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"Wenn die Gondeln Trauer tragen" setzte Maßstäbe: Kultregisseur Nicholas Roeg wird 75

"Wenn die Gondeln Trauer tragen" setzte Maßstäbe : Kultregisseur Nicholas Roeg wird 75

Frankfurt/Main (rpo). Mit Filmen wie "Wenn die Gondeln Trauer tragen" hat der britische Regisseur Nicholas Roeg Sehgewohnheiten verändert. Am 15. August wird der Avantgardist 75 Jahre alt.

In London geboren, lernte Nicholas Roeg das Filmhandwerk von der Pike auf. Als Kameramann mit eigener Handschrift wurde er von François Truffaut für "Fahrenheit 451" und von David Lean für einige Szenen der Monumentalfilme "Doktor Schiwago" und für "Lawrence von Arabien" engagiert.

Sein Regiedebüt "Performance" (1969) mit Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger in der Rolle kam wegen Bedenken gegen die Drogenszenen mit zwei Jahren Verspätung in die Kinos. In dem 1971 folgenden Thriller "Walkabout" lässt er die weiße, naturentfremdete Zivilisationskultur mit der Kultur der australischen Aborigines zusammenprallen.

Seine Meisterschaft zeigte er in "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973) mit Donald Sutherland und Julie Christie. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb, der in Venedig angesiedelte Thriller überzeuge "nicht nur durch eine der raffiniertesten, schönsten und wohl freizügigsten Liebesszenen der Filmgeschichte, sondern durch eine ungemein fesselnde Atmosphäre, durch eine seltsam morbide, beklemmende, manchmal albtraumhaft-irritierende Stimmung".

Zum Kultfilm wurde auch Science-Fiction-Streifen "Der Mann, der vom Himmel fiel" (1975) mit Pop-Sänger David Bowie als androgyner Außerirdischer, der auf die Erde kommt, um die letzten Überlebenden einer kosmischen Katastrophe auf seinem Heimatstern zu retten.

Auch in seinen folgenden Filmen spielte Nicholas Roeg mit den Grenzen zwischen Vorstellung und Wirklichkeit und der Macht des Unbewussten. Erfolg hatte er aber auch mit der Komödie "Die verflixte Nacht" (Insignificance), in der Albert Einstein, Marilyn Monroe, Senator McCarthy und den Baseballspieler und Monroes Ehemann Joe di Maggio zusammentreffen. Roegs zweite Ehefrau Theresa Russell spielte die Monroe.

Als Multimedia-Projekt realisierte Nicholas Roeg den Kurzfilm "The Sound of Claudia Schiffer" (2000) in Zusammenarbeit mit dem Musiker Adrian Utley von der Popgruppe Portishead.