Olive Wilde gibt Regie-Debüt in "Booksmart"

Olivia Wilde führt Regie : Die Schülerin an sich ist gut

Originelles Debüt: Zwei Streberinnen feiern vor der Uni eine letzte wilde Partynacht.

(dpa) Die Regeln für High-School-Filme sind klar. Es muss feste Rollen geben: die fiese Schöne, der gutherzigen Rebell und vor allem die schüchterne weibliche Hauptfigur, die im Laufe von 90 Minuten lernt, was wirklich in ihr steckt – ein toller Charakter und meistens noch perfektes Äußeres. Garniert wird das Ganze dann mit einer Schwärmerei, die sich an den oder die Falsche/n wendet. Auch zu Beginn von „Booksmart“ sieht es so aus, als würde hier diese gut etablierte Formel losschnurren, doch Olivia Wilde legt in ihr Debüt als Regisseurin so viel Herz, dass aus dem Stand ein neuer Klassiker des Genres gelingt.

Im Zentrum steht Molly (Beanie Feldstein, bekannt als beste Freundin von Saoirse Ronans „Lady Bird“), eine witzige und kluge Streberin, die stolz darauf ist, dank harter Arbeit einen Studienplatz an der US-Eliteuni Yale ergattert zu haben. Sie steht über dem Alltagsdrama all der Sportler und Schulhofschönheiten, über den Nerds und verschrobenen Typen aus der Theater-AG. Um allzu krassen Wettbewerb zu verhindern, hat ihre Schule die Losung ausgegeben, dass nicht über künftige Studienplätze oder andere Pläne nach der High School gesprochen werden soll. Als Molly aber genau das ignoriert, merkt sie, dass auch die coolen Kids hervorragende Studienplätze bekommen haben oder sogar direkt als Programmierer bei Google einsteigen. Molly ist irritiert und beschließt, mit ihrer besten Freundin Amy (Kaitlyn Dever) vier Jahre Lernen und Langeweile durch eine letzte Partynacht vor der großen Zeugnisvergabe wiedergutzumachen.

Diese Handlung ist natürlich altbekannt, aber durch kluge Charakterzeichnung, ungewöhnliche Details in der Geschichte und eine extrem frische Bildsprache fühlt sich „Booksmart“ trotzdem modern an. Da sind zum einen die Figuren, denen das Drehbuch mehr als nur den einen handelsüblichen Charakterzug zugesteht. Und besonders die realistisch eingelebte Freundschaft der beiden Hauptfiguren bekommt so viel Raum, dass man sich fragt, warum es statt der immergleichen Traumjunge-und-Nerd-Jungs-Kombi eigentlich nicht viel mehr Jugendfilme mit Frauen im Mittelpunkt gibt.

Olivia Wilde und ihre Drehbuchschreiber glauben daran, dass die durch das Heranwachsen verwirrten und überbordend nervigen Schüler im Grunde ihres Herzens gute Menschen sind – das ist die schönste Idee dieses Films.

Booksmart, USA 2019 Regie: Olivia Wilde, mit Kaitlyn Dever, Beanie Feldstein, Jessica Williams, Will Forte, Lisa Kudrow, 102 Min.

(dpa)
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