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Philip Seymour Hoffman: "Menschen sind nicht normal"

Philip Seymour Hoffman : In Nebenrollen spielte er alle an die Wand

Ein schwarzer Tag für Hollywood: Philip Seymour Hoffman ist überraschend gestorben. Der US-Amerikaner erlangte zwar nie den Ruhm von Superstars wie Johnny Depp oder George Clooney, dennoch gehörte er zum Besten, was die Traumfabrik zu bieten hatte. Seine größten Momente hatte er in den Rollen von Getriebenen.

Mit Fistelstimme und markanter Hornbrille ging er in die Annalen der Filmgeschichte ein. Philip Seymour Hoffmans Darstellung des Star-Autors Truman Capote war dezent, gleichzeitig exzentrisch, dennoch glaubwürdig und schlicht grandios. Das Independentwerk von Bennett Miller wurde dank dem bis dato recht unscheinbaren US-Amerikaner zu einem Oscarerfolg.

Für viele Kinogänger sicher überraschend war Hoffman noch im selben Jahr in diversen recht anspruchslosen Produktionen zu sehen. In der seichten Komödie "…und dann kam Polly" übernahmen die Hauptrollen Jennifer Aniston und Ben Stiller - dessen unzurechnungsfähiger, dümmlicher Buddy wurde von Hoffman dargestellt.

Er überragte in seiner Kunst die Stars

Kurze Zeit später maß sich Tom Cruise im dritten Teil der "Mission Impossible"-Reihe mit dem mittlerweile mit einem Academy Award ausgezeichneten Kollegen. Kaum zu glauben, dass dieser pummlige Antagonist die Stars in dem Blockbuster reihenweise an die Wand spielte.

Stereotype Figuren waren Hoffman fremd, aber eines zog sich durch die gesamte Karriere des New Yorkers: Er schien auf Nebenrollen programmiert zu sein, oftmals spielte er die Gebrochenen, die Getriebenen, die Psychopathen. Casts wurden häufig von den Brad Pitts, George Clooneys oder Jim Carreys dieser Welt angeführt — Hoffman sorgte derweil für Qualität abseits des Rampenlichts. "Unterwegs nach Cold Mountain", "25 Stunden", "Der talentierte Mr. Ripley" oder "The Big Lebowski": Die Liste der Werke ist lang.

Er kämpft gegen seine Dämonen

Dass er die Seelen der Gequälten so überzeugend darstellen konnte, mag auch auf seine eigene Zerissenheit zurückzuführen sein. Dass er über Jahre mit Drogen zu kämpfen hatte, hat Seymour Hoffmann nie verheimlicht. Mit Anfang 20 war er süchtig nach Alkohol und harten Drogen. Ein Panikattacke habe ihn davon geheilt, wie er einmal in einem Interview erzählte.

23 Jahre lang blieb er sauber, erzählte der Schauspieler kürzlich. Doch irgendetwas trieb ihn zurück in die Sucht. Vor rund einem Jahr begab er sich in eine Entzugsklinik. Vergeblich, wie es nun aussieht. Ermittlern zufolge wurde er in seiner New Yorker Wohnung mit einer Injektionsnadel im Arm tot aufgefunden. Eine Überdosis, heißt es.

Kein Ruhm, viel Anerkennung

Der Sohn eines Akademiker-Paares verzichtete bewusst auf Ruhm. Er spielte in zahlreichen Theaterstücken mit, und auch nach "Capote" wählte er seine Rollen nicht nach Größe, sondern nach Qualität aus. Einfache Figuren waren ihm fremd. "Menschen sind nicht normal. Keiner ist es. Also kann ich auch keine normalen Menschen spielen", sagte er vor einigen Jahren in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau".

So wirkte er nach seinem Oscargewinn als Nebendarsteller in "Die Kunst zu gewinnen — Moneyball" oder "The Ides of March" mit. Mit viel Leinwandpräsenz punktete er hingegen bei Filmen wie "Glaubensfrage" oder auch "The Master" von Paul Thomas Anderson. Eine innige Freundschaft pflegte Hoffman mit dem Regisseur - und in seinen Filmen gelang ihm der Aufstieg.

Mehrfach nominiert für den Oscar

In allen Produktionen von Anderson, mit Ausnahme von "There Will Be Blood", wirkte Hoffman mit. Dank Anderson fasste er 1996 erstmals Fuß in der Traumfabrik ("Hard Eight"), nur ein Jahr später war er in Hollywood angekommen. In "Boogie Nights" spielte er den nervösen, latent homosexuellen Scott J., der Pornostar Eddie Adams (Mark Wahlberg) anhimmelt.

Weitere Rollen in Andersons "Magnolia" und "Punch Drunk Love" folgten, gipfelnd in dem Drama "The Master" - im Grunde genommen einem Kammerspiel, das von den überragenden Darstellungen der beiden Hauptdarsteller lebt. Die Besetzung von Hoffman sei reine Formsache gewesen, erklärte Anderson in einem Interview mit dem "Time Out"-Magazin. Der US-Amerikaner war somit spätestens im Jahr 2012 im Schauspiel-Olymp angekommen.

Für diese Rolle wurde Hoffman ebenso für den Oscar nominiert wie auch für "Glaubensfrage" und "Charlie Wilsons Krieg" . Jedes Mal stand er als "Bester Nebendarsteller" auf der Liste, jedes Mal hoffte er vergebens auf eine der begehrten Trophäen. Es ist nur gerecht, dass er bei seinem Oscartriumph für "Capote" als "Bester Hauptdarsteller" ausgezeichnet wurde.

Fast acht Jahre nach dem Erfolg ist Philip Seymour Hoffman im Alter von 46 Jahren überraschend gestorben. Er hinterlässt drei Kinder.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Karriere des Philip Seymour Hoffman

(cfk)