin eines Arztes, die sich immer wieder der Gewalt dieses Mannes beugen muss. Und wie alles in diesem Film hat es geschmerzt, das zu sehen, weil Schauspieler wie Susanne Lothar psychisches Leid sichtbar machen können.

Darum gehört auch "Funny Games" zu einem der schlimmsten Thriller der Filmgeschichte. Sie spielt darin eine Mutter, die Opfer des Psychoterrors zweier mitleidloser Jugendlicher wird. Haneke zeigt in diesem Film mit der kalten Genauigkeit seiner Bildsprache Gewalt am Werk. Und er setzte auf Susanne Lothar, um ohne falsche Übertreibung, dafür mit der Wucht seines Realismus, zeigen zu können, wie Angst entsteht.

Doch die gebürtige Hamburgerin war nicht nur eine Schauspielerin, die im Film Momente der Innerlichkeit, der grausamen Verzweiflung erspielen konnte, sie war eigentlich eine Bühnendarstellerin. Für Peter Zadek war sie Frank Wedekinds "Lulu", jenes Mädchen, das seine Umgebung in den Bann zieht, das durch seine pure Anwesenheit verführt. Für so eine Rolle muss man die Bühne mit einem Blick, einer Geste einnehmen. Susanne Lothar konnte das.

Eine Große, die mit Größen gearbeitet hat. Darum hat sie an den großen Häusern gespielt, in Hamburg, Köln, Wien, Stuttgart, Berlin und Salzburg. Und sie hat mit Regiegrößen gearbeitet, mit Thomas Ostermaier etwa und immer wieder mit Luc Bondy. Sie hatte dessen Inszenierungen als junge Schauspielerin in Köln gesehen. Sie war ihm sogar bis nach Paris gefolgt, um seine Arbeiten etwa mit Michel Piccoli zu erleben. Dann arbeitete sie selbst mit Bondy.

"Sie ist eine Schauspielerin, die sich nie etwas ausdenkt und das vor sich herträgt, alles, was sie Figuren gibt, nimmt sie aus sich selbst", hat Bondy einmal über sie gesagt. Und sie schätzte ihn, weil er ein Regisseur sei, "der zeigt, welche Masken Menschen aufsetzen, wenn sie in Gesellschaft sind". Susanne Lothar konnte solche Masken sichtbar machen.

Zuletzt drehte die 51-Jährige den Angaben auf ihrer Website zufolge unter anderem den britischen Kinofilm "Anna Karenina". Dafür spielte sie an der Seite von Jude Law und Keira Knightley. Zuvor hatte sie die weibliche Hauptrolle in Hanna Dooses Film "Staub auf unseren Herzen" übernommen. Der Streifen war Anfang Juli auf dem Filmfest in München mit dem mit 30.000 Euro dotierten Förderpreis Neues Deutsches Kino in der Kategorie Regie ausgezeichnet worden.

Während einer Arbeit am Theater Zürich lernte sie 1990 Ulrich Mühe kennen. Sie heirateten bald, bekamen zwei Kinder, lebten erst in Hamburg, dann in Berlin. Sie waren ein Paar, dessen Beziehung so reif schien wie ihre Arbeit als Schauspieler, die von einer ganz eigenen Klasse war. Und als Ulrich Mühe vor fünf Jahren einem schweren Krebsleiden erlag, ging auch ein Stück von ihr.

Als sie nach seinem Tod gefragt wurde, ob sie glaube, sich noch einmal verlieben zu können, antwortete sie: "Darüber denke ich nicht nach. Ich habe unsere Liebe ja noch in mir. Mein Mann ist immer bei mir. Er ist ein Teil von mir."

Nun ist Susanne Lothar gestorben. Die Familie bat per Anwaltsschreiben von Nachfragen abzusehen. Sie wurde 51 Jahre alt.

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(RP)