Oscarnominierter Regisseur „Mein Name kam kaum vor“ – İlker Çatak kritisiert deutsche Medien

München · Der deutsche Regisseur İlker Çatak ist für seinen Film „Das Lehrerzimmer“ für den Oscar in der Kategorie bester internationaler Film nominiert. Wenige Wochen vor der Preisverleihung hat er Kritik an der Berichterstattung geübt.

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İlker Çatak (40), Regisseur des oscarnominierten Films „Das Lehrerzimmer“, ist wütend auf die Berichterstattung in den Medien. „In sehr vielen Überschriften stand: Sandra Hüller und Wim Wenders sind für den Oscar nominiert“, sagte Çatak der „Süddeutschen Zeitung“. „Mein Name kam kaum vor, wenn dann der Titel meines Films: Hüller, Wenders, ‚Das Lehrerzimmer’.“

Angesichts dieses Befundes dränge sich ihm der Eindruck auf, „dass man anscheinend einen deutschen Namen braucht, um in der Berichterstattung erwähnt zu werden“, so der gebürtige Berliner. „Und wenn ich dann doch noch irgendwo in einem Nebensatz erwähnt wurde, dann meistens auch noch falsch geschrieben.“

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Foto: dpa/Melinda Sue Gordon

Der Regisseur warb für mehr Sorgfalt und Sensibilität in der Berichterstattung: „Wenn Ihr Name Möller ist, wollen Sie auch nicht Müller genannt werden. Wir müssen uns alle nur ein klein wenig mehr anstrengen. Da fällt niemandem ein Zacken aus der Krone, aber es macht einen gewaltigen Unterschied.“

Das gelte insbesondere für Menschen mit Migrationsgeschichte, denen es in den etablierten Medien immer noch an Vorbildern fehle. „Mein Großvater war Bauer, der erst in Deutschland lesen und schreiben gelernt hat, und jetzt ist sein Enkel für Deutschland für einen Oscar nominiert. Das wäre neben dem ganzen ‚Ausländer raus‘-Geplärr der AfD doch mal ein tolles Beispiel für gelungene Integration gewesen“, sagte Çatak. „Ich weiß noch, wie wichtig es für mich war, statt all der deutschen Namen ‚Fatih Akin’ in einem Abspann zu sehen.“

Er selbst habe immer wieder Benachteiligungen erlebt und zugleich „die vielen kleinen Demütigungen“ viel zu lange weggelächelt, so der Filmemacher. Beispielhaft verwies Çatak auf eine Episode aus der eigenen Branche. „Als wir letztes Jahr beim Deutschen Filmpreis mit ‚Das Lehrerzimmer’ abgeräumt haben, hat sich die Laudatorin Iris Berben auf der Bühne bei meinem Namen versprochen. Gut, kann passieren, muss man nicht überdramatisieren – aber es geht auch anders.“ Nach der Oscar-Nominierung habe er von der amerikanischen Filmakademie eine Mail bekommen, in der die Verantwortlichen ihn baten, eine Audiodatei mit der richtigen Aussprache seines Namens zu schicken. „Diese Feinfühligkeit würde ich mir für unser Land auch wünschen.“

Das Drama „Das Klassenzimmer“ handelt von einem Konflikt an einer Schule, der aus dem Ruder läuft. Im Zentrum steht eine junge Lehrerin (Leonie Benesch), die eine Diebstahlserie an ihrer Schule aufklären will.

(mba/kna/dpa)
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