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Matrix Resurrections: Keanu Reeves auch im 4. Teil dabei

Matrix Resurrections: Trilogie wird fortgesetzt : Realität ist relativ

18 Jahre nach dem dritten Teil der Matrix-Trilogie kommt im Dezember ein vierter Film in die Kinos. Ist es nur der Versuch, erneut Geld aus der erfolgreichen Reihe zu pressen? Oder gibt es tatsächlich offene Fragen? Und leben wir selbst auch nur in einer Simulation?

Es war am Ende von „Matrix Revolutions“ im Jahr 2003. Da hat das „Orakel“ auf die Frage geantwortet, ob wir die Hauptfigur Neo wiedersehen werden: „Ich nehme es an.“ Und seitdem stand eine Fortsetzung im Raum. Zur Geschichte über intelligente Maschinen, die Menschen versklavt haben. Die „schlafen“ in einem Überlebenstank, der sie versorgt – während sie eine simulierte Welt, die Matrix, erleben. Ohne zu wissen, dass es ein virtuelles Konstrukt ist. Und nur die wenigen, die sich befreien konnten, führen den Kampf gegen die Computer.

Dieser Konflikt löste sich in der ersten Trilogie auf. Aber manche empfanden es als einen etwas unbefriedigenden Abschluss und hofften, dass da noch mehr kommen würde. Und Lana Wachowski, die zusammen mit ihrer Schwester Lilly die ursprüngliche Trilogie geschaffen hatte, bringt nun tatsächlich mit „Matrix Resurrections“ (Matrix Wiederauferstehungen) den nächsten Film in die Kinos.

Der erste Trailer sah nicht nur eindrucksvoll aus, er stellte Fans auch erneut vor viele Fragen: Neo und Trinity leben offenbar in der simulierten Matrix-Welt weiter. Aber sie scheinen sich an nichts zu erinnern, was in den drei Vorgänger-Filmen passiert ist. Vielmehr leidet Neo unter Träumen, die ihm seltsam echt vorkommen. Tatsächlich sieht man in einer Trailer-Szene sogar, wie der erste Film innerhalb der Matrix-Simulation gezeigt wird.

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Das ist so verwirrend, wie es die ersten drei Teile bisweilen waren. Anfang des Jahrtausends setzten die zwar neue Maßstäbe: bei den visuellen Effekten und der Inszenierung von Action- oder Kampfszenen. Aber überspitzt gesagt: Es waren Filme für 16-Jährige - die 60-Jährige mit Philosophiestudium verstanden.

Während den Wachowskis im ersten Teil der Spagat zwischen Tiefgründigkeit und Popcorn-Kino noch mit Leichtigkeit gelang, waren die beiden Fortsetzung schwerfälliger. Zwischen den beeindruckenden, teils unglaublichen Action-Sequenzen wurden philosophische Fragen gestellt: Gibt es den freien Willen überhaupt oder ist er eine Illusion? Wie deterministisch ist das Universum? Sind bestimmte Dinge zwangsläufig und nichts weiter als die Folge von Ursache und Wirkung? Dazu kamen Symbole und Ideen aus diversen Religionen sowie Anspielungen auf die damals noch eher unbekannte japanische Manga- und Anime-Welt. Und auch die Frage nach sexueller Identität taucht dezent auf. Aus den Brüdern Larry und Andy Wachowski sind danach in der Realität die Schwestern Lana und Lilly geworden.

Kritiker und Kino-Besucher hatten am Ende ihre Probleme mit der Trilogie. Die Reaktionen bewegten sich zwischen Faszination, Fragezeichen und Fiasko. Oft trat alles zusammen auf. Dennoch spielte die Reihe insgesamt mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar ein und hat das Kino verändert. Bis heute.

