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Premiere der neuen James-Bond-Verfilmung auf November verschoben

Kino im Zeichen des Virus : Corona-Angst in Hollywood

Die Premiere des neuen James-Bond-Films wurde auf November verschoben, die Dreharbeiten zu „Mission: Impossible“ wurden unterbrochen: Die Filmbranche fürchtet einen Milliarden-Verlust. Auch Festivals und Messen sind gefährdet.

Die Crew befand sich bereits in Venedig, als das Filmstudio die Anweisung gab, man möge „asap“, also so rasch wie möglich, die Heimreise antreten. Amerikanische Medien berichten, das Team, das in Italien drei Wochen lang Teile der nächsten Lieferung von „Mission: Impossible“ drehen sollte, habe das Land daraufhin fluchtartig verlassen. Einzelne Kulissen seien einfach stehengeblieben. Der Grund waren die steigenden Zahlen von Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Die US-Action-Produktion ist nun unterbrochen, und ob der Film wie geplant im Juli nächsten Jahres in die Kino kommt, scheint unklar.

Hollywood macht das Coronavirus zu schaffen, weniger gesundheitlich zum Glück, aber wirtschaftlich. In dieser Woche wurde bekanntgegeben, dass der neue James Bond nicht wie geplant am 2. April startet, sondern erst am 12. November. In der offiziellen Verlautbarung ist keine Rede vom Virus, lediglich von der Bewertung der weltweiten Marktlage wird gesprochen. Und die sieht so aus: In China sind wegen Covid-19 alle 70.000 Kinos, in Italien, Frankreich, Hongkong und Südkorea einige Kinos geschlossen. Bond Nummer 25 hat ein Budget von 250 Millionen Dollar, der Film muss ein Blockbuster werden, doch das kann er nur, wenn er sein Publikum auch erreicht. Und das ist derzeit nicht möglich.

An der Produktion des letzten Abenteuers von Daniel Craig als James Bond nagte von Beginn an der Wurm. Zunächst zog sich Regisseur Danny Boyle zurück. Nachdem Cory Joji Fukunaga ihn ersetzt hatte, musste das Drehbuch von „Keine Zeit zu sterben“ umgeschrieben werden. Und jetzt wird der Film, dessen Werbemaschinerie längst angelaufen war und für den man bereits Karten kaufen konnte, um sieben Monate verschoben.

In Deutschland hat der Hauptverband Deutscher Filmtheater noch keinen Rückgang der Zuschauerzahlen beobachtet. „Umsatzeinbußen aufgrund des Corona-Virus sind uns aktuell nicht bekannt“, sagt Vorstandsmitglied Christine Berg. Es wurden auch keine Häuser geschlossen. „Wir beobachten die aktuelle Lage engmaschig. Sollten einzelne Kommunen aufgrund einer lokal unterschiedlich bewerteten Gefahrenlage zu intensivierten Auflagen greifen, empfehlen wir selbstverständlich, diese in den Kinos vor Ort umzusetzen.“ Für die Düsseldorfer Filmkunstkinos gilt Ähnliches: „Wir können keine signifikanten Auswirkungen feststellen“, sagt Eric Horst. Die Besucherzahlen seien zwar minimal schlechter, aber das könne auch am schlechten Wetter liegen.

James Bond gilt als Präzedenzfall für die Filmwelt. China ist als Markt zuletzt immer wichtiger geworden, er ist inzwischen nach den USA der zweitgrößte der Welt. Deshalb sei es nicht unwahrscheinlich, dass weitere große Produktionen verschoben werden, prognostiziert das Magazin „Business Insider“. Disneys „Mulan“ etwa: Die 200 Millionen Dollar teure Realverfilmung des Klassikers spielt zu großen Teilen in China, dort ist der Filmstart nun auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Am deutschen Termin, dem 27. März, halte man aber fest, bestätigt der Verleih. Eine weitere Megaproduktion für ein globales Publikum ist Marvels „Black Widow“ (30. April), für die eine Verschiebung einen Rattenschwanz an Terminänderungen nach sich ziehen würde, weil die Comic-Verfilmungen aufeinander aufbauen und die nächste Lieferung, „Eternals“ bereits für November geplant ist. Außerdem ist da die neunte Folge von „Fast And Furious“ (21. Mai). Diese Kino-Reihe ist in China besonders erfolgreich, 358 Millionen Dollar spielte der Vorgängerfilm dort ein, das ist die Hälfte des Ergebnisses, das außerhalb der USA erreicht wurde. Bei beiden Filmen wird am europäischen Startdatum bislang nicht gerüttelt.

Selbst wenn die Zahl der Neu-Infektionen nicht mehr stiege, hätte das Virus bereits Auswirkungen auf das Filmgeschäft. Zeitpläne müssen überarbeitet werden. Das Aussetzen von Dreharbeiten, die oft Jahre im Voraus geplant wurden und für hunderte Mitarbeiter auf die Minute genau durchgetaktet sind, kostet bis zu eine Million Dollar pro Tag. „Business Insider“ geht von einem Milliardenverlust für die Branche aus, der „Hollywood Reporter“ hält gar bis zu fünf Milliarden Verlust allein im ersten Quartal für möglich. Filmemacher fürchten nun, dass es schwierig werden könnte, an die Finanzierung für künftige Projekte zu kommen.

Apple und Netflix haben nun mit Hinweis auf Corona ihre Teilnahme an der wichtigen Messe „South By Southwest“, die am 13. März in Texas beginnen soll, abgesagt. Apple hatte drei neue TV-Projekte präsentieren wollen, Netflix hatte fünf Vorführungen geplant. Auch Amazon nimmt nicht mehr teil, am Freitag sagte zudem WarnerMedia ab, meldete die „Washington Post“.

Die nächsten großen Filmfestspiele in Europa sind die in Cannes. Sie sollen am 23. Mai beginnen. Die Vorbereitungen laufen, heißt es von dort. Und: Man beobachte die weitere Entwicklung.