Oscars 2018: Hollywood feiert die Vielfalt der USA

Oscars 2018: Hollywood feiert die Vielfalt der USA

Ein Mexikaner ist größter Favorit, eine Frau könnte den Regie-Preis gewinnen. Die Oscar-Nacht am Sonntag wird besonders. Auch, weil wieder starke Frauen ihre Stimme erheben werden.

Sie ist so einsam, die junge Putzkraft Elisa, die nur mit den Händen sprechen kann und sich abgefunden hat mit dem Leben als Beobachterin der anderen. In seinem schwermütigen Märchen "Shape of Water" erzählt Guillermo del Toro, wie diese Frau zur Gefährtin eines fremden Wasserwesens wird. Und wie die beiden Außenseiter in einer widrigen Welt Menschlichkeit bewahren.

Damit hat der aus Mexiko stammende Filmemacher dem Kino etwas zurückgegeben, das in der Blockbuster-Maschinerie verloren zu gehen schien: seelenvolles Erzählen. Und so geht "Shape of Water" mit 13 Nominierungen am Sonntag als großer Favorit ins Oscar-Rennen.

Bereits 2014 und 2016 hatten mexikanische Filmemacher die höchste Auszeichnung der Filmbranche in der Kategorie Regie gewonnen. Als Einwanderer, die gerade in den USA unter Trump wenig Wertschätzung erfahren, teilen sie die Erfahrung des Außenseiterdaseins. Wozu der Mensch fähig ist, setzen sie schonungslos in Szene, beschwören aber ebenso intensiv, welche Kräfte die Machtlosen entwickeln können. Hollywood ist mit dieser Generation tatsächlich wieder zur Traumfabrik geworden, ganz ohne Eskapismus. Mit jedem Oscar für Del Toro würde die liberale Filmszene der USA ein goldenes Zeichen gegen die Ausgrenzungs-Strategien ihres Präsidenten setzen.

Selbstvergewisserung des liberalen Amerika

Nachdem schon die Golden-Globe-Verleihung im Zeichen von Me-Too eine höchst politische Veranstaltung gewesen ist, dürfte auch die Oscar-Nacht der Selbstvergewisserung des liberalen Amerika dienen. Veteraninnen sind dabei wie Meryl Streep, die zum 21. Mal nominiert ist. Diesmal für ihre Rolle als Herausgeberin im Journalistendrama "Die Verlegerin". Aber auch die nächste Generation von Filmkünstlerinnen ist vertreten: Greta Gerwig könnte für ihre Mutter-Tochter-Geschichte "Lady Bird" als zweite Frau überhaupt den Regie-Oscar bekommen. Außerdem ist mit Rachel Morrison erstmals eine Frau für die beste Kamera nominiert und Dee Rees als erste schwarze Frau in der Kategorie "Adaptiertes Drehbuch".

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2016 hatte sich die Oscar-Academy noch mit dem Vorwurf auseinandersetzen müssen, sie favorisiere weiße Künstler. Daraufhin wurden zahlreiche neue Mitglieder in das internationale Gremium berufen, darunter Künstler unterschiedlicher Ethnien und zahlreiche Frauen. So wollten die Oscar-Veranstalter mehr Vielfalt garantieren, und das scheint auch zu funktionieren. Auf einmal kommen Filmemacher zum Zug wie Jordan Peele. Der 39-jährige Afroamerikaner ist gleich in drei Sparten nominiert - und das für sein Regiedebüt, den Gruselfilm "Get Out".

Auch in den Genres, die für den besten Film nominiert sind, zeichnet sich mehr Vielfalt ab. Das Feld reicht vom Kriegsfilm "Dunkirk" über das Churchill-Biopic "Die dunkelste Stunde", das rebellische Sozialdrama "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" bis zur schwulen Liebesgeschichte "Call Me by Your Name" oder dem eleganten psychologischen Drama "Der seidene Faden", in dem Daniel Day-Lewis seinen letzten großen Auftritt hat.

Er gehörte zu den Favoriten bei den besten Hauptdarstellern an der Seite von Gary Oldman, Denzel Washington, Timothée Chalamet, Daniel Kaluuya. Bei den Frauen konkurrieren Sally Hawkins, Frances McDormand, Margot Robbie, Saoirse Ronan und Meryl Streep.

Trotz der gewaltigen Panne durch einen vertauschten Umschlag bei der vergangenen Oscar-Nacht wird erneut Jimmy Kimmel durch den Abend führen. Diesmal passen drei Mitarbeiter hinter der Bühne auf, dass die korrekten Namen verlesen werden. Ob es auch die richtigen Preisträger sein werden, entscheidet jeder Filmfan für sich.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sind die Oscar-Nominierungen 2018

(dok)