1. Kultur
  2. Film
  3. Kinokritiken

Drama "Bad Lieutenant: Port Of Call New Orleans": Werner Herzog lässt die Leguane los

Drama "Bad Lieutenant: Port Of Call New Orleans" : Werner Herzog lässt die Leguane los

(RP). Werner Herzog mag nun mal extreme Typen, diese Größenwahnsinnigen, Trotzigen, Leidenschaftlichen, diese Fitzcarraldos, die Schiffe über Urwaldberge hieven, weil sie sich erst ganz lebendig fühlen, wenn sie etwas Unmögliches wagen. Gewinnen müssen sie nicht.

(RP). Werner Herzog mag nun mal extreme Typen, diese Größenwahnsinnigen, Trotzigen, Leidenschaftlichen, diese Fitzcarraldos, die Schiffe über Urwaldberge hieven, weil sie sich erst ganz lebendig fühlen, wenn sie etwas Unmögliches wagen. Gewinnen müssen sie nicht.

Um solche Figuren baut der Regisseur seine Geschichten, die eigentlich Charakterstudien sind, mag nebenher auch noch so viel Abenteuer geschehen. Insofern passt sein neues Werk "Bad Lieutenant: Port Of Call New Orleans" ins Gesamtwerk, denn auch dieser Film erkundet einen Mann, der das Gewöhnliche, die Konvention weit hinter sich lässt. In diesem Fall auch die Grenzen des Gesetzes, denn der "böse Lieutenant" ist ein drogensüchtiger Cop mit Rückenleiden, dessen Freundin als Prostituierte arbeitet.

Nicolas Cage spielt diesen gebrochenen Grenzgänger der Kriminalistik, der bei der Drogenbeschaffung immer tiefer in den Sumpf des organisierten Verbrechens gerät, mit der für ihn typischen Larmoyanz. Doch dabei bleibt es nicht. Im Laufe der immer grelleren Handlung fügt Cage seiner Figur noch etwas hinzu, das seinen Auftritt bemerkenswert macht, etwas Irres, Unberechenbares, Selbstzerstörerisches — Herzog-Zutaten also, mit denen der Regisseur seinem Hauptdarsteller alle Behäbigkeit austreibt. Es ist, als hauche er Nicolas Cage ein wenig von seinem früheren Lieblingsdarsteller Klaus Kinski ein. Cage hat man jedenfalls selten so erfrischend wahnsinnig spielen sehen. Schön also, dass Werner Herzog nach knapp einem Jahrzehnt zurück ist im deutschen Kino.

  • Berlin : Berlinale setzt auf Kunst
  • Deutsche gehen bei Berlinale leer aus : Bären für Roman Polanski und den Film "Bal"
  • Fotos : Nicolas Cage besucht Mombasa

Warum er seinen Film allerdings "Bad Lieutenant" genannt hat, bleibt ein Rätsel, denn ein Remake des gleichnamigen Cop-Dramas von Abel Ferrara ist der Film nicht. Ferrara führte seinen drogen- und spielsüchtigen Polizisten Harvey Keitel mit leidenschaftlicher Dramatik in existenzielle Lebens- und Glaubenskrisen. Herzog hingegen zeigt seinen zerstörten und zerstörerischen Cop zwar vor der schwül-morbiden Kulisse des hurrikanramponierten New Orleans, doch überzeichnet er oft so sehr, dass Tragik in Ironie kippt. Dazu schnitzelt er immer wieder wackelige Nahaufnahmen von Leguanen in die Handlung, lässt erschossene Drogenbosse breakdancend wiederauferstehen und führt die Handlung in ein sahnesüßsanftes Happy-End. Das alles versteht man nur, wenn man mal gesehen hat, wie Werner Herzog nachsichtig lächelt, sobald er nach dem Sinn solcher Symbole gefragt wird. Es ist sein exzentrischer Humor, der diesem Film eine ganz eigenartige Endzeitstimmung verleiht. Eine Atmosphäre, die in den Kinosaal kriecht, belustigt oder befremdet, dieses Werk aber in jedem Fall abhebt von jeder Hollywood-Routine.

Herzog hat gerade als Jury-Präsident bei der Berlinale auf einen Skandal verzichtet und das mittelmäßige Programm öffentlich nicht kritisiert. Nachsichtig lächelnd auch dort. Der Provokateur ist milde geworden — die Irritation überlässt er seinen Filmen.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gewinner und Stars: Preisverleihung bei der Berlinale

(RP)