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"Luca" Disney +: So gut ist der neue Animationsfilm - Filmkritik

Pixar-Komödie „Luca“ : Santa Ricotta!

Das neue Animationsabenteuer aus den Pixar-Studios ist ein heiterer Sommerspaß. „Luca“ erzählt von zwei Seeungeheuer-Teenagern, die sich in Menschen verwandeln und das Leben an der italienischen Küste genießen. Zu sehen ist der Film bei Disney+.

Das Leben unter Wasser ist ziemlich langweilig, jedenfalls wenn man ein Seeungeheuer-Teenager ist. Luca muss jeden Tag Kugelfische zum Weiden auf die Algenwiese führen. Statt Kaugummiblasen kann er nur Luftblasen platzen lassen. Wenn er naschen will, gibt es bloß Seegurken. Und Mama und Papa sind U-Boot-Eltern – zumindest, wenn man annimmt, dass das die submarine Entsprechung von „Helikopter-Eltern“ ist: Sie kümmern sich ein bisschen zu viel und warnen immerzu vor der Welt an der Oberfläche, vor den Menschen und ihren Booten.

„Luca“ ist der Titelheld des neuen Films aus den Pixar-Animationsstudios, und so viel Sommer, Charme und Gelato-Bambini-Pecorino-Seligkeit war selten in einer Produktion der Kalifornier. Das ist der Film, den man gemeinsam im Urlaub sehen sollte: Mitte der 50er-Jahre spielt er, an der sonnenverwöhnten italienischen Küste, wo die Fischer auf See ihr Grammophon anwerfen und Opernarien hören. Und natürlich ist klar, dass Luca nicht unten bleiben wird, wo es oben doch so toll ist.

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Bald trifft er denn auch Alberto, einen anderen Seeungeheuer-Teenager, einen Draufgänger und Abchecker, und der verrät ihm das große Geheimnis: Wenn sie an Land gehen, verwandeln sie sich in Menschenkinder und können all das genießen, was man als Dolce Vita bezeichnet: den Himmel sehen und die Sonne, den Wind spüren und die Schwerkraft. Sie stylen sich mit dem Schleim von Wasserschnecken Haartollen und wagen sich in ein Dorf, das ein einziges Klischee ist. Aber jedes Stereotyp ist so wunderbar überzeichnet, dass man sich gleich ergibt: An den Häuserwänden hängt ein Filmplakat von Fellinis „La Strada“. Die Männer trinken Espresso am Tresen. Kinder essen rot leuchtende Melonen. Auf der karierten Tischdecke liegt schon ein Panino. Und zwischen den Balkonen hängt bunte Wäsche, die die Gassen wie Fähnchen an einem Festtag schmückt.

Im vergangenen Jahr lieferte Pixar mit „Soul“ einen philosophischen Film über einen Jazzmusiker, der eigentlich schon gestorben war und zurück möchte in das Leben. Nun geht es leichter zu, aber die Frage, die beiden Produktionen zugrunde liegt, ist dieselbe: Ist das Leben nicht schön? Regisseur Enrico Casarosa inszeniert eine zwischen Folklore und Tiefsinn changierende Geschichte vom Erwachsenwerden, eine Außenseiter-Erzählung, die sich Motive aus der (Pop-)Kulturgeschichte borgt. Von der Sehnsucht der „kleinen Meerjungfrau“ ebenso wie von Italien-Verherrlichungen wie in jener saudoofen 80er-Jahre-Werbung, in der ein Autofahrer in Italien in einen Tomaten-Transporter kracht und dann doch noch alle glücklich werden, weil: „eine Allianz fürs Leben“.

 Alberto und Luca als Seeungeheuer unter Wasser.
Alberto und Luca als Seeungeheuer unter Wasser. Foto: AP/Pixar

Luca und Alberto ahnen, wie toll es sein muss, Vespa zu fahren und die Freiheit zu spüren, und deshalb nehmen sie an einem italienischen Triathlon teil, um sich vom Preisgeld einen Motorroller kaufen zu können. Das Problem: Neben Laufen und Pasta-Essen müssen sie auch um die Wette schwimmen, und bei Berührung mit Wasser verwandeln sie sich zurück in Seeungeheuer. Auf die ist die Dorfbevölkerung schlecht zu sprechen. Wie die Leute in Nantucket in „Moby Dick“ vom Walfang leben, gründet die Geschichte dieses Ortes auf das Erlegen der rätselhaften Meereswesen. Keine guten Voraussetzungen also für zwei Jungs aus der Tiefe, die mit Flossen geboren wurden.

Zum Glück gibt es Giulia, die wie eine Cousine der früheren Pixar-Heldin Merida anmutet und sehr schön fluchen kann: heiliger Mozzarella! Auch sie ist eine Randständige der Gesellschaft, auf andere Weise natürlich, aber zwischen den Dreien stimmt gleich die Chemie. Zusammen entwischen sie auch Lucas erzürnten Eltern, die ins Dorf gekommen sind, um jedem Kind Wasser ins Gesicht zu spritzen, damit sie ihren Sohn finden und zurückbringen können.

Die Temperatur der Farben in „Luca“ ist kräftig aufgedreht worden, die Ansichten von Italien wirken wie Postkarten, die Heldenreise ist ziemlich geradlinig erzählt. Und doch erliegt man dem Zauber dieser Geschichte. Weil sie so liebevoll gestaltet und so nostalgisch umflort ist. Und weil ihre Hauptfiguren irgendwie zu Herzen gehen. Die Botschaft ist ewig gültig. Luca wird sich nämlich nicht nur von seinen Eltern lösen, sondern auch von seinen Freunden. Er muss das. Doch er wird nicht vergessen, von wo er kommt. Die letzte Szene zeigt das eindrucksvoll.

Santa Ricotta!