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Porträt: Zum 80. Geburtstag von Regisseur Stephen Frears ("The Queen")

Stephen Frears wird 80 : Der britischste Regisseur in Hollywood

Mit „Gefährliche Liebschaften“ und „The Queen“ gelangen ihm Welterfolge. Und manchmal haute er ganz schön daneben. Nun feiert der große Filmemacher Stephen Frears Geburtstag.

Stephen Frears wird 80 Jahre alt, und das ist eine schöne Gelegenheit, noch einmal eine Hymne auf das Werk des britischen Regisseurs zu singen. „Gefährliche Liebschaften“ zum Beispiel, 1988 war das, diese irre Szene mit Glenn Close und John Malkovich: „Ich wusste immer, dass ich geboren wurde, um ihr Geschlecht zu beherrschen und mein eigenes zu rächen“, sagt sie zu ihn. Darauf er: „Darf ich Ihnen vielleicht meine Hilfe anbieten?“

Aber natürlich ist Glenn Close in diesem Film nicht so eisenhart, wie sie tut, und auch Malkovich ist nicht der, für den er sich ausgibt. Und genau darum geht es in den Filmen von Stephen Frears: Er begnügt sich nie mit dem Augenschein. Man denke an „The Queen“, worin er Elizabeth II. in eine Frau mit schlagendem Herzen zurückverwandelt. Helen Mirren bekam den Oscar dafür.

Frears studierte in Cambridge, er bewegte sich im Londoner Kulturadel und war verheiratet mit Mary-Kay Wilmers, der legendären Herausgeberin der „London Review Of Books“. Berühmt wurde er mit „Mein wunderbarer Waschsalon“ Mitte der 1980er-Jahre: eine schwule Liebesgeschichte in einem England, das unter der Wirtschaftspolitik Thatchers ächzte. „New British Cinema“ hieß das Label, Daniel Day-Lewis erlebte darin seinen Durchbruch, und Frears legte den tollen Film „Sammy und Rosie tun es“ nach.

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Bald ging er nach Hollywood, wo er jedoch immer ein ausgesprochen europäischer Künstler blieb. Er produzierte Sozialdramen und Beziehungsporträts unter anderem mit Dustin Hoffmann und Julia Roberts und ließ regelmäßig Komödien wie „High Fidelity“ und „Immer Drama um Tamara“ folgen, weil er meinte, dass man dem Elend mit einem Lachen begegnen muss. Er erzählte die Geschichten historischer Persönlichkeiten, die von Muhammad Ali ebenso wie die von Lance Armstrong. Und wer wissen möchte, wie man Indigniertheit, Liebe, physischen Schmerz und Contenance in einem einzigen Gesichtsausdruck vereint, sollte auf den Mund von Hugh Grant in jenen Szenen von „Florence Foster Jenkins“ achten, in denen Meryl Streep zu singen beginnt.

Frears eroberte das Kino als Ort für eine ältere Generation zurück, indem er mit Judi Dench und Helen Mirren etwa in „Philomena“ und „Victoria und Abdul“ Episoden aus späten Biografien erzählte. Zuletzt drehte Frears immer wieder mal Fernsehserien, „A Very English Scandal“ mit Hugh Grant und Ben Whishaw etwa oder „State Of the Union“, das heitere Ehekrisen-Kammerspiel mit Rosamund Pike und Chris O’Dowd. Er hat so viel produziert, dass in seiner Filmografie auch einiger Kram zusammenkommt, und er weiß das natürlich: „Man macht Fehler“, sagte er mit Blick auf manche Arbeiten vor allem der 1990er Jahre.

Aber zeichnet nicht genau das einen interessanten Regisseur aus? Dass er auch mal danebenhaut. Dass er probiert und scheitert und neu probiert. Das er sich nicht festlegt, sondern tut, was die Gegenwart gebietet. Jedenfalls: Wenn ein grausamer Mensch von einem verlangen würde, das restliche Leben lang nur noch Filme eines Regisseurs zu schauen, wäre Stephen Frears jemand, über den man nachdenken sollte.

Herzlichen Glückwunsch.