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Berlinale: Pussy-Riot-Mitglieder sind die Stars beim Cinema of Peace

Berlinale : Pussy-Riot-Mitglieder sind die Stars beim Cinema of Peace

Die beiden im Dezember aus russischer Haft entlassenen Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot, Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa, wollen möglicherweise für das Moskauer Stadtparlament kandidieren. Das sagten sie am Rande eines Auftritts bei der Berlinale.

"Hierher gucken!" - "Lächeln!", rufen die Fotografen den beiden jungen Frauen zu, die mit ruhigem Blick in die Kameras schauen. Es sind Filmfestspiele in Berlin - doch dieses Blitzlichtgewitter tobt nicht um zwei Stars der Berlinale, sondern um die Pussy-Riot-Aktivistinnen Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa aus Russland.

Seit die beiden im Dezember aus der Lagerhaft freikamen, lösen sie ein Medienspektakel aus, wo immer sie hinkommen. Vergangene Woche traten sie bei einem Konzert von Amnesty International an der Seite von Madonna in New York auf, in Berlin zählen sie am Montag zu den Gästen der Gala "Cinema für Peace" und stellten sich in einem voll besetzten Pressesaal den Medien.

Alechina und Tolokonnikowa waren wegen ihrer Teilnahme an einem "Punk-Gebet" in einer russischen Kirche im Februar 2012 verhaftet und wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Damals machten sie in bunten Kleidern, die Gesichter mit Strumpfmasken verhüllt, ordentlich Krach, um gegen die Beziehungen zwischen Kirche und Politik in Russland zu protestieren. Im Dezember kamen die Frauen vorzeitig frei - dank einer von Russlands Präsident Wladimir Putin ausgesprochenen Amnestie, von der auch der Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski profitierte.

Seitdem haben Alechina und Tolokonnikowa die schrille Kleidung und die Masken abgelegt. Als prominente Gäste werden sie zu Menschenrechts-Veranstaltungen in aller Welt eingeladen. Dass sie die große Bühne nutzen, missfällt offenbar anderen Bandkolleginnen, die sich in Blogs und sozialen Netzwerken von den Auftritten distanziert haben.

Alechina und Tolokonnikowa dementieren Bruch mit Band

Einen Bruch mit den übrigen Bandmitgliedern gebe es jedoch nicht, sagt Tolokonnikowa. "Wir haben Pussy Riot nie verlassen." Zu den Frauen, die vor ihrer Festnahme Mitglieder waren, sowie zu anderen Unterstützern hätten sie weiterhin Kontakt. "Wer diejenigen sind, die in sozialen Netzwerken über einen Bruch der Gruppe berichten, weiß ich nicht", sagt Tolokonnikowa. Aber es könne schließlich jeder Mitglied von Pussy Riot sein. Dass damit auch Beliebigkeit einhergehen könnte, schwingt in der Äußerung mit.

Pussy-Riot-Doku bei Cinema for Peace nominiert

Tolokonnikowa und Alechina haben inzwischen ihre eigene Organisation "Zona Priva" gegründet, mit der sie sich für die Verbesserung der Haftbedingungen in russischen Gefängnissen einsetzen. Dazu besuchen sie Gefängnisse in anderen Ländern oder Gruppen, die Kultur in Haftanstalten bringen. In Russland sei "Zona Priva" allerdings nicht genehmigt worden, berichtet Tolokonnikowa. Unterstützer seien von der Polizei verhört worden.

Über ihre eigene Gefangenschaft berichten die Aktivistinnen kaum, ihre Äußerungen zum russischen Strafvollzug bleiben allgemein. "Das Schlimmste im Gefängnis ist das Gefühl, in einer Sackgasse zu sein", sagt Alechina. Den Gefangenen werde jegliche Möglichkeit des Handelns genommen, sie seien all ihrer Rechte beraubt und würden nicht angemessen medizinisch versorgt.

Dass sie freikamen, sehen Alechina und Tolokonnikowa als Image-Kampagne Putins. Die inhaftierten Demonstranten, die gegen den Wiedereinzug Putins in den Kreml im Mai 2012 protestiert hatten, seien diejenigen, "die die Wahrheit über das heutige Russland sagen", sagt Tolokonnikowa über die hunderten politischen Gefangenen im Land.

Pussy Riot denken über politische Zukunft nach

Von anonymen Aktionen über eine politische Organisation könnte der Protest der Aktivistinnen schließlich bis hin in die Politik führen, wie Tolokonnikowa sagt: Das Bürgermeisteramt in Moskau "wäre einen Versuch wert". Die Wahl dürfte vermutlich im September stattfinden, ein Datum wurde allerdings noch nicht festgelegt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Pussy-Riot besuchen Cinema for Peace Gala in Berlin

(AFP)