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Vor dem 60. Jahrestag des Kriegsendes: NS-Dokumentationen wecken reges Interesse

Vor dem 60. Jahrestag des Kriegsendes : NS-Dokumentationen wecken reges Interesse

Berlin (rpo). Die schrecklichen Ereignisse der Nazi-Zeit und ihre langfristigen Nachwirkungen wecken reges Interesse bei den Kinobesuchern. Kurz vor dem 60. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai verzeichnen aktuelle deutsche Filmen wie "Der Untergang", "Sophie Scholl" und "Napola" eine beachtliche Publikumsresonanz.

Dies straft all diejenigen Lügen, die behaupten, die Verbrechen der Nationalsozialisten seien in Schrift und Bild schon so oft behandelt worden, dass sich dafür kaum noch jemand interessiere. 4,6 Millionen Besucher für Bernd Eichingers Filmchronik "Der Untergang" über die letzten Tage Adolf Hitlers im Führerbunker, 460.000 Besucher für die Widerstandstragödie "Sophie Scholl - Die letzten Tage" mit dem brillanten Shooting-Star Julia Jentsch und 420.000 Besucher für das NS-Internatsdrama "Napola" sprechen da eine andere Sprache.

Bis zum 9. Mai folgen ihnen drei deutsche Dokumentarfilme sowie eine niederländische Dokumentation, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der dunkelsten Ära der deutschen Geschichte auseinandersetzen. Darüber hinaus kommt am 12. Mai "Hitler - eine Karriere", die 1977 erstmals gezeigte Verfilmung der erfolgreichen Hitler-Biografie von Joachim C. Fest, erneut auf die Leinwände.

"Der Preis des Überlebens" heißt das Filmporträt des niederländischen Dokumentaristen Louis van Gasteren, das am Donnerstag in den hiesigen Kinos anläuft. Er beschreibt eindringlich die traumatischen Folgen der KZ-Lagerhaft eines niederländischen Häftlings für ihn selbst, seine Frau und die drei Kinder. Van Gasteren zeigt unter anderem, dass die ständige Präsenz der fürchterlichen Erinnerungen des Vaters den ältesten Sohn und die Tochter so belastet haben, dass sie den Kontakt zur Familie abbrachen.

  • Fotos : "Der Untergang"
  • Fotos : Sophie Scholl - Die letzten Tage
  • Auf so ein Ding setzte sie
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Ein anderes, allerdings recht subjektives Familienporträt stieß bereits im Panorama-Programm der jüngsten Berlinale auf viel Beachtung. In dem mutigen Filmessay "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß" (ab 7. April) erkundet der Berliner Regisseur Malte Ludin als erwachsenes "Täterkind" Leben und Taten seines Vaters, eines verurteilten Kriegsverbrechers. Der Vater, Hanns Elard Ludin, war ein hochrangiger SA-Kommandeur, den Adolf Hitler 1941 als "Bevollmächtigten Minister des Großdeutschen Reiches" in den Vasallenstaat Slowakei schickte. Nach Kriegsende wurde er von den Amerikanern an die Tschechoslowakei ausgeliefert, zum Tode verurteilt und 1947 hingerichtet.

Nach jahrelangem Schweigen erforscht sein jüngster Sohn in Archiven und auf Recherchereisen die Lebensgeschichte des Vaters und setzt sich in teils schmerzhaften Gesprächen mit Familienangehörigen aus drei Generationen mit der Vergangenheit auseinander.

Eine Woche später startet in den Kinos der kontrovers diskutierte Dokumentarfilm "Das Goebbels-Experiment" über den Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels. Der Filmemacher und Publizist Lutz Hachmeister verzichtet auf erläuternde Off-Kommentare und lässt den obersten Propagandisten des so genannten Dritten Reiches quasi selbst zu Wort kommen: Der Schauspieler Udo Samel liest Passagen aus den Tagebüchern vor, die Goebbels von 1924 bis 1945 führte. Bebildert werden die Originaltexte mit Filmdokumenten aus der NS-Zeit.

Wie die Nazi-Ideologen ihr Gedankengut im Medium Film unterbrachten, untersucht der ambitionierte Lehrfilm "Ewige Schönheit - Film und Todessehnsucht im Dritten Reich" (ebenfalls ab 14. April). Anhand von Filmausschnitten von 1919 bis 1945 analysiert Marcel Schwierin die Bildsprache und Bildkonstruktionen von 69 NS-Spiel- und Dokumentarfilmen. Schwierin folgt in seiner kenntnisreichen Kompilation der Chronologie des Originalmaterials und analysiert in zwölf Kapiteln vor allem, wie die Nazis mit Bildern von kraftstrotzenden Helden und anmutigen Frauen, mit der Verherrlichung von Größe, Reinheit und Volksgemeinschaft in ihren Filmen eine irreführende mediale Schweinwelt inszenierten.

(afp)