Hollywood: Deutsche Oscar-Kandidaten 2019 zittern auf Partys

Kältewelle in Hollywood : Deutsche Oscar-Kandidaten zittern auf Partys

Bei ungewöhnlich kaltem Wetter läuft in Hollywood der Countdown zu den Oscars. Auch die deutschen Anwärter sind auf Partys unterwegs. Insbesondere den Empfang im Hauptquartier der Academy of Motion Picture Arts and Sciences lässt man sich nicht entgehen.

Mit einem dicken Schal um den Hals steht Sebastian Koch (56) im Blitzlichtgewitter. Auf dem Flug zu den Oscars erkältet, sagt er mit einem Augenzwinkern und rauer Stimme. Zudem zittert Hollywood unter ungewöhnlich kaltem Wetter. Doch den Empfang der nominierten Teams für den Auslands-Oscar in der Nacht zum Freitag im Hauptquartier der Academy of Motion Picture Arts and Sciences lässt man sich nicht entgehen. Das ist eines der Highlights der vielen Events und Partys vor der Oscar-Gala am Sonntag.

Vor Mitgliedern des Filmverbands und geladenen Gästen, von zwei riesigen Oscar-Statuen flankiert, stellen die fünf für ihre Länder nominierten Regisseure ihre Werke vor: Florian Henckel von Donnersmarck (45) sein Künstlerporträt „Werk ohne Autor“, er sitzt gleich neben „Roma“-Regisseur Alfonso Cuarón. Das in Schwarz-Weiß gedrehte Netflix-Drama des Mexikaners ist für insgesamt zehn Oscars nominiert und zieht zahlenmäßig als Favorit ins Rennen um Hollywoods höchste Filmpreise.

Auch Donnersmarck hält „Roma“ in der Sparte „nicht-englischsprachiger“ Film für den klaren Favoriten. Er könne ganz entspannt zu der Preisverleihung gehen, witzelte der gebürtige Kölner am Rande des Empfangs. „Ich sehe das am Sonntag als eine schöne Feier, wo das, was ich liebe, nämlich das Kino, im Mittelpunkt steht.“

Koch, der in „Werk ohne Autor“ einen SS-Arzt spielt, hatte vor zwölf Jahren die Hauptrolle in Donnersmarcks Debütfilm „Das Leben der Anderen“. Das Stasi-Drama triumphierte bei den Oscars und katapultierte das Team ins Rampenlicht. „Wahnsinnig aufgeregt“ sei er damals gewesen, die großen Stars zu treffen, sagt Koch. Inzwischen habe er mit einigen gedreht, der zweite Oscar-Auftritt seit nun viel entspannter.

Verstärkung für die Gala am Sonntag ist im Anflug. Tom Schilling, der die Hauptrolle eines Künstlers im Nachkriegsdeutschland spielt, ebenso Saskia Rosendahl und Oliver Masucci. Nur Hauptdarstellerin Paula Beer muss wegen Dreharbeiten in Deutschland bleiben.

Das Münchner Produzenten-Duo Quirin Berg und Max Wiedemann steckt schon mitten im Oscar-Trubel. „Das ist die schönste Form der Arbeit die man haben kann. Es gibt keinen Filmemacher, der nicht davon träumt, diese Oscar-Zeit miterleben zu dürfen. Da muss man trotz des vollen Terminkalenders und der vielen Verpflichtungen auch versuchen, diese Zeit zu genießen“, sagt Wiedemann. In diesem Jahr sei die Konkurrenz allerdings besonders stark. Netflix hat sich mit einer riesigen Werbekampagne für „Roma“ stark gemacht. „Und dagegen anzutreten - da ist man per se in einer David-gegen-Goliath-Situation.“

Als junge Produzenten waren sie 2007 schon bei „Das Leben der Anderen“ an Bord. „Wir hatten damals das sehr verrückt-optimistische Gefühl, dass wir auch gewinnen werden, wenn wir nominiert sind. Heute analysiert man mehr und weiß natürlich auch um die enorm starke Konkurrenz und die sehr andere Situation des Markts und der Academy. Aber so oder so - wir finden, der Film hätte es verdient, zu gewinnen“, sagt Berg über „Werk ohne Autor“.

Für Donnersmarck wird der Oscar-Sonntag zum Familienausflug. Neben Ehefrau Christiane, die den Film auch mit produzierte, darf die 15-jährige Tochter Lara Cosima mit. Auf die letzte Minute hätte die Akademie noch zwei Extra-Karten für Kinder bewilligt, erzählt der dreifache Vater. Eine davon geht nun an die Schauspielerin Saskia Rosendahl. „Ich habe sozusagen eine Zwangsadoption vorgenommen“, scherzt Donnersmarck.

Auch der US-Kameramann Caleb Deschanel (74, „Der Stoff, aus dem die Helden sind“) wurde für seine Arbeit an „Werk ohne Autor“ nominiert. Er werde von seinen beiden Töchtern, den Schauspielerinnen Zooey und Emily Deschanel begleitet, erzählt Deschanel der dpa.

Der aus Syrien stammende und in Berlin lebende Regisseur Talal Derki fiebert mit seinen Berliner Produzenten ebenfalls der Oscar-Gala entgegen. Für seine Dokumentation „Of Fathers And Sons - Die Kinder des Kalifats“ war er über einen Zeitraum von zwei Jahren der Familie eines islamistischen Kämpfers während des syrischen Bürgerkriegs gefolgt. Nach Jahren harter und auch gefährlicher Arbeit würden sie nun in Los Angeles feiern, begeisterte sich Derki wenige Tage vor der Oscar-Verleihung. „Wir haben schon gewonnen, als Nominierte überhaupt hier zu sein. Mal sehen, ob wir am Sonntag Riesenglück haben“.

(felt/dpa)