Das wird der vierte Teil vermutlich nicht mehr erreichen. Zu oft und in allen möglichen Variationen sind die Elemente aus der Trilogie mittlerweile von anderen Filmen aufgegriffen und abgewandelt worden. Ist es also nur ein verzweifelter Versuch, noch einmal Geld mit dem Namen zu verdienen? Der erste Trailer spricht dagegen. Vielmehr scheint Lana Wachowski – nun ohne ihre Schwester - etwas aufzugreifen, dass in der ursprünglichen Trilogie angedeutet wurde: Die Matrix ist die simulierte Welt, aus der man in die Realität ausbrechen kann. Aber vielleicht ist die gezeigte Wirklichkeit genauso unecht und nur eine weitere Simulation.

In der Trilogie wurde beispielsweise nie geklärt, warum Neo auch außerhalb der Matrix die Maschinen kontrollieren konnte. Das wird im zweiten Film zwar nur kurz gezeigt, aber es bleibt ein Rätsel. Warum haben Ereignisse in der Simulation Auswirkungen auf die menschlichen Körper in der scheinbaren Realität? Bis hin zu Verletzungen und Blutungen. Das Hauptprogramm, das die Simulation steuert, sagt in der Rolle des „Architekten“ sogar explizit, dass man den Menschen den Ausstieg aus der Simulation ermöglicht habe – weil sie daran glauben wollten, eine Wahl zu haben. Er spricht aber nie von der Realität. Vielleicht weil sie auch nur ein virtuelles Konstrukt ist?

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Das berührt indes eine reale Diskussion: Leben wir vielleicht nur in einer Simulation? Für den SpaceX- und Tesla-Gründer Elon Musk ist das klar. Auf einer Konferenz sagte er im Jahr 2016: Die Chance, dass wir tatsächlich real seien, würde bei eins zu einer Milliarde liegen. Für ihn ist die Welt also höchstwahrscheinlich nicht echt. Er folgt damit den Gedanken des schwedischen Philosophen Nick Bostrom. Der hatte 2003 auch als Reaktion auf die Matrix-Trilogie die Wahrscheinlichkeit untersucht, dass wir in einer Simulation leben. Die schätzte er als ziemlich hoch ein – unter zwei Voraussetzungen: Es gibt viele „Posthuman“-Zivilisationen im Universum, die über eine weit fortgeschrittene Technologie verfügen. Und davon wiederum müssten ausreichend viele daran interessiert sein, solche Simulationen zu fahren. Nur unter diesen beiden Bedingungen wäre die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass wir alle simuliert seien.

Dagegen kommen die Forscher Alexandre Bibeau-Delisle und Gilles Brassard von der Universität Montral in einer neuen Arbeit aus diesem Jahr zu einem anderen Schluss: Für sie liegt die Wahrscheinlichkeit weit unter 50 Prozent. Theoretisch sei es zwar möglich. Aber ein Universum fehlerfrei zu simulieren, das stets und überall den physikalischen Gesetzen folgt? Dafür sei eine gewaltige Energiemenge und Rechenleistung erforderlich. Der Aufwand würde sogar exponentiell steigen, sollten die simulierten Menschen in ihrer virtuellen Welt selbst noch eigene Simulationen schaffen. Und das tun wir bereits ansatzweise in Videospielen wie „Sims“ oder „Grand Theft Auto V“ oder seriöser in wissenschaftlichen Analysen mithilfe von Supercomputern.

Am Ende gibt es für sie nur ein Argument für eine Art von „Matrix“. Bislang seien wir auf keinen Beweis für außerirdisches Leben gestoßen. Denn eine Simulation würde an ihre Grenzen kommen, wenn sie gleichzeitig zwei oder mehr Zivilisation mit jeweils Milliarden Lebewesen berechnen müsste. Inklusive eines realitätsnahen Kosmos.

Beide Überlegungen hängen indes von Annahmen ab und Voraussetzungen, die erfüllt sein müssten. Im Grunde geht es um nicht beweisbare Behauptungen. Es kann so sein, muss aber nicht. Der Physiker und Nobelpreisträger Frank Wilczek dagegen glaubt nicht, dass wir in einer Simulation leben. Denn wer immer sie geschaffen hat, verbraucht jede Menge Energie und Rechenleistung für überflüssige Komplexität: Auf den Wunsch ein Haus zu bauen, entwirft ein Architekt ein Gebäude. Es müssen Anträge gestellt werden, Baufirmen müssen die Arbeit aufnehmen. Das Vorhaben durchläuft diverse Stadien und es dauert Zeit bis zur Fertigstellung. Warum kann in einer Simulation aber nicht einfach ein Haus entstehen? Warum diese Komplexität, um eine logische Abfolge von Ursache und Wirkung vorzugaukeln?

Damit folgt Wilczek den Überlegungen des britischen Mathematikers und Philosophen Bertrand Russell. Der hatte 1912 in seiner Schrift „Probleme der Philosophie“ bereits die Frage gestellt, ob die Welt real sei oder eine Einbildung? Nicht mehr als ein Traum. Heute würde man sagen: eine Simulation. Die Annahme „ist logisch nicht unmöglich. Aber es spricht auch nicht das Mindeste dafür“, schreibt Russell. Er führt das am Beispiel einer Katze aus: Warum wird sie immer zwischen den Mahlzeiten hungrig, wenn es sie gar nicht gibt? Warum isst sie nicht einfach, ohne auf ihren Hunger aufmerksam zu machen? Und warum frisst sie überhaupt, wenn sie nur erfunden ist? Diese Probleme seien noch klein im Vergleich zu unserer täglichen Erfahrung mit Menschen. Es sei logischer und einfacher anzunehmen, dass diese Welt real sei. Aber: „Das Argument … ist ohne Zweifel weniger stark als wir wünschen möchten“, gibt Russell zu.

 Keanu Reeves als Neo im Matrix-Resurrections-Trailer mit Carrie-Anne Moss (Trinity).
Keanu Reeves als Neo im Matrix-Resurrections-Trailer mit Carrie-Anne Moss (Trinity). Foto: Warner Bros./Village Roadshow Films/dpa

Was heißt das nun für den vierten Teil? Lana Wachowski könnte die Frage klären, ob wir in den Filmen jemals die Realität gesehen haben. Vielleicht sind die roten Pillen tatsächlich ein Ausstieg aus der Matrix. Sie führen aber nur in ein anderes „Level“, einen gesonderten Abschnitt der virtuellen Welt. Und die Wirklichkeit? Die sieht vielleicht ganz anders aus. Möglicherweise ist die gesamte Geschichte über den Aufstieg der intelligenten Maschinen nur Teil der Programmierung und nicht die Wahrheit. So würde man auch ein Kernproblem der Trilogie lösen. Ursprünglich wollten die Wachowskis, dass die versklavten Menschen von den Maschinen für ein biologisches Netzwerk genutzt werden. Für eine Art von lebendem Supercomputer. Das war den Verantwortlichen des Filmstudios Warner zu kompliziert. Sie kamen auf die Idee, dass die Maschinen die Menschen wie eine Art Batterie nutzen. Als Bio-Energiequelle sozusagen. Sinn ergibt das keinen, weil es kaum effizient wäre. Aber nun könnte es ein Indiz dafür sein, dass es sich nur um eine erfundene Story in einer Scheinrealität handelt.

Bereits die Figur Morpheus fragte sich am Ende der Trilogie, ob die angebliche Wirklichkeit echt sein kann. Der Schauspieler wurde für den vierten Film neu gewählt. Statt Laurence Fishburn spielt Morpheus nun Yahya Abdul-Mateen II. Einige Fans sind darüber nicht glücklich, aber das könnte ein weiterer Hinweis für eine Simulation sein – in der Menschen ganz anders aussehen können. Der Titel „Wiederauferstehungen“ sollte auch nicht wörtlich genommen werden, nur weil mit Keanu Reeves als Neo und Carrie-Anne Moss als Trinity bekannte Gesichter auftauchen. Vielleicht ist nicht die Wiederauferstehung von Toten gemeint, sondern der Weg der Menschheit zurück in die nun wirkliche Wirklichkeit.

Matrix Resurrections kommt am 22. Dezember in die Kinos.