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Kulturtipss zum Wochenende mit Oliver Sacks und Ichiko Aoba

Kulturtipps zum Wochenende : Oliver Sacks erzählt sein Leben

Der faszinierende Schriftsteller und Neurologe Oliver Sacks ist in einer Arte-Doku zu erleben. Und: kurze Texte von Ilse Aichinger und ein Konzert der japanischen Folksängerin Ichiko Aoba.

Dokumentarfilm
In der Arte-Mediathek gibt es noch bis zum 19. Dezember eine Doku über das Leben des berühmten Neurologen und Schriftstellers Oliver Sacks. Der 2015 in New York gestorbene Brite schrieb etwa die Vorlage zum Oscar-Erfolg „Zeit des Erwachens“ mit Robert De Niro und Robin Williams. Und er war ein bemerkenswerter Mensch. Mit seinen Forschungen half er vielen Migräne-Patienten. Seine Fachkollegen akzeptierten Sacks jedoch lange nicht. Wahrscheinlich waren ihnen seine Methoden zu unkonventionell. Er selbst war lange drogenabhängig, darüber spricht er in diesem Film. Und auch darüber, wie schwierig es in den 50er und 60er Jahren gewesen ist, offen als Homosexueller zu leben.

Großartig sind die Beschreibungen der achtstündigen nächtlichen Motorradfahrten, die er an freien Wochenenden Richtung Meer unternahm. Sacks umgab so ein Leuchten, und wer diesen Film sieht, wird sich von ihm inspiriert fühlen. Man kann es denn auch kaum mitansehen, wie er bei einer Lesung von seiner Krebs-Diagnose erzählt, nach der er nur noch wenige Monate zu leben hatte. Empfohlen seien zudem die autobiographischen Bücher „On The Move“ und „Die feine New Yorker Farngesellschaft“.

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Buchtipp

Die 2016 gestorbene Schriftstellerin Ilse Aichinger wäre am 1. November 100 Jahre alt geworden. Der Fischer-Verlag hat aus diesem Anlass unter dem Titel „Aufruf zum Misstrauen“ rund hundert über ihr gesamtes Schreibleben an verstreuten Orten veröffentlichte Texte zusammengestellt. Darunter sind großartige Feuilletons wie die „Reise nach England“, in der dieser schöne Satz zu finden ist: „Das Meer wird wie die Liebe von jedem Menschen neu entdeckt.“

Aichingers Spiegelgeschichte“ ist Schullektüre. Berühmt wurde die Autorin 1948 mit dem Roman „Die größere Hoffnung“, den sie mit 25 geschrieben hatte. Er gilt als erstes Dokument einer „Literatur nach Auschwitz“. Das Buch verkaufte sich zunächst allerdings schlecht, weswegen ihr Verleger Gottfried Beermann-Fischer an sie schrieb: „Sie müssen sich jetzt aber auch sehr fest disziplinieren und in die Hand nehmen. Die Freiheiten, die Sie sich bei Ihrem ersten Buch noch erlauben konnten, gewisse Abschweifungen und ein gewisses Sichgehenlassen in den Seitensprüngen der Phantasie, müssen Sie beim nächsten Buch abstellen.“

Phantasie, ausgerechnet. Aichinger ist die große Sprachskeptikerin der deutschsprachigen Literatur. Das Verlangen nach immer größerer Präzision, nach absoluter Genauigkeit und Klarheit, ließ sie irgendwann verstummen. Jahrzehntelang las man nichts von ihr. „Meine Sprache und ich, wir haben uns nichts zu sagen“, ließ sie verlautbaren. Umso größer war das Erstauen, als sie um das Jahr 2000 ihr Spätwerk begann: Feuilletonkolumnen und -journale. Sie schrieb über Filme und Reisen, und wunderbar ist etwa die Erinnerung an einen Besuch bei Bob Dylan in den USA, den sie in dem Band „Film und Verhängnis“ dokumentiert.

Musikalische Entdeckung

Ich habe vor kurzem die japanische Musikerin Ichiko Aoba entdeckt. Ihr neues Album heißt „Windswept Adan“, und zu hören ist darauf traumhafte Musik; der Soundtrack für ein Leben in der Unterwasser-Welt. Ich würde Ichiko Aoba gerne mal live erleben, und dieses Video, bei dem sie ihren Titel „Porcelain“ aufführt, zeigt, wie eindrucksvoll Konzerte von ihr sein können.