Legendärer Regisseur Jürgen Flimm im Alter von 81 Jahren gestorben

Berlin · Er war einer der maßgeblichen Regisseure im deutschen Sprachraum. Nun ist Jürgen Flimm, der frühere Intendant unter anderem der Berliner Staatsoper Unter den Linden, gestorben.

 Jürgen Flimm, zum Zeitpunkt der Aufnahme (Juli 2016) Intendant der Staatsoper Berlin.

Jürgen Flimm, zum Zeitpunkt der Aufnahme (Juli 2016) Intendant der Staatsoper Berlin.

Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Er selbst sah sich „immer auf Entdeckungsreise“. Und doch war Jürgen Flimm überall zu Hause. Der Regisseur und Intendant wirkte in Oper, Theater, Film, Fernsehen. Seine Arbeiten wurden an Häusern in der ganzen Welt gefeiert. Flimm starb am Samstag im Alter von 81 Jahren, wie die Berliner Staatsoper Unter den Linden mitteilte.

Seine jüngsten Regiepläne bleiben damit unerfüllt. Am Hamburger St. Pauli Theater wollte Flimm in diesem Frühjahr Samuel Becketts „Das letzte Band“ mit Wolf-Dietrich Sprenger herausbringen.

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Foto: dpa/Gert Eggenberger

Im Mittelpunkt seiner Regiearbeit stand der Mensch mit seinen sozialen und psychologischen Verstrickungen. Gleichzeitig hatte er mit Mozart einen Hausgott. „Figaros Hochzeit“ oder „Don Giovanni“ seien die größten Werke, die Menschenhand je geschaffen habe, schwärmte er einst. Aufbruch und Bewahren, Tradition und Suche nach neuen Formen standen für Flimm nicht in Konkurrenz. Er versuchte auf der Bühne, scheinbar Gegensätzliches zu verbinden.

Am 17. Juli 1941 als Kind einer protestantischen Ärztefamilie in Gießen geboren, wuchs Flimm in Köln auf und studierte dort Theaterwissenschaft, Germanistik und Soziologie. Zuviel Einfluss sollte die Stadt nicht haben auf sein Image. „Nur weil ich einmal laut Lieder gesungen habe, mich immer wieder „rheinische Frohnatur“ zu nennen ist totaler Quatsch“, sagte er mal. Doch auch den „romantischen deutschen Künstler“, der regelmäßig in Melancholie versinke, wollte er nicht geben.

Seine Regiekarriere startete er 1968 als Assistent bei Fritz Kortner und Claus Peymann an den Münchner Kammerspielen. Als Theaterleiter verdiente er sich in Köln von 1979 bis 1985 Meriten. Das Hamburger Thalia Theater machte er als Intendant von 1985 bis 2000 zur bestbesuchten Bühne Deutschlands.

Flimm leitete die Ruhrtriennale und die Salzburger Festspiele (2006-2010). Die Berliner Staatsoper Unter den Linden leitete er von 2010 bis 2018 als Intendant. Er wirkte unter anderem an der Mailänder Scala, am Royal Opera House Covent Garden London, an der Wiener Staatsoper, an der Metropolitan Opera New York sowie bei den Bayreuther und den Salzburger Festspielen.

Mit seinem Bayreuther „Ring des Nibelungen“ erntete er gespaltene Reaktionen, ebenso bei seiner Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt zu Henry Purcells „King Arthur“ in Salzburg. Ungeteilt gefeiert wurde er in New York mit Beethovens „Fidelio“, die von der „New York Times“ zur besten Opernproduktion des Jahres gekürt wurde.

Flimm war auch Regisseur bei Film- und Fernsehproduktionen. So realisierte er unter anderem zwei Folgen der in den 70er Jahren als TV-Kult geltenden Staffel „Ein Herz und eine Seele“ mit Heinz Schubert als Ekel Alfred und Helga Feddersen in der Rolle der Else. Mitunter wirkte Flimm auch als Schauspieler. So stand er unter anderem in zwei „Tatort“-Folgen vor der Kamera.

In Berlin traf er sich manchmal mit Otto Rehhagel, ihn kannte Flimm aus Hamburger Zeiten. An dem Fußballtrainer bewundert er Nervenstärke und Menschenkenntnis. „Der hat als Trainer jede Woche Premiere.“

Bundeskanzler Olaf Scholz würdigte Flimm. „Ob Theater, Oper, TV oder Kino - Jürgen Flimm hat die Bühnen als Regisseur und Intendant erneuert und geprägt – in Hamburg, dem Ruhrgebiet, Salzburg, Bayreuth, Berlin“, schrieb der SPD-Politiker auf seinem Twitter-Account. „Sein großes Herz, seine Zuversicht und sein feiner Humor werden nun fehlen.“

(felt/dpa)