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"Reis" — "Der Chef": Film zeigt Aufstieg von Recep Tayyip Erdogan

"Reis" — "Der Chef" : Film zeigt Erdogans Aufstieg in leuchtenden Farben

Neuer Kinofilm über Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan ist zufrieden mit seiner Darstellung im neuen Biopic "Reis", das in Kürze in die türkischen Kinos kommt. Der Film schildert in leuchtenden Farben den Aufstieg Erdogans in der Politik.

Der türkische Präsident habe ihm gesagt, dass er in ihm sein jüngeres Ich wiedererkenne, berichtet der Hauptdarsteller Reha Beyoglu voller Stolz. Dass der Film kurz vor dem umstrittenen Verfassungsreferendum auf die Leinwand kommt, sieht Regisseur Hudaverdi Yavuz als Zufall.

Er habe das Leben Erdogans erzählen wollen, weil es "wirklich interessant" sei, sagt der Regisseur. Der Titel "Reis" ("Der Chef") beziehe sich auf den Namen, unter dem Erdogan seit Langem bekannt sei. "Als er zum Bürgermeister von Istanbul gewählt wurde, verwendeten die Leute automatisch das Wort 'Reis'", sagt Yavuz. "Seine Kindheitsfreunde, seine Bekannten, sie alle nennen ihn so."

Kritiker sehen den Film als Propaganda

Der Film hätte ursprünglich schon vergangenen März ins Kinos kommen sollen, doch wird er nun seine Premiere am 3. März haben — sechs Wochen vor der Volksabstimmung über die Einführung des umstrittenen Präsidialsystem in der Türkei am 16. April. Dieses würde Erdogans Stellung als mächtigster türkischer Staatsmann seit Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk endgültig zementieren.

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Nicht nur wegen des Zeitpunkts des Kinostarts, sondern auch wegen des Inhalts des Films sehen Kritiker ihn als Propaganda. Der Film "erscheine mehr als ein Werk politischer Propaganda, denn als ein biographisches Drama", schrieb der Kolumnist Mustafa Akyol kürzlich im Internetmagazin "Al-Monitor". In Demokratien würden Filme über große Politiker gewöhnlich erst nach ihrem Tod oder ihrem Abtritt gedreht.

Der Filmregisseur Yavuz weist den Vorwurf, er verherrliche den umstrittenen Staatschef, zurück. "Dieser Film ist ganz unser Werk. Dies ist keine Propaganda", versichert er. Niemand habe Einfluss von Außen genommen. Für einige könne der Film eine "politische Bedeutung" haben, doch sei dies nicht seine Angelegenheit. Auch der Erdogan-Darsteller Beyoglu behauptet, dass es in dem Film "nicht um Politik" gehe.

Im Arbeiterviertel Kasimpasha aufgewachsen

Der Film, der binnen sechs Wochen in Istanbul und Zypern gedreht wurde und "drei bis vier Millionen Lira" (etwa eine Million Euro) kostete, beginnt im rauen Istanbuler Arbeiterviertel Kasimpasha, in dem Erdogan in den 60er Jahren aufwuchs. In einem Trailer des Films wird in dramatischen Bildern die Repression der muslimischen Gläubigen nach dem Militärputsch 1960 gezeigt.

So ist in einer Szene der junge Erdogan zu sehen, wie er mitverfolgt, wie Soldaten einen Mann abführen, der gegen die Hinrichtung des islamfreundlichen Ministerpräsidenten Adnan Menderes durch das Militär protestiert hatte. Während Erdogan trotzig zuschaut, sagt eine Stimme aus dem Off, ein "tapferer Held" werde aufwachsen, der sich ehrenhaft solcher Verfolgung entgegenstellen werde.

Film endet im Jahr 1999

Der Film, der auch in Deutschland und anderen Ländern gezeigt werden soll, schildert anschließend, wie Erdogan zum Istanbuler Bürgermeister gewählt wird, dann jedoch Ende der 90er Jahre wegen der Rezitation eines Gedichts ins Gefängnis muss. Der Streifen endet drei Jahre, bevor Erdogans islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) erstmals 2002 an die Regierung gelangte.

Yavuz sagt dazu, die Zuschauer in der Türkei wüssten selbst, was nach 1999 geschehen sei, da sie es erlebt hätten. Er habe gewollt, dass der Film "auf einer schönen Note" ende.

(das/AFP)