Schlecht gelaunter Schutzengel: Will Smith ist Tollpatsch "Hancock"

Schlecht gelaunter Schutzengel : Will Smith ist Tollpatsch "Hancock"

Düsseldorf (RPO). Um ein Auto, das im Stau auf den Schienen stehengeblieben ist, vor einem heranrasenden Güterzug zu retten, stoppt er lässig die Lokomotive mit der Hand - verursacht dabei allerdings eine Massenkarambolage: Hancock ist die personifizierte Verwüstung.

Am 3. Juli läuft die Actionkomödie "Hancock" an und präsentiert einen Superhelden, der bei seinen Rettungsaktionen so viele Kollateralschäden hervorruft, dass die Einwohner von Los Angeles die Nase gestrichen voll haben von ihrem Schutzengel.

Nicht so der wohlmeinende PR-Berater Ray, dem Hancock das Leben rettet und das Auto demoliert. Die Schimpfkanonaden der Umstehenden im Ohr, beschließt Ray, Hancocks Image aufzupolieren. Er bringt den versoffenen Super-Rowdy nicht nur dazu, sich höflicherer Umgangsformen zu befleißigen. Außerdem überredet er ihn, zwei Wochen ins Gefängnis zu gehen, damit die Leute spüren, was sie an ihm haben. Von Ray allerdings völlig unbemerkt, bahnt sich zwischen seiner schönen blonden Gattin Mary und dem unrasierten Hancock etwas an. Die Luft brennt, wenn sich die beiden ansehen, und Mary muss schließlich ihr wahres Ich enthüllen.

Das ist doch mal was anderes als die Typen aus den Marvel-Comics, die sonst die Leinwand bevölkern: Will Smith, den man auch mögen würde, wenn er das Telefonbuch verfilmte, will mit dieser originellen Rolle Abstand gewinnen von seiner gewohnten Sonnyboy-Nummer. Mit Verve gibt er den Superhelden als versoffenen Kaputtnik und Sozialfall, der niemanden, inklusive sich selbst, leiden kann, der aber das Helfersyndrom in den Genen hat.

Solch ein Individuum würde eine Frau wie Mary weiträumig umfahren, und Charlize Theron ist zunächst die idealtypische Mittelklasse-Gattin mit untrüglicher Witterung für Ärger. Wer nicht ungefähr den Filminhalt kennt, würde nie darauf kommen, dass diese Hausfrau mehr drauf hat, als Spaghetti zu kochen.

Plötzlich in Lederkluft

So hat der Film neben zwei charismatischen Stars so viele aparte Ideen, dass eigentlich nichts mehr schief gehen dürfte. Und doch wirkt die Inszenierung so grobmotorisch wie Hancock bei seinen guten Taten. Regisseur Peter Berg ("Operation Kingdom") tut sich entsetzlich schwer damit, die komischen und tragischen Aspekte unter einen Hut zu bekommen. Er schaltet übergangslos vom Brachial-Slapstick rund um Hancocks Tagewerk zur stillen Verzweiflung des Außenseiters, und von da zur Knastkomödie und zur Satire politisch-korrekter Kommunikation, wenn Hancock eine angeschossene Polizistin fragt, ob er sie beim Retten berühren dürfe.

Dann geht's holterdiepolter zur Metamorphose von Mary, die plötzlich in Lederkluft und Stöckeln auftaucht und à la "X-Men" mal kurz ein Gewitter zusammenbraut. Völlig unironisch muss schließlich eine metaphysisch angehauchte Superhelden-Mythologie als Erklärung dafür herhalten, wieso der schwarze Mann und die weiße Frau niemals zusammen sein können. Der Gipfel des Zynismus ist jedoch erreicht, wenn Gutmensch Ray während Hancocks freiwilligem Knastaufenthalt auf möglichst viele Gewaltopfer spekuliert, damit die Menschen Hancock schätzen lernen. Na super.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Will Smith als "Hancock"

(ap)
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