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Wim Wenders und Robert Redford erkunden "Kathedralen der Kultur"

Ungewöhnliche Dokumentation : Wim Wenders erkundet "Kathedralen der Kultur"

Wenn Gebäude sprechen könnten, was würden sie uns erzählen? Dieser Frage geht der Filmemacher Wim Wenders ("Der Himmel über Berlin", "Pina") in einem ungewöhnlichen Gemeinschaftsprojekt mit fünf namhaften Kollegen nach - auch Hollywood-Star Robert Redford ließ sich für das Experiment begeistern.

In der Dokumentation "Kathedralen der Kultur" erforschen sie mit den Mitteln der 3D-Technik die Seele besonderer Bauwerke - von der Berliner Philharmonie über das Centre Pompidou in Paris bis zum Halden Gefängnis in Norwegen. Immer wieder vermittelt der Film faszinierende Einblicke in die Geschichte von Gebäuden, allerdings verlangt die gut zweieinhalbstündige Langfassung auch Geduld und Sitzfleisch.

Vor allem Wenders, der seit seinem oscar-nominierten Tanzfilm "Pina" auch international als Vorreiter des dreidimensionalen Kunstkinos gilt, nutzt die Technik virtuos. In seinem Porträt von Hans Scharouns legendärer Philharmonie in Berlin gibt er dem Zuschauer tatsächlich das Gefühl, direkt mit Sir Simon Rattle im Konzertsaal zu stehen. "3D ist eine Revolution der Filmsprache, nicht mehr und nicht weniger", sagt Wenders. Er beobachtet das Orchester bei Proben, besucht Rattle in dessen Büro.

Regiekollege Robert Redford nähert sich dem von ihm vorgestellten Salk Institut stärker mit den klassischen Mitteln des Dokumentarfilms. Das Besondere des einsam über der kalifornischen Küste gelegenen Forschungsinstituts wird vor allem aus den Erzählungen und Erinnerungen von Menschen lebendig.

Zu einer Art Vermächtnis wird der Beitrag des österreichischen Regisseurs Michael Glawogger über die Russische Nationalbibliothek. Der gebürtige Grazer starb im April bei neuen Dreharbeiten in Afrika an Malaria. Die vielleicht bewegendste Episode kommt von dem dänischen Konzeptkünstler Michael Madsen, weil in seiner Beschreibung des modernen norwegischen Hochsicherheitsgefängnisses Halden letztlich doch die Menschen die Hauptrolle spielen. Der Brasilianer Karim Ainouz lässt das Pariser Centre Pompidou in Ich-Form von einem Tag in seinem Leben als demokratisch-offener Kulturtempel erzählen.

(dpa)