Französische Komödie: Rassistische Oma eröffnet Haschisch-Bäckerei

Französische Komödie : Rassistische Oma eröffnet Haschisch-Bäckerei

Armut ist überall und wer erfinderisch ist, kann sich vielleicht überwinden. In "Paulette" entdeckt eine verarmte französische Rentnerin das Geschäft mit Hasch-Keksen und nimmt die Süßigkeitenproduktion auf.

Französische Komödien spielen oft an Orten kulinarischer Verführung. Da beugen sich dann schöne Frauen wie Juliette Binoche über dampfende Schokoladentöpfe oder rühren Pralinen an, die auch das Herz des verklemmtesten Chefs erweichen. Und am Ende eröffnen sie ein kleines Geschäft mit pittoresker Ausstattung, und die Kunden geben sich die Klinke in die Hand.

Auch in der schwarzen Komödie "Paulette" werden exquisite Süßigkeiten gezaubert. Und die feinen Kekse finden bald reißenden Absatz in einem der trostlosen Vororte von Paris, doch ist das weniger den hübschen Verzierungen der Plätzchen, Küchlein und Petit Fours zu verdanken, als vielmehr einer Zutat: Haschisch.

Das krümelt die Rentnerin Paulette voller Liebe in ihre Kreationen. Sie muss ihre Rente aufbessern. Seit ihr Mann dem Suff erlegen und ihr Café pleitegegangen ist, reicht es hinten und vorn nicht. Und Paulette hat keine Lust mehr, sich auf dem Müllberg des Wochenmarktes um die Gemüsereste zu prügeln und in einer kahlen Wohnung zu hocken, aus der man alles Bewegliche gepfändet hat.

Die alte Hexe mit den Keksen

Der französische Regisseur Jérôme Enrico zeichnet in "Paulette" ein krasses Bild von Altersarmut im Frankreich der Eurokrisenzeit. Das ist alles hübsch überzeichnet — und doch mit so viel Realitätssinn dargestellt, dass die Wirklichkeit bitter aufscheint in der satirischen Schilderung.

Dazu ist Enricos Hauptfigur Paulette keine freundliche Alte, der man den Hinzu-Verdienst mit den zwielichtigen Keksen von Herzen gönnte, sondern eine rassistische Hexe, die ihren eigenen dunkelhäutigen Enkel "Bimbo" nennt und nur dann freundlich behandelt, wenn er ahnungslos die Dose mit den Haschisch-Vorräten in den Händen hält.

Mit der Verquickung von Gesellschaftssatire und Romantische-Komödien-Persiflage ist "Paulette" eine originelle Mischung geworden, die zwar weniger rührt als der französische Erfolgsfilm "Ziemlich beste Freunde" und nicht ganz so situationskomisch angelegt ist wie "Willkommen bei den Sch'tis". Doch Bernadette Lafont gibt überaus beherzt die biestige Alte, die es auch mit den Drogenbossen in ihren Vierteln aufnimmt.

Schwiegersohn bei der Drogenfahndung

Sentimentalität kann sich diese Rentnerin nicht leisten. Also schließt sie einen Pakt mit den Dealern in der Nachbarschaft und macht die Freundinnen aus dem Altenclub zu ihren Komplizinnen. Mit hausfraulicher Gründlichkeit bauen sich die Frauen das Geschäft mit den Drogen-Keksen auf, schmuggeln in der karierten Einkaufstasche das Cannabis an der Polizei vorbei und verbergen ihre Machenschaften sogar vor Paulettes freundlichem Schwiegersohn, der natürlich bei der Drogenfahndung arbeitet.

So böse mancher Spruch der verbitterten Paulette ist, dieser Film will die Grenzen des Komödien-Genres nicht sprengen, und so dürfen am Ende Recht und Gesetz doch noch zum Zuge kommen. Natürlich geht dann schließlich auch noch das Glöckchen einer neuen Ladentür. Kulinarik siegt über Drogendealertum, Frankreichs Ordnung ist wiederhergestellt.

(RP)