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Michael Douglas feiert 70. - Das getriebene Genie

Schauspieler feiert 70. Geburtstag : Michael Douglas — das getriebene Genie

Er wurde ein Weltstar, obwohl sein Vater Kirk Douglas heißt, und er bezwang den Krebs. Michael Douglas zeigte auch in seinen stärksten Rollen, dass Kampf ein Mittel gegen Verzweiflung ist. Nun wird er 70 Jahre alt.

Er war einer der Größten im Filmgeschäft, und er wusste trotzdem nicht weiter. Jahrelang hatte Kirk Douglas versucht, den Roman "Einer flog über das Kuckucksnest" auf die Leinwand zu bringen, doch er bekam das nötige Geld nicht zusammen. Schließlich erzählte er seinem Sohn Michael von dem Projekt. Und der sagte: "Lass es mich mal versuchen."

Michael Douglas war Mitte 20, als er die scheinbar unmögliche Mission übernahm. Er feierte erste Erfolge als Schauspieler in der TV-Serie "Die Straßen von San Francisco", doch er war immer noch in erster Linie der "Sohn von". Auf einmal sah er die Chance, seinem Vater, der Welt und vor allem sich selbst zu beweisen, dass er etwas erschaffen kann, aus sich selbst heraus, mit Fleiß, Ausdauer und Talent. Er brauchte sechs Jahre, um die Finanzierung zu sichern, und er übernahm die Rolle des Produzenten.

Als es an die Besetzung ging, musste er die wohl größte Hürde überwinden. Er erklärte seinem Vater, der die Hauptrolle spielen wollte, dass dieser zu alt sei. Kirk Douglas, einer der größten männlichen Stars der 50er und 60er Jahre, der vor allem in seiner Rolle als "Spartacus" berühmt geworden war, war sauer, aber er nahm es hin. Sohn Michael entschied sich für Jack Nicholson, und "Einer flog über das Kuckucksnest" wurde 1975 ein Welterfolg. Erst als zweiter Film überhaupt gewann er bei der Oscar-Verleihung in den Königs-Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Hauptdarsteller und Beste Hauptdarstellerin, den "Big Five". Als Produzent erhielt auch Douglas den wichtigsten Filmpreis. Er war 32 Jahre alt.

Späte Befreiung

Es war ein erster großer Schritt, um als eigenständiger Künstler wahrgenommen zu werden, doch er reichte Michael Douglas noch nicht. Vier Jahre nach "Einer flog über das Kuckucksnest" produzierte er den Thriller "Das China-Syndrom", der sich kritisch mit der Nutzung von Atomenergie auseinandersetzt, und spielte darin auch eine tragende Rolle. Der Film wurde ein Erfolg, erhielt vier Oscar-Nominierungen, und allmählich begannen die Menschen, über Michael Douglas, den Produzenten und Schauspieler, und nicht mehr über Michael Douglas, den Sohn von Kirk Douglas, zu sprechen.

Er selbst aber spürte erst knapp zehn Jahre später die endgültige Befreiung. An einem Punkt, an dem andere sich längst als Weltstars gefühlt und ihren Oscar poliert hätten, hatte er immer noch das Gefühl, bloß ein privilegierter Junge mit einem großen Namen und akzeptablem Talent zu sein. Er wollte mehr, er war ein Getriebener. Im Jahr 1987 kam "Wall Street" in die Kinos, ein schonungsloser Film über den Zynismus des Geldes, und Douglas spielte Gordon Gekko, den Börsenspekulanten, der diesen Zynismus perfekt verkörperte.

Sein Regisseur war Oliver Stone, ein Vietnam-Veteran, und er war ein gnadenloser Schleifer. Wenn eine Szene nicht saß, und Douglas patzte bei einigen seiner langen Monologe, ließ er den jungen Schauspieler seine Verachtung spüren. "Einmal fragte er mich, ob ich überhaupt schon mal geschauspielert hätte", erzählt Michael Douglas Jahre später. Es sei hart gewesen, aber genau das, was er gebraucht habe. Den Druck wandelte er in Energie um, wie er es schon zuvor in seinem Leben getan hatte. Douglas gewann den Oscar als bester Hauptdarsteller, sein Gordon Gekko ist bis heute die globale Symbolfigur für das zerstörerische Wesen der Gier. "Als ich meinen Schauspiel-Oscar bekam, das war der Moment, wo ich dachte: Jetzt trete sich aus dem Schatten meines Vaters, jetzt beginnt meine eigene Karriere."

Stolze, würdevolle Aura

Und wie. Von nun war er auch als Schauspieler ein Superstar, die Angebote stapelten sich. Douglas bewies ein feines Gespür bei der Rollenauswahl. Obwohl er die unterschiedlichsten Typen verkörperte, war ihnen allen gemein, dass sie so lange an den Abgrund gedrängt wurden, bis sie der Mut der Verzweiflung packte. Auf "Wall Street" folgte das Thriller-Drama "Eine verhängnisvolle Affäre" (1987) an der Seite von Glenn Close. Darin spielt er einen Familienvater, der sich auf ein Verhältnis einlässt und zu spät merkt, dass seine Geliebte ihn zerstören wird, wenn er sich nicht zu ihr bekennt. Er muss kämpfen.

In der wunderbaren Ehe-Satire "Der Rosenkrieg" (1989) beginnt seine einst so geliebte Frau (Kathleen Turner), ihn zu hassen. Er hasst zurück und die beiden bekriegen sich buchstäblich bis aufs Blut. Sie will die gemeinsame Luxusvilla, und sie will ihn demütigen. Er muss kämpfen. In seinem wohl kontroversesten Kassenschlager "Basic Instinct" (1992) spielt er einen labilen Polizisten, der von einer Mordverdächtigen (Sharon Stone) verführt wird. Daraufhin droht er, alles zu verlieren. Er muss kämpfen.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Geradezu gruselig ist sein Auftritt in "Falling Down" (1993), in dem er einen Normalo spielt, der bei gnadenloser Hitze im Stau steht und einfach durchdreht. Fast schon tragikomisch erscheint er in David Finchers genialem Suspense-Thriller "The Game" (1997). Wildfremde Menschen treiben ein Spiel mit ihm, über das er keinerlei Kontrolle hat. Selbst in Tränen aufgelöst behält Michael Douglas eine seltsam stolze, würdevolle Aura.

Der Krebs besiegte die Angst

In den Nuller-Jahren ebbt sein Erfolg ein wenig ab. Doch er ist längst eine Legende wie sein Vater. Ein Zustand, den er nie für möglich gehalten hätte. Er kümmert sich um sein Privatleben. Seit 2000 ist er mit seiner Kollegin Catherine Zeta-Jones verheiratet, die beiden bekommen zwei Kinder. Im Jahr 2010 stellt er sich dann einem neuen Kampf, seinem bislang schwersten. Ärzte diagnostizieren Kehlkopfkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Binnen weniger Wochen magert er furchtbar ab, langjährige Weggefährten, aber auch Fans erschrecken bei seinem Anblick. Die Prognose ist alles andere als gut, aber nach zwei Jahren besiegt Douglas die Krankheit.

All die Energie, die ihn getrieben hatte all die Jahre, die ihn zu einem der größten Schauspieler aller Zeiten hat werden lassen, war auch seine größte Bürde gewesen, wie er nach seiner Genesung sagte: Angst. Angst, zu scheitern, den Vater zu enttäuschen, nicht anzukommen im Leben. Sie war nun verschwunden. "Ich habe festgestellt, dass ich tatsächlich ein besserer Schauspieler geworden bin, seit ich Krebs hatte. Denn er hat mir wesentlich mehr Freiheit gegeben, die ich vorher in dieser Form nicht vor der Kamera gespürt habe."

Diese Freiheit bewog ihn auch, seine wohl anspruchsvollste Rolle anzunehmen. In dem Drama "Liberace" (hier Trailer ansehen) spielt er 2013 den US-Sänger und Entertainer Liberace, der in den 60er und 70er Jahren zu den größten Stars Amerikas zählte. Seine Homosexualität verbarg er bis zu seinem Tod. Douglas wagte sich nicht nur an die Legende, er verwandelte sich auch nach Stunden in der Maske zu dieser wie ein Zirkuspferd aufgetakelten Kunstfigur, und er spielte schwule Sexszenen mit seinem Filmpartner Matt Damon. In den USA fand der Film keinen Kinoverleih, der Kabelsender HBO übernahm schließlich den Vertrieb.

"Ich habe gelernt, mein Herz zu öffnen"

Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde das TV-Drama dennoch gefeiert, und bei den Emmys und Golden Globes wurde Douglas als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Er empfindet den Film als unschätzbares Geschenk. "Im Idealfall nimmst du ja aus so einer Arbeit etwas mit und lernst etwas über dich, das du noch nicht wusstest. Ich habe gelernt, mein Herz zu öffnen und meine Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen zu teilen."

Michael Douglas muss nicht mehr kämpfen, er befindet sich nun in seinem "dritten Leben", wie er es nennt, und darin zählen nur noch seine Familie und seine Gesundheit. Zwar hat er seit "Liberace" vier Filme abgedreht, doch das geschah aus reinem Vergnügen, nicht aus dem Bedürfnis, etwas zu beweisen. Am 25. September wird Michael Douglas 70 Jahre alt. Mit seinem Vater Kirk, 96, hat er heute ein liebevolles Verhältnis. "Ich bin dankbar, dass er mir offenbar einen Teil seines Stehvermögens vererbt hat. Ich habe auch diese Disziplin von ihm geerbt. Egal, was es ist, wir gehen die Dinge frontal an."

(gev)