"Nur Gott kann mich richten": Neuer Film vom Moritz Bleibtreu

"Nur Gott kann mich richten" : Düsterer Blick in die Frankfurter Milieus

Wie es in den Milieus von Frankfurt zugeht - im Zwielicht von Striplokalen, Spielhallen und Boxclubs -, wissen wohl nur Insider. Bleibtreus neuer Film "Nur Gott kann mich richten" zeigt ein realistisch anmutendes Bild von der Untergrund-Szene. Selten war die Metropole mit ihren glitzernden Vorzeige-Hochhäusern so düster und gewalttätig.

Regisseur und Drehbuchautor Özgür Yildirim erzählt den Alltag des Milieus. Auffällig dabei: Die Gangster streben nach einem bürgerlichen Leben. Neben aller Brutalität spielen Werte wie Familie und Freundschaft eine große Rolle, es geht um das Ehrenwort und den Schwur. "Blut ist dicker als Wasser", sagt einer. Das wäre wohl auch ein guter Titel gewesen.

All die Action passiert in der Sprache der Straße. "Bruder, wallah, ich schwöre dir, wenn meine Eier so viel wert wären, ich würde sie jetzt abschneiden und dir geben", sagt zum Beispiel Shisha-Bar-Besitzer Latif (Kida Khodr Ramadan). Bleibtreu meint, der Film untertreibe in der Sprache noch. "In der Realität wird noch viel mehr gewallaht und gebrudert als in unserem Film."

"Nur Gott kann mich richten" packt von der ersten Minute an und lässt nicht nach. Die Bilder von den bösen Jungs sind voller Farben und Kontraste, der Rap von Xatar und SSIO lässt den Film pulsieren. Die Kamera hält auch dann noch drauf, wenn die Faust das Gesicht trifft und die Kugel in den Körper einschlägt. Bleibtreu schreit und weint und flucht und liebt in diesem Film, er zeigt sein ganzes Können. Manchmal allerdings scheinen Figuren und Drehorte zu sehr in Stereotype abzurutschen. Da wird noch ein Schlagring herausgeholt, und im Bahnhofsviertel stehen nur Prostituierte und Drogenabhängige auf den Straßen. Weil aber gerade das so eine Faszination ausübt, schaut man dennoch 100 Minuten gebannt auf die Leinwand.

Nur Gott kann mich richten, Deutschland 2018, von Özgür Yildirim, mit Moritz Bleibtreu, Birgit Minichmayr, Kida Khodr Ramadan, 100 Minuten

(dpa)
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