"Paul — ein Alien auf der Flucht": Zutraulicher Besuch aus dem Weltall

"Paul — ein Alien auf der Flucht" : Zutraulicher Besuch aus dem Weltall

Düsseldorf (RP). Graeme Willy und Clive Collings sind beste Freunde, hartgesottene Nerds und unverbesserliche Comic-Junkies. Nach dem Besuch der Comic-Con in San Diego pilgern sie - wie es sich gehört - ins Ufo-Mekka von Nevada, zur Area 51. Doch nicht mal in ihren kühnsten Träumen hätten die beiden Sci-Fi-Gläubigen mit einer echten Alienentführung gerechnet - oder besser gesagt mit einem Alien, das sich ihr Wohnmobil schnappt und sie auf den Trip ihres Lebens mitnimmt.

Kein Wunder, dass Paul, das Männchen von einem anderen Stern, aussieht wie E. T. — schließlich, so erklärt er seinen beiden englischen Fluchthelfern, habe er sich als technischer Berater für Science-Fiction-Regisseure wie Steven Spielberg nützlich gemacht. Doch nur äußerlich ähnelt der Kobold mit seinem spindeldürren Körper, dem riesigen Kahlkopf und den übergroßen Augen dem berühmten Außerirdischen.

Er ist kein liebenswürdiger Kinderfreund, sondern ein hartgesottener Zyniker. Seit der Notlandung seines Raumschiffs hat er jahrzehntelang auf einer geheimen Militärbasis im Südwesten der USA gelebt und alle Untugenden übernommen, die dort verbreitet zu sein scheinen. Er ist ein harter Trinker, nimmt Drogen aller Art und schwelgt in ordinären Flüchen und sexistischen Zoten.

Schließlich ist er ein Geschöpf von Simon Pegg und Nick Frost, den beiden englischen Komikern, die sich mit "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" einen Namen machten als Virtuosen im ironischen Spiel mit Genre-Mustern aus Horror- und Action-Film. Für ihre Begegnung mit "Aliens" sind sie zu einer Pilgerfahrt in die USA aufgebrochen.

Sie besuchen die Comic-Messe in San Diego, stellen sich artig an für Autogramme von arroganten Stars der Szene und mieten sich dann ein Wohnmobil für eine Reise zu den legendären Wüstenorten, in denen einst UFOs gelandet sein sollen: Area 51 in Nevada, Rosewell in New Mexico. Doch soweit kommen sie gar nicht, weil ihnen Paul über den Weg läuft und fortan den Kurs ihrer Reise bestimmt.

"Paul" ist nicht so turbulent wie die englischen Genre-Parodien von Pegg und Frost. Unter der Regie von Greg Mottola haben sie sich für eine bedächtigere Mischung aus Road-Movie und Science-Fiction-Satire entschieden. Die vorhersehbaren Stationen der Reise werden mit komischen Details ausgemalt, die weniger auf schrille Effekte als vielmehr auf lässige Heiterkeit setzen.

Natürlich erleben sie auch alle Klischees finsterer amerikanischer Provinz: aggressive Homophobie etwa und einen ebenso bibelfesten wie schießfreudigen christlichen Fundamentalisten — das ist der Vater von Ruth. Kristen Wiig spielt diese Ruth, die sich unter dem Einfluss von Paul und den Engländern von einer bigotten Christin in eine sexfreudige und begeistert fluchende Atheistin verwandelt, mit überschäumenden Temperament.

Doch weil Paul gejagt wird — von etwas vertrottelten Polizisten sowie von mörderisch tüchtigen FBI-Agenten —, gibt es auch zahlreiche turbulente Verfolgungsjagden. Da haben sich Pegg und Frost ein bischen zu übereifrig um amerikanischem Publikumsgeschmack bemüht.

